Sommer-Erprobungen im nördlichen Afrika? Meine Erfahrungen dazu habe ich ja an der einen oder anderen Stelle im MANN+HUMMEL-Unternehemensblog schon geschildert. Vor allem die Anreise war eine wiederkehrende Herausforderung. Im Sommer 1976 wurde deshalb im Motorversuch unseres Großkunden diskutiert, ob die Sommer-Erprobung mit den Fahrzeugen wieder in Südtunesien oder Südalgerien durchgeführt werden sollte. Man suchte nach einer Alternative, die ähnlich heiße Temperaturen aufzeigen und gleichzeitig eine einfache Einreise in das Land bieten sollte.

Im Frühjahr 1978 stand die Entscheidung: Die nächste Erprobung des Pkw-Motorversuches sollte in den USA , im Staate Arizona am Standort Phoenix stattfinden. Der Start für die erste Erprobung war der 5./6. Juli 1978. Natürlich war auch da nicht alles Gold, was glänzt: Zum einen sind die immer langen Flüge nach Phoenix zu nennen, mit Aufenthalten und Flugzeugwechsel über diverse Fluglinien. Dazu kam die doch erhebliche Zeitverschiebung von acht Stunden. Aber, es war entschieden und wir mussten damit zurechtkommen.

Um diese Jahreszeit hatte es in Phoenix Temperaturen über 40 Grad Celsius! Bei dieser ersten Erprobung holte ich also nach der Ankunft in der klimatisierten Halle nochmals tief Luft, bevor mich satte 44 Grad heiße Wüstenluft umfingen. Mein erster Gedanke: Und das nun zwei Wochen lang … Zum Glück hatten wir Salztabletten dabei, ohne die Kreislaufprobleme sicher vorprogrammiert gewesen wären.

Der Vorteil gegenüber Nordafrika: Unser Hotel, südlich der Stadt, genauer im Vorort Tempe, hatte Klimanlage und ein Außenschwimmbad (für das wir leider meist keine Zeit hatten) – dennoch ein für uns völlig ungewohnter Luxus. Wenn man allerdings tagsüber in einem Fahrzeug, damals meist noch ohne Klimaanlage, Messungen gefahren ist, herrschten im Innenraum in Kopfhöhe 75 bis 80 Grad Celcius. Da fällt man abends einfach nur noch todmüde ins Bett.

Wobei mir auch die afrikanische Einfachheit nicht gänzlich verloren ging, da die Nutzfahrzeugversuche noch einige Jahre in Nordafrika stattfanden. Jetzt aber waren wir in Amerika und genossen die Abwechslung sehr:  Ausgesuchte Hotels mit dem typischen amerikanischen Service, viele Möglichkeiten, abends noch etwas zu unternehmen und eben überhaupt mehr Modernität.

Als Teststrecke hatte man sich ein Gelände im Süden von Tempe ausgesucht. Es war damals eine Teststrecke für LKWs, Trucks und Schaufellader der Firma IHC. Auf der Strecke durfte nur im Uhrzeigersinn gefahren werden. Als Anhaltspunkt, ob jemand auf der Strecke ist , wurde am Streckenanfang ein Tuch um einen Laternenmast gewickelt. So konnte man genau sagen, wie viele Fahrzeuge gerade auf dem Rundkurs waren.

Die Teststrecke war zwar lang genug, doch sie hatte leider auch sehr steile und enge Kurven. Da mit Vollgas durchzufahren, war nicht einfach. Man musste oft erst den „inneren Schweinehund“ besiegen. Die Strecke war eben für Trucks konzipiert und nicht für die immer schneller werdenden Pkws. Für die damals notwendigen Konstantfahrten war die Strecke deshalb nicht wirklich geeignet. Dafür mussten wir die Landstraße nach Maricopa nehmen. Diese war fast eben und bis auf wenige Kurven ziemlich gerade. Ein Problem gab es natürlich: Wie soll man eine Konstantfahrt bei 100 Stundenkilometern durchführen, wenn nur rund 70 Stundenkilometer zugelassen sind? Die „Hui-Hui-Polizei“ war da schon ab und zu dabei …

Hinzu kamen natürlich die klimatischen Besonderheiten. Heiß war es in Nordafrika auch, aber abends und nachts kühlte es dann merklich ab. In Tempe erreichten die Tagestemperaturen erst gegen 14.30 Uhr ihren Höchststand – und abends gegen 21 Uhr waren es immer noch 37 Grad. Das hatte natürlich Auswirkungen auf unsere Versuche: 1978, für mich immer noch die sogenannte Pionierzeit vom Übergang der Vergaser auf neue Gemischbildungssysteme, hatte die Messtechnik noch ihre Tücken. Die Versuche mit gekühltem Kraftstoff konnten zum Beispiel nur durchgeführt werden, da täglich ein Kleinlieferwagen kam und große Eisblöcke zur Kühlung auf die Kraftstofffässer lud.

Auch die Messgeräte zum Vermessen der verschiedenen Motortemperaturen waren aufgrund der im Fahrzeug vorhandenen Temperaturen anfällig, genauer gesagt: nicht temperaturbeständig genug. So mussten wir oft an Nachmittagen bis spät in den Abend hinein Messungen wiederholen – auch am Samstag. Die Freizeit war damit auf den Sonntag beschränkt.

Diese genossen wir aber sehr: Das Gros des gesamten Teams verbrachten die Sonntage im Hotel am Pool. Meine Welt war das allerdings nie. Ich wollte Land und Leute kennenlernen und fand zum Glück immer jemanden, der mich begleitet. Es war alles da: tolle Autos, riesige Kaufhäuser, grenzenlose Weiten, Ebenen, Wälder. Ich besuchte den Grand Canyon, den Apachenhighway im Osten, Nogales, Tombstone mit seiner Wildwestromantik im Süden, den Canyon de Chelly im Nordosten. Man kann hier gar nicht alle Punkte aufzählen. Die Vorgehensweise war immer die gleiche: Samstagabend weggefahren, irgendwo im Wald oder Campingplatz schlafen, Sonntagabend wieder zurück. Sehr gern denke ich heute an Bernd H., mit dem ich im Osten die „Straße der 3000 Kurven“ bei Alpine befuhr. Mit Jürgen S. suchte ich in den Bergen am Mogollon Rim Halbedelsteine, mit Erich F. war ich am Colorado River / Lake Havasu City . Mit Hartmut H. war ich auf der wilden Waldpiste bei Prescott, mit Kurt K.  am Meteorkrater, Sedona. Gemeinsam mit Ludwig St. genoss ich einen Rundflug über den Grand Canyon. Auch diese Liste ließe sich noch verlängern. Es war jedenfalls immer sehr spannend und abenteuerlich. Und ein wenig Ausgleich für die sehr anstrengenden Arbeitstage im Südwesten der USA.