Ich bin im Jahr zwischen sechs und zehn Wochen unterwegs. Mein Ziel sind unsere weltweiten Standorte, die im Rahmen unseres Entwicklungsnetzwerkes besondere Aufgaben haben. Wenn ich komme, dann prüfe ich, ob ein Entwicklungsstandort seine zugedachte Einstufung ausfüllen kann. Fünf verschiedene Stufen gibt es. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Standorte den jeweiligen Stufen zugeordnet und sie entsprechend qualifiziert. Dabei waren Ausstattung, Know-how und strategische Bedeutung entscheidend. Heute spielt jeder Standort im weltweiten Entwicklungsnetzwerk der MANN+HUMMEL Gruppe seine ganz besondere Rolle.

Nun ist in unserer Welt nichts für die Ewigkeit – und so muss ein Standort alle drei Jahre unter Beweis stellen, dass er seine zugedachten Aufgaben noch erfüllen kann. Dafür finden vor Ort sogenannte Audits statt. Als Chef-Auditor im Entwicklungsnetzwerk von MANN+HUMMEL leite ich diese in der Regel selbst. Für den Außenstehenden mag das so klingen, als würde mein Besuch bei den Vertretern der betroffenen Werke den Charme einer Steuerprüfung haben. Aber das ist ganz und gar nicht so. Natürlich sind die Audits kein Zuckerschlecken, sondern echte Prüfungen. Aber mein Ziel ist es nicht, einen Standort „bloßzustellen“, sondern in der Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort dafür zu sorgen, dass auch in den kommenden drei Jahren alles perfekt funktioniert.

Das ist an sich gar nicht so kompliziert. Grundsätzlich identifizieren sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit MANN+HUMMEL. Auch haben wir einen soliden Teamgeist. Das klingt vielleicht ein wenig idealistisch, aber es ist wirklich so. Ich werde immer sehr freundlich empfangen. Natürlich geht man abends zusammen essen. Dabei versuche ich immer, meine Gastgeber davon zu überzeugen, landestypische Restaurants auszuwählen. Denn egal, wo ich mich in der Welt aufhalte – beruflich oder privat – ich möchte ein Gefühl für das Land bekommen. Das geht erstaunlich gut, wenn man isst, was die Menschen vor Ort essen. Natürlich können Mahlzeiten, insbesondere in Asien, etwas ungewohnt sein. Ich mag es aber, mich auf die örtliche Küche einzulassen und so ganz neue Geschmackserlebnissen zu entdecken.

P1040895_1

Bei solchen und ähnlichen Anlässen reden wir dann eher selten über das Geschäft, sondern lernen uns einfach etwas besser kennen. Mir hilft das bei der Arbeit, denn es trägt seinen Teil dazu bei, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

P1040941_2

Vertrauensbildend kann übrigens auch eine Motorradfahrt durch Bangalore (Indien) sein. Dort wurde ich einmal auf einer Royal Enfield (Bullet) quer durch den Stadtverkehr mitgenommen – eine Art Grenzerfahrung des für uns als Europäer wirklich chaotischen Verkehrs dort. Am nächsten Tag war ich im Audit besonders wach und lebensfroh.

IMG_1078_1

Nun könnte man vermuten, dass gemeinsame Abendessen oder Motorradfahrten sich auf die Qualität der Audits auswirken. Sie tun es auch – positiv. Wer gemeinsam gegessen hat, geht offener und ehrlicher miteinander um. Das hilft bei den Audits. Zwar geht es hier rein um das Berufliche, also um Daten, Fakten, Analysen und Zielvereinbarungen. Doch in einer konstruktiven Atmosphäre entstehen fast immer gute Ergebnisse. Ich bin deshalb immer ein bisschen abwartend, höre viel zu, schaue mir alles an. Letztlich ist es doch so, dass ich mit Experten spreche, die ganz genau wissen, wo sie gut aufgestellt sind und wo es vielleicht Verbesserungspotenzial gibt. Etwaige Defizite spreche ich dann auf der sachlichen Ebene an und versuche gleichzeitig, Lösungswege anzubieten. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Natürlich funktioniert es nicht immer komplett ohne Reibungspunkte. Die eine oder andere Diskussionen hat sich auch schon einmal über Stunden hingezogen. Am Ende reise ich aber immer mit dem Gefühl ab, das man eine gemeinsame Lösung gefunden hat. Und dass wir beim nächsten Termin wieder gemeinsam Essen gehen werden. Landestypisch natürlich. 🙂

internationales Essen