Das hatte ich nicht erwartet: Als ich im Frühjahr 2017 mit meiner Frau und meinem Sohn nach Dubai gezogen bin, fühlte ich mich dank meiner Erfahrung auf dem israelischen und palästinensischen Markt, der als Tor zum Nahen Osten gilt, bestens auf meinen Einsatz vorbereitet. Sogar ein interkulturelles Training speziell im Umgang mit Arabern habe ich erhalten. Vor Ort wurde ich dann allerdings eines besseren belehrt. Tatsächlich habe ich fast nie mit Arabern zu tun, unsere Kunden sind nahezu ausschließlich indischer oder pakistanischer Herkunft. Und auch mein Team ist äußerst international aufgestellt. Aus geschäftlicher wie auch aus kultureller Perspektive ist diese Mischung für mich tagtäglich in gleichem Maße eine Herausforderung, wie auch eine Bereicherung.

Messtand in Dubai

Der Nahe Osten: Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Region

Als Managing Director Middle East leite ich die MANN+HUMMEL Niederlassung in Dubai sowie den Ersatzteilvertrieb im Nahen Osten und in Ostafrika. Mein 14-köpfiges Team betreut hier bereits seit sechs Jahren einen Markt, der sich auf einer Fläche der Größe Europas über 26 Staaten erstreckt; von Libyen über Kenia bis Pakistan.

Kunde mit einem großen Filter

Allerdings lassen sich die Länder in der Region durchaus nicht über einen Kamm scheren. Denn auch wenn Dubai auf Hochglanz poliert und hochmodern ist, benutzt einer unserer größten Kunden im Nachbarland zum Beispiel noch nicht einmal einen PC. Politische Unruhen und wirtschaftliche Instabilität sorgen außerdem dafür, dass der Ersatzteilmarkt in der Region insgesamt im Vergleich mit Europa recht rückständig ist. Was die Länder vereint, ist eine ausgeprägte Basar-Mentalität, die bis weit ins Geschäftsleben hineinreicht: Jedes einzelne Produkt wird individuell bis auf den letzten Cent verhandelt. So etwas wie Kunden- oder Markenloyalität gibt es hier nicht. Gekauft wird das günstigste Produkt – egal welche guten Argumente man auch immer ins Feld führt.

Lager eines Kunden in der Region

Mein Alltag in Dubai

Unser Alltag hier ist stark geprägt durch die arabische Kultur. Im Monat Ramadan zum Beispiel steht die Welt tagsüber nahezu still. Die gläubigen Kollegen dürfen schließlich zwischen Sonnenauf- und untergang nichts essen oder trinken. Vor allem auf Kundenseite ist dann deutlich zu spüren: In diesem Monat passiert einfach nichts. Sogar gesetzlich sind die Arbeitstage kürzer. Außerhalb des Ramadans allerdings arbeitet man hier eher länger als in Deutschland, Feierabend um 20 oder gar 22 Uhr ist nicht ungewöhnlich.

Lieferwagen mit Kamelen

Die arabische Kultur beeinflusst natürlich auch das Leben außerhalb der Geschäftswelt – und das, obwohl in Dubai rund 80-90% Ausländer leben. An jeder Ecke findet man zum Beispiel eine Moschee, die darf nämlich per Gesetz niemals mehr als 10 Gehminuten entfernt sein. Entsprechend hört man zur Gebetszeit auch von überall den Muezzin rufen, sogar nachts. Da sollte man sich gut überlegen, wo man seine Wohnung bezieht.

MANN-FILTER Tuch und Standtasche

Trotz Überfluss nicht alles zu haben

Im starken Gegensatz zu dem eher traditionellen, islamisch geprägtem Bild steht hier der Luxus im Vordergrund. Alles, was man für Geld kaufen kann, bekommt man auch. So kann man auch bei Temperaturen von über 50 Grad Ski fahren gehen, oder – das ist kein Scherz – einen Pinguin umarmen. Das Angebot ändert sich ständig und in rasantem Tempo, das kann auch ganz schön anstrengend sein. Bei all dem Überfluss fehlt mir aber manchmal ein bisschen das Bodenständige, eine einfache Kneipe, oder auch mal zu Fuß ein neues Viertel erkunden. Draußen spazieren gehen, in den Wald, oder einen Park – das kann man hier vergessen! Ich bin gerne hier. Aber für ewig bleiben? Dafür vermisse ich einfach die Natur zu sehr, auch wenn ich das nie gedacht hätte.