An der Uni lernt man zwar vieles, doch praktische Berufserfahrung und reale Anwendungen gehören nicht unbedingt dazu. Daher freute ich mich daher umso mehr darauf, an meine Alma Mater, die University of Wyoming, zurückzukehren, wo ich vor nicht allzu langer Zeit mein MBA-Austauschprogramm abschloss. Die Mission: meine Erfahrungen mit der Implementierung agiler Methoden im neuen digitalen Geschäftsbereich von MANN+HUMMEL zu schildern.

Jedes Jahr entsendet die University of Wyoming (UW) im Rahmen eines internationalen Programms Studierende für eine Woche über den großen Teich nach Deutschland. In dieser „Wyoming Week “ haben die Studierenden die Chance, deutsche Unternehmen kennenzulernen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Ermöglicht wird dies durch ein gemeinsames Austauschprogramm mit der Hochschule Pforzheim. Beim jüngsten Austausch hatte ich nun die besondere Ehre, die Besuchergruppe aus den USA durch einen Agilitätsworkshop am Ludwigsburger Hauptsitz von MANN+HUMMEL zu führen.

Wie alles begann:
Erster Kontakt zu MANN+HUMMEL im Design Thinking-Workshop

2012 schloss ich an der University of Wyoming mein Bachelorstudium im Hauptfach Management und Nebenfach Unternehmensführung ab. Danach verschlug es mich in die Öl- und Gasbranche.

Eines Tages stattete ich meiner ehemaligen Uni einen Besuch ab und traf dort Steve Farkas, den Direktor des MBA-Programms der UW. In seiner Zeit als Direktor hatte er das Austauschprogramm mit der Hochschule Pforzheim ins Leben gerufen. Nun war er auf der Suche nach interessierten Teilnehmern unter seinen Studierenden. Wir sprachen über das Programm, und ich sagte zu, über diese Gelegenheit nachzudenken. Drei Monate später trat ich mein erstes Semester als MBA-Student an der UW an.

Erster Kontakt zu MANN+HUMMEL im Design Thinking-Workshop

Im ersten Studienjahr lag der Schwerpunkt auf den Themen geschäftliche Interaktion und Networking. Steve Farkas vertritt als erfahrener Netzwerker die Ansicht, dass Praxiserfahrungen die beste Methode sind, MBA-Kandidaten die Fähigkeiten und Denkweisen zu vermitteln, die sie für ihren späteren Erfolg in der Berufswelt brauchen. Diese Ansicht spiegelt sich auch im MBA-Programm wider: Alle Studierenden haben nämlich allwöchentlich im Rahmen einer Veranstaltungsreihe namens „Friday Speaker“ die Möglichkeit, sich mit Führungskräften aus der Unternehmenswelt auszutauschen.

Im dritten Semester kam ich nach Deutschland, an die Hochschule Pforzheim. Dort nahm ich am Design Thinking-Workshop von MANN+HUMMEL teil. Die Präsentationen über potenzielle, IoT-basierte Digitallösungen faszinierten und inspirierten mich zugleich. Und zwar so sehr, dass ich mich für ein Praktikum bei MANN+HUMMEL entschied. Damals schrieb ich gerade an meiner Masterarbeit mit dem Titel Monetization of IoT and Digital Goods („Monetarisierung des Internets der Dinge und digitaler Güter“) am North Carolina Innovation Center in Raleigh (North Carolina, USA). In meinem Praktikum erfuhr ich vom Senzit-Programm und bekam schließlich die Chance, die Rolle des Product Owner zu übernehmen.

Reale Anwendungen: Agilität bei MANN+HUMMEL

MANN+HUMMEL forciert seit Kurzem den Einsatz agiler Frameworks und Methoden. Diese Initiative hat nun auch das Senzit-Programm aufgegriffen: Hier wird mit einem agilen Framework namens „scrum“ gearbeitet. Die Grundprinzipien von scrum sind Teamarbeit, Verantwortungsübernahme und schrittweise Annäherung an ein genau definiertes Ziel. Das Framework beruht auf einer einfachen Prämisse: Fange mit dem Offensichtlichen und Bekannten an. Behalte dann den Fortschritt im Auge und nimm Optimierungen vor, falls nötig. Dieses für MANN+HUMMEL neue Framework wurde ursprünglich für den Softwarebereich konzipiert.

Agile Ansätze eignen sich für die Softwareentwicklung ausgesprochen gut, weil sie schnelle Iterationen und kleinere Versionsschritte begünstigen. Ihre eigentliche Stärke liegt jedoch in ihrer Kundenorientiertheit, was ganz hervorragend zum MANN+HUMMEL Grundsatz „customer obsession“ (Kundenorientierung) passt. Der gesamte Entwicklungszyklus dreht sich um den Kunden, und der Product Owner (PO) hat in diesem Zyklus die Aufgabe, die „Meinung des Kunden “ zu vertreten.

Logo der Universität von Wyoming

Der einzige Wermutstropfen: Bevor ich zu MANN+HUMMEL und zum Senzit-Team stieß, hatte ich noch nie von Agilität oder scrum gehört. Für mich galten immer noch Projektmanagement und das Wasserfallmodell als Branchenstandard und einzige Erfolgsgrundlage für Teamwork.

Vor mir lag eine steile Lernkurve, doch die Vorteile agiler Methoden stellten sich schnell heraus: Sie ermöglichen eine klare, nachhaltige Lösung für die Produktentwicklung. Während ich also in meine Rolle hineinwuchs und MANN+HUMMEL auf dem Weg zum agilen Unternehmen voranschritt, stellte ich fest, dass es im Unternehmen Kollegen gab, die die agile Denkweise aufgreifen und ihre Produktmanager zu Product Ownern machen wollten.

Die perfekte Symbiose: der Agilitätsworkshop und die Wyoming Week

Nachdem ich aus erster Hand die Vorteile von scrum, die digitale Transformation bei MANN+HUMMEL und das Engagement der UW für ihre Graduierten-Austauschprogramme miterleben durfte, lag es natürlich nahe, alle diese Erfahrungen zusammenzuführen: in einem Workshop, der sich mit der Welt der Agilität befasst. Ein solcher Workshop sollte Studierende kurz und knapp in die agile Denkweise einführen, zugleich aber auch den Product Ownern von MANN+HUMMEL in ihrer neuen Aufgabe entgegenkommen.

Außerdem sollte der Workshop eine Umgebung schaffen, in der Product Owner ihre Kompetenzen schulen und vor allem ihre Rolle als „Stimme des Kunden“ trainieren können. Mithilfe der Studierenden könnten sie dann üben, wie man einen Kundenbeirat bildet und leitet. Die Studierenden wiederum hätten die Chance, als reale Zielgruppe für zukünftige Produktneuheiten zu fungieren.

agiles Arbeiten bei MANN+HUMMEL

Schließlich erhielt ich für mein Vorhaben grünes Licht von Chris Sturgess und Andreas Lawrenz. Nach monatelanger Planung fand am 13. November 2018 unser erster Workshop zum Thema Agilität in Kooperation mit einer Hochschule statt. Damit ist die University of Wyoming ihrem Ziel, die Lücke zwischen akademischer Theorie und unternehmerischer Praxis zu schließen, ein gutes Stück nähergekommen. Studierende können im Workshop die reale Anwendung einer Methodik kennenlernen, die weltweit von Unternehmen eingesetzt wird.

Unterm Strich stand für Product Owner von MANN+HUMMEL wie für fortgeschrittene Studenten die Erkenntnis: Wer das agile Framework verstanden hat und weiß, wie man ein scrum-Team zusammenstellt, kann von diesen wertvollen Erfahrungen auf Jahre hinaus zehren.