37 Jahre lang, von 1967 bis 2004, habe ich die Entwicklung der Filterproduktion in Marklkofen miterlebt. In diesen fast vier Jahrzehnten habe ich verschiedene Tätigkeiten ausgeübt. Ich habe als Dreher im Werkzeugbau angefangen, übernahm dann die Lehrlingsausbildung, kam 1976 in die Arbeitsvorbereitung und wurde nach der Umstrukturierung 1992 Leiter der Fertigung und etwas später Abwesenheitsvertreter des Werksleiters. Ich kann von mir sagen: Bis auf Pförtner habe ich fast alles gemacht 😉

Als ich 1967 als Dreher in Marklkofen anfing, war das Werk außerhalb eines Umkreises von zehn Kilometern so gut wie nicht bekannt. Meine ehemaligen Kollegen im Dingolfinger Werk von Eicher Traktoren hatten von meinem Vorstellungsgespräch gehört und fragten mich: Was für Filter machen die denn, Zigaretten- oder Kaffeefilter? Wenn man überlegt, wie präsent MANN+HUMMEL heute auf der ganzen Welt ist, dann hat sich an der Bekanntheit des Unternehmens gewaltig geändert.

Stetiges Wachstum

An der Mission „Weltherrschaft“, wie ich es mal augenzwinkernd nennen möchte, haben viele Top-Leute mitgearbeitet. Die Produktionszahlen gingen stetig nach oben. Wir hatten immer wieder Jahre mit Rekordzahlen, auch wenn zwischendurch mal die eine oder andere Flaute zu bewältigen war. Nur ein Beispiel: Als ich 1967 anfing, hatten wir zwei Wechselfilterbänder; als ich 2004 in Ruhestand ging, waren es neun. Durch die Automatisierung konnten wir immer höhere Stückzahlen pro Minute produzieren. Anfangs haben wir vielleicht 15 Wechselfilter pro Minute gemacht, später schafften die Bänder in derselben Zeit 35 Stück und mehr. Neben meiner Arbeit als Dreher habe ich zunächst die gewerbliche Ausbildung der Lehrlinge mitübernommen; später wurde ich hauptamtlicher Ausbilder. Marklkofen hatte ja 1966 überhaupt erst mit der gewerblichen Ausbildung von Werkzeugmachern und Maschinenschlossern begonnen.

1976-1991: Traumjob Arbeitsvorbereitung

1976 wechselte in die Arbeitsvorbereitung, vier Jahre später übernahm ich deren Leitung. Damals war die Arbeitsvorbereitung noch nicht den Fachabteilungen zugeordnet: Zu zweit teilten wir uns die Zuständigkeiten für das ganze Werk. Die Arbeitsvorbereitung war für mich das Größte, ein echter Traumjob. Aufgaben gab es Ende der 1970er genug: Wir befanden uns noch in der Phase, in der Produktion von Ludwigsburg nach Marklkofen verlagert wurde. Viele Anlagen und Maschinen wurden neu angeschafft oder modernisiert. Neuinvestitionen liefen damals zwar grundsätzlich über Ludwigsburg. Doch wenn es um unser Werk ging, war ich immer beteiligt. Dadurch bin ich, der damals kein Wort Englisch sprach, in der ganzen Welt herumgekommen. Ich war in vielen europäischen Ländern, in Amerika, Südafrika und später auch in China. Da war ich allerdings schon im Ruhestand und hatte eine Art Beratungsfunktion.

Die Zeit der Umstrukturierung

1992, ein Jahr Jahr bevor unser langjähriger Werksleiter Friedrich Ebertseder  in Ruhestand ging, wurde ich Produktionsleiter. Die 1990er Jahre hatten wechselvoll begonnen: War 1990 die Auftrags- und Beschäftigungslage noch relativ gut, gingen die Auftragszahlen ab Mitte 1992 stark zurück und besserten sich erst wieder im Lauf des Jahres 1994. Die neue Werksleitung richtete ihr Augenmerk auf eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur. Denn durch die zunehmende Globalisierung und die internationalen Märkte hatte Marklkofen wohl erstmals in seiner Geschichte große Nachteile, die sich auf der Kostenseite spürbar auswirkten. Daher folgte 1995 die organisato­rische Umstrukturierung des Werks 4 in Center. Ich übernahm zunächst das Center Wechselfilter, später das Center Teile. Die Center Leiter hatten Entscheidungsfreiheit in ihren Bereichen, trugen aber auch die Verantwortung für deren Entwicklung.

Mit Dank aber auch mit etwas Stolz erinnere ich mich noch gerne an die Zeit bei MANN+HUMMEL, wurde mir ja bei meinem beruflichen Weg ein stetiges Vorwärtskommen, vom Dreher bis in die Führungsetage, ermöglicht.