Ich habe die meiste Zeit meines Arbeitslebens bei MANN+HUMMEL in Marklkofen verbracht. 1937 geboren, im Krieg aufgewachsen, begann ich 1953 mit meiner Lehre als Steuergehilfe. Als Industriekaufmann habe ich abgeschlossen. Später kamen noch der Maschinenbautechniker und der Betriebswirt (VWA) dazu. Wie viele Menschen damals wurde auch ich auf der Wirtschaftswunderwelle nach vorne getragen. Damals zählte nicht alleine eine gehobene Ausbildung. Die Verhältnisse waren andere…

Als junger Kaufmann sollte ich im September 1964 bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg anfangen. Doch da ich für das neue Werk in Markkofen eingestellt wurde, versetzte man mich nach zweimonatiger Einarbeitung dorthin – allerdings ohne besondere Verwendung. Zunächst landete ich in der Disposition. Marklkofen war ja gerade mal zwei Jahre zuvor gegründet worden. Anfangs wurden nur Einbaupatronen für einen Opel-Wechselfilter montiert. Doch schon ab Herbst 1962 war ein neues Montageband für Öl- und Kraftstoffpatronen aufgebaut worden, das ab Januar 1963 im Zweischichtbetrieb produzierte. Ab Herbst 1963 bekamen wir das erste Montageband, auf dem runde PKW-Luftfiterpatronen mit PVC-Endscheiben montiert wurden. Die Aufträge zur Belegung der Bänder kamen zusammen mit den Einzelteilen aus Ludwigsburg.

   

In der Disposition hatten wir die Aufgabe, die Aufträge in der Fertigung einzuteilen und dafür zu sorgen, dass die benötigten Einzelteile nicht nur vorrätig waren, sondern auch an den Bändern standen. Die gefertigten Patronen wurden dann nach Ludwigsburg gemeldet. Anfangs lief so manches chaotisch ab, was durch das schnell wachsende Produktionsvolumen bedingt war. Doch im Laufe der Zeit haben wir die einzelnen Vorgänge in geordnete Bahnen leiten können. Entscheidend unterstützt haben uns dabei die Disposition Ludwigsburg mit den dazugehörigen EDV-Verbindungsleuten und die gesamten EDV-Abteilungen Ludwigsburg mit ihrer Ausrüstung.

Einführung der Datenverarbeitung in Marklkofen

In den 1970er Jahren haben wir unsere erste eigene Computeranlage bekommen. Mit ihr haben wir die Aufträge von Ludwigsburg übernommen und intern weiterverarbeitet. Wer mit der modernen IT aufgewachsen ist, macht sich keine Vorstellung, wie rudimentär die Technik damals war. Die Festplatte war damals  gerade mal 800 Megabyte groß und kostete über eine Million DM. Zum Vergleich: Ein Smartphone unter 100 Euro hat heute die mehrfache Speicherkapazität. Da es im Sommer in den Shedbauten immer sehr heiß war, streikte unser neuer „Helfer“ zur rechten Zeit, d. h. er musste eine Klimaanlage bekommen. Für uns hat’s dazu nicht gereicht. Dennoch: Wir waren von unserer EDV begeistert, trieben sie voran und waren selbst von ihr Getriebene.

Nach und nach haben wir immer mehr Vorgänge über den Computer erledigt, z.B. die laufenden Veränderungen der Fertigungspläne aus der Arbeitsvorbereitung, die Leistungsabrechnung mit Fertigungszahlen, Auswertungen der Kontrolle, Frachtpapiere mit Verwaltung des Versands, die gesamte Disposition mit dazugehörigen Lagern, Wareneingang und die Zeiterfassung mit Teilverarbeitung für das Lohnbüro. Im Großen und Ganzen war es eine Datenerfassung, teilweise mit eigenen Ergebnissen. Wir haben die Daten per Standleitung täglich nach Ludwigsburg geschickt und erhielten von dort fertige Ergebnisse zurück. In dieser Zeit wurde die Abteilung  Arbeitsplanung gegründet. Heute bin ich der Meinung, dass sich alle Abläufe durch die EDV verändert haben – vom Beleg, den wir per Hand hin-und hergetragen oder per Post verschickt haben, bis zum IT-gesteuerten Betrieb, bei dem ohne die EDV (fast) nichts mehr geht.

Aus dem Vollen schöpfen

Da im Bereich MK, d.h. kaufmännische Leitung, – hervorgegangen aus der früheren Abteilung Arbeitsplanung – gute Kollegen waren, die sich um die Disposition, verschiedene Lager, Einkauf, Versand und zum großen Teil um die belegmäßige Abwicklung der Fertigung gekümmert haben, konzentrierte ich mich mit einer kleinen Mannschaft ab 1979 hauptsächlich auf die Personalarbeit. Marklkofen hat jedes Jahr neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt: Zwischen 1979 und 1994 wuchs das Werk von 940 Beschäftigten auf 1663. Wenn es Bedarf an weiteren Mitarbeitern gab, bekamen wir morgens eine Notiz von unserem Werkleiter und dann haben wir die Leute eingestellt. In der besten Zeit hatten wir mehr als 300 Bewerbungen von gewerblichen und kaufmännischen Interessenten in der Schublade, die wir nur anrufen mussten. Wenn es sein musste, waren die Leute am nächsten Tag zur Stelle. Die meisten Frauen kamen aus der hiesigen Textilindustrie, dem Einzelhandel oder anderen Kleinbetrieben. Alle waren sehr motiviert. Wir konnten uns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aussuchen. Längere Einstellungsverfahren oder so etwas wie den Gleichberechtigungsgrundsatz gab es damals nicht.

Für mich war meine berufliche Tätigkeit bei MANN+HUMMEL eine schöne Zeit. Natürlich vergisst man all die unangenehmen Tage – Gott sei Dank – schneller oder sogar ganz. Nicht zu vergessen, dass es sich um einen Rückblick von 30 Jahren aus der Sicht nach 50 Jahren handelt.