„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“, sagte der deutsche Dichter Matthias Claudius. In den 1970er Jahren musste man damit allerdings warten, bis die Reise zu Ende war. Es gab schlicht und einfach keine Möglichkeiten, schon unterwegs mit der Familie oder der Firma zu kommunizieren. Man war schlicht und einfach „abgeschnitten“ vom Rest der Welt.

Nehmen wir als Beispiel den algerischen Süden. 1971 war ich dort, um erste Staubversuche für einen unserer Großkunden durchzuführen. Testobjekt war der Käfer mit dem 1,6-Liter-Motor. Unser Hauptquartier lag in El Golea, einer Oasenstadt etwa 900 Kilometer südlich von Algier. Um überhaupt dort hinzukommen, brauchten wir damals rund eine Woche.

Telefonzelle

 

Vorort gab es natürlich kein Telefon. Die einzige Verbindung war das Postamt in der Oase. Es war nicht jeden Tag besetzt, doch gelegentlich fand sich dort ein Angestellter, der einem behilflich war. Dann konnte ich nach Tagen endlich ein Telex absetzen, was über Frankreich lief, zwei, drei Tage später in Deutschland ankam und per Postboten zugestellt wurde. Alternativ hätte ich auch eine Postkarte schreiben können. Die wäre allerdings erst angekommen, nachdem ich selbst schon wieder daheim gewesen wäre. Die Heimat war zu dieser Zeit wirklich weit weg

Durchgang

In den USA, Mexiko, Brasilien, Nordkanada, Südafrika oder Lappland war es  auch nicht viel besser. Auch hier gab es praktisch kaum keine Möglichkeit, zeitnah mit Zuhause Kontakt aufzunehmen. Fernverbindungen waren nicht von jedem Telefon aus möglich und man brauchte zudem Glück, überhaupt eine freie Leistung zu bekommen. Natürlich verbesserte sich das mit den Jahren. Jetzt musste ich allerdings mit den enormen Zeitunterschieden in manchen Ländern kämpfen, die vielen Menschen – anders als heute – noch nicht wirklich im Bewusstsein waren. Rekord war der Anruf eines Kollegen um halb fünf Uhr morgens. Es war nichts wirklich Wichtiges, Einschlafen konnte ich danach allerdings nicht mehr. Selbst in späteren Jahren, als internationale Telefongespräche technisch weitgehend problemlos funktionierten, musste ich aufpassen. Wenn es eine Verbindung gab, dann hieß es: Fasse dich kurz, es ist teuer! Die Minute aus den USA schlug mit rund 10 Dollar zu Buche. Und so gab es eine klare Absprache: Ich würde mich sowohl bei meiner Frau als auch in der Firma nur melden, wenn es absolut wichtig wäre. Gerade für meine Frau galt deshalb, viel Vertrauen und Geduld zu haben.

Landkarte

Das ist aus heutiger Sicht unvorstellbar. SMS, Whatsapp, Skype, E-Mail und vieles mehr funktionieren von fast jedem Punkt der Erde. Und so gibt man schon vor dem Abflug bekannt: „Ich bin jetzt am Flughafen in Frankfurt.“ Bei der Ankunft, wo auch immer, meldet man sich sofort wieder: „Ich bin gut angekommen.“ Für mich ist das alles etwas fremd, wenngleich ich inzwischen auch mit Whatsapp umgehen kann. Es ist auch eine tolle Sache, wenn mein elfjähriger Enkel der Oma Skype einrichtet und auf dem Laptop seiner Eltern zaubert. Aber damit bleibt neben der Schule auch weniger Zeit zum Malen, Basteln und Spielen jenseits der elektronischen Helferlein. Ob das so richtig ist ? Das werden erst spätere Generationen beurteilen können.