Ich kam 1990 als Verfahrensmechaniker zu MANN+HUMMEL, im selben Jahr, in dem mein Vorvorgänger Manfred Bär zum Betriebsratsvorsitzenden gewählt wurde. Anfangs dachte ich überhaupt nicht dran, dass ich einmal in seine Fußstapfen treten würde. Mein Engagement in der Arbeitnehmervertretung von MANN+HUMMEL begann Mitte der 2000er Jahre. Und das kam so…

2003 wurde das Entgelt-Rahmen-Abkommen (ERA) in Deutschland neu eingeführt. Das ERA betraf damals circa 1,8 Millionen Arbeitnehmer der Metall- und Elektroindustrie in 4.000 tarifgebundenen Unternehmen. Ziel des ERA war und ist es, ein einheitliches Entgeltsystem für Arbeiter und Angestellte zu schaffen und zwar aufgrund einer einheitlichen und vergleichbaren Arbeitsbewertung. Dabei sollte letztlich ein höheres Maß an Entgeltgerechtigkeit erzielt werden. Ob das in jedem Fall erreicht wurde, sei dahin gestellt.

Arbeitsrecht MANN+HUMMEL

Mich hat die Umstellung auf ERA, die MANN+HUMMEL 2005 vollzog, jedenfalls dazu bewogen, mich in der Arbeitnehmervertretung zu engagieren – zunächst als erster Nachrücker, da mir 2006 bei der Wahl zum Betriebsrat eine Stimme fehlte. 2008 rückte ich dann als Vollmitglied in den Betriebsrat nach. Die Freistellung folgte 2011 das heißt ich wurde von meiner täglichen Arbeit als Versuchsmechaniker freigestellt und zog dauerhaft in das Betriebsratsbüro ein. Nach der Betriebsratswahl 2014 wurde ich vom Gremium als Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender gewählt. Im April 2015 habe ich dann den Vorsitz übernommen.

Heute liegt die Macht beim Gremium

Vergleicht man die Tätigkeit des Betriebsratsvorsitzenden heute mit dem, was mein Vorvorgänger Manfred Bär in den 1970er und 1980er Jahren erlebt hat, so sind viele Gemeinsamkeiten, aber durchaus auch Unterschiede erkennbar:

Wie damals ist der Betriebsratsvorsitzende auch heute der erste Ansprechpartner der Geschäftsführung und vertritt ihr gegenüber die Interessen der Arbeitnehmer. Doch der Vorsitzende der vergangenen Jahrzehnte war innerhalb des Betriebsrats eine Art König. Heute liegt die Macht beim Gremium. Alleingänge kann ich mir als Betriebsratsvorsitzender heute nicht mehr erlauben.

Dafür haben juristische Aspekte in der täglichen Arbeit mehr und mehr an Bedeutung gewonnen. Ich muss ganz genau wissen, wo was im Betriebsverfassungsgesetz und in den Tarifverträgen steht, um in den Verhandlungen und Gesprächen mit der Geschäftsführung sattelfest zu sein. Dabei ziehen wir oft die Hilfe eines Rechtsanwalts zu Rate.

Betriebsrat MANN+HUMMEL

Natürlich verhandeln wir wie früher mit dem Arbeitgeber über Betriebsvereinbarungen, Eingruppierungen, Überzeiten und vieles mehr. Der Unterschied bei den Verhandlungen liegt in der Argumentation und Zielsetzung der Geschäftsführung: Damals lautete das Argument des Arbeitgebers, wir brauchen mehr Filter; heute geht es um die Erhöhung der Marge. Einen siebenwöchigen Arbeitskampf wie ihn Manfred Bär in den 1980er Jahren beim Kampf um die 35-Stunden-Woche erlebte, führen wir heute sicherlich nicht mehr. Dazu hat sich auch das Machtgefüge zu stark verändert. Zu unseren Aufgaben gehört aber nach wie vor, die Einhaltung von Gesetzen und Tarifverträgen im Betrieb zu überwachen und Betriebsvereinbarungen abzuschließen und zu überarbeiten.

Im Jubiläumsjahr 2016 müssen wir uns leider auch mit der schwierigsten Aufgabe, die ein Betriebsrat zu bewältigen hat, auseinander setzen: Die Vereinbarungen zu Interessenausgleich und Sozialplan gehören zu den unangenehmsten, die ein Betriebsrat verhandeln muss. Denn hier gibt es auf Arbeitnehmerseite nur Verlierer. Diese Verhandlungen sind nun abgeschlossen und nun werden aktuell seitens des Arbeitgebers die  121 betriebsbedingten Kündigungen – ausgesprochen.. Eine Sache ist im Vergleich zu früher aber gleich geblieben: Wie meine Vorgänger verhandeln auch wir schwierige Themen konstruktiv mit dem Arbeitgeber, um ein für alle Kolleginnen und Kollegen vertretbares Ergebnis zu erzielen.