2016 feiert das Unternehmen MANN+HUMMEL seinen 75. Geburtstag. Ein guter Anlass, um die Firmengeschichte in einer Chronik festzuhalten und das Pressearchiv professionell aufzubereiten. Wir, die Firmenhistoriker, sind ein Team aus Geschichts- und Archivexperten. Drei Monate lang haben wir für MANN+HUMMEL Dokumente, Fotos und Fundstücke gesichert. Als Teamleiter möchte ich Ihnen in meiner zweiteiligen Reihe von den spannenden Aufgaben bei MANN+HUMMEL, den Ergebnissen unserer Arbeit und von den Überraschungen, die uns im Ludwigsburger Keller erwarteten, erzählen. „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen. Wer die Gegenwart versteht, kann die Zukunft gestalten“ – das sagte schon Wilhelm von Humboldt. Die Firmenhistoriker haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, die Geschichte von Firmen aller Art – von Familienbetrieben bis zu städtischen Versorgern – zu sichern und für die Mitarbeiter leicht zugänglich zu machen. Vor unserer Arbeit bei MANN+HUMMEL waren die Regale des Archivs im Keller des Werks 5.1 voll, viele Ordner reihten sich in den Schränken; Kartons mit losen Dokumenten standen auf dem Boden. Unser Ziel war es, ein Unternehmenskommunikations-Archiv aufzubauen, das die Medienarbeit von MANN+HUMMEL unterstützt und erleichtert. Zum einen dadurch, dass die Mitarbeiter schnell ein gewünschtes Dokument oder Foto finden. Zum anderen sollte die Geschichte der vergangenen 75 Jahre übersichtlich und transparent dargestellt werden und spannende Erkenntnisse liefern. Beim Aufbau eines Archivs gehen wir stets nach denselben Prinzipien vor. Und doch warten in den verschiedenen Arbeitsschritten immer wieder Überraschungen auf uns.

Schritt 1: Sichtung des Archivs

Der erste Blick in ein Unternehmensarchiv ist immer spannend. Das Pressearchiv von MANN+HUMMEL befand sich am Ende eines schmalen Ganges in einer Gitterbox. Wir nutzten jeden Zentimeter, um die Archivmaterialien zu sichten. Überraschung Nummer 1: die Fotos. Bei MANN+HUMMEL fanden wir das größte Bildarchiv, das die Firmenhistoriker je bearbeitet hatten. Wir sicherten über 120 laufende Meter Foto-Ordner! Darunter waren viele tolle, alte Aufnahmen, von Modenschauen zu Zeiten von „Pamina Mann“ oder aus dem Ausland, zum Beispiel aus den 60er Jahren in Brasilien. Zum Vergleich: Die Ordner mit Dokumenten ergaben aufgereiht „nur“ 15 Meter. Bei der Sichtung ging jeder Geschäftsbericht und jedes Foto durch unsere behandschuhten Hände. Wir digitalisierten die Fundstücke und ordneten sie neu. Mit jedem Tag und jedem Fundstück setzte sich so Stück für Stück ein immer detailliertes Bild der Firma MANN+HUMMEL zusammen.

Schritt 2: Geschichte sicher verpacken

Was wenige wissen: Ordner und Klarsichtfolien sind Gift für Fotos und Papierunterlagen. Bügel, Heftklammern und Tacker hinterlassen hässliche Flecken; Plastik enthält Weichmacher, die die Dokumente mit der Zeit zersetzen. Deshalb befreiten wir alle Dokumente im Keller der Firma MANN+HUMMEL von Metall und Plastik und verpackten sie in säurefreiem Archivmaterial und später in speziellen Kartons.

Schritt 3: Umfangreiche Recherche

Parallel zur Arbeit im MANN+HUMMEL Archiv durchforsteten wir andere Archive wie das der Stadt Ludwigsburg, das Landesarchiv Baden-Württemberg und das deutsche Staatsarchiv. Unser Ziel war es, alle Informationslücken zu schließen und eine stringente Geschichtsdokumentation aufzubauen. Bei der Recherche redeten wir außerdem mit Zeitzeugen. Die Interviews brachten viele neue Erkenntnisse und so manche unterhaltsame Anekdote hervor. Aus den gesammelten externen und internen Informationen erarbeiteten wir schließlich ein Konzept für die Firmenchronik.

Schritt 4: Die neue Archiv-Struktur

Die neue Ordnung des Archivs gliedert sich in Gruppen, auch Büschel genannt. 1.636 solche Büschel haben wir im Pressearchiv generiert. Die Büschel sind jetzt in speziellen Archiv-Kartons verstaut, beschriftet mit den entsprechenden Büschelnummern. Mithilfe der firmenspezifischen Datenbank und der neuen Ordnung sind nun alle Dokumente leicht zu finden. Ein Schlagwort genügt und die Datenbank liefert alle dazugehörigen Fotos, Briefwechsel oder Dokumente. Wer heute einen Blick in das Pressearchiv wirft, sieht eine imposante Sammlung an einheitlichen Ordnern, in der all diese Geschichten und Informationen sicher für die Zukunft bewahrt werden. Und es ist noch viel Platz für alles, was die Zukunft der Firma bringen mag. Eine große Überraschung für uns war, dass das Unternehmen MANN+HUMMEL bereits ein kleines Museum auf dem Betriebsgelände hatte: das Filtermuseum. Der aktuelle Museumsführer Marcel Hofmeister und seine Vorgänger sammelten dort historische Fundstücke und hatten noch ein paar andere Schmuckstücke für uns – beispielsweise eine alte Aktentasche. Mehr zu den großen und kleinen Schätzen, die wir im Filtermuseum fanden, lesen Sie im nächsten Teil.