Ich bin Auszubildende bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg. Anfang September durfte für ein vierwöchiges Praktikum nach Birmingham in England fliegen.  

Birmingham ist eine tolle Stadt, sehr multikulturell geprägt; gleichzeitig blitzt die traditionelle englische Arbeiterkultur an vielen Ecken durch. Die Leute dort sind unglaublich freundlich. Am ersten Wochenende stand ich mit fünf Mitpraktikanten mitten im chinesischen Viertel und wir haben nach einem All-you-can-eat-Restaurant gesucht. Da kam plötzlich eine Punkerin über die Straße, hat ihren Kopfhörer abgesetzt und gefragt, ob sie uns helfen kann. Wir waren total geflasht. Wann habe ich das schon mal in Deutschland erlebt? Solche schönen Begegnungen gab es immer wieder.  

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal von der Möglichkeit gehört habe, als Azubis ins Ausland zu gehen. Frau Fritz, unsere Ausbildungsleiterin, hatte Anfang des Jahres eine E-Mail der BBQ Berufliche Bildung gGmbH Esslingen an alle Auszubildenden weitergeleitet. Darin stand, dass wir uns für das Erasmus-Programm der Europäischen Union bewerben und ein Praktikum im Ausland machen können. Ich fand das spannend, habe meine Bewerbungsunterlagen eingereicht und im Mai 2015 die Zusage erhalten. Zur Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt habe ich zwei eintägige Seminare besucht.  

Am 6.9.2015 bin ich zusammen mit fünf weiteren Azubis aus Baden-Württemberg von Frankfurt nach England geflogen. In der ersten Woche hatten wir Sprachunterricht und waren in einem Youth Hostel untergebracht. Da ich während meiner Schulzeit schon ein Jahr in den USA gelebt habe, fiel mir die Kommunikation im Alltag nicht schwer. Allerdings haben die Birminghamer, auch „Brummies“ genannt, einen starken Akzent, der schwer zu verstehen ist. Neu für mich waren auch die technischen Fachbegriffe.  

In der zweiten Woche begann das Praktikum bei Baker & Finnemore Ltd. Die Firma stellt Sicherungsscheiben, sogenannte Starlocks, für Wellen her und beschäftigt etwa 50 Mitarbeiter. Ich war der Instandhaltung zugeteilt und habe David Porter, dem Elektronikmeister, bei verschiedenen Arbeiten geholfen, zum Beispiel Maschinen reparieren oder Leitungen verlegen.  

Interessant fand ich die Einstellung der Briten zur Arbeit. Sie gehen die Sache einfach lockerer an. In Deutschland versuchen wir immer, unsere Aufgaben so schnell wie möglich zu erledigen. Einmal habe ich David Porter geholfen, einen Schaltschrank zu verdrahten. Als er drei Kabelschuhe von mir verlangt hat, habe ich ihm genau drei gereicht. Daraufhin fing er schallend an zu lachen. Ich wusste erst nicht, ob ich etwas falsch gemacht habe. Doch dann erklärte er mir, dass ein Engländer ihm niemals genau drei, sondern einfach eine ganze Handvoll gereicht hätte. Wir Deutsche seien einfach sehr genau, meinte David dann.  

Während des Praktikums habe ich zusammen mit einer angehenden Industriekauffrau bei einer Gastfamilie außerhalb von Birmingham gewohnt. Wir sind jeden Morgen mit dem Bus in die Arbeit gefahren, am Wochenende auch mal nach Coventry oder Liverpool. Für die Kosten mussten wir natürlich selbst aufkommen. Über das Erasmus-Programm haben wir einen Zuschuss erhalten. Den Eigenanteil hat bei mir MANN+HUMMEL übernommen.  

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Warum ich anderen Auszubildenden ein Auslandspraktikum empfehlen würde? Weil man so viel Neues lernt, mal aus Deutschland rauskommt und das Ganze richtig cool war!