Ich habe mich 1957 auf eine Zeitungsanzeige um eine Anstellung als technischer Kaufmann im Einkauf beim Filterwerk MANN+HUMMEL GmbH beworben. Meine Bewerbung hatte Erfolg und ich konnte meine Tätigkeit am 1. Juli 1957 im Einkauf beginnen.

Im Einkauf waren etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vier Einkaufsgruppen beschäftigt, die zuständig waren für die Beschaffung von

  • Rohmaterial und Guss
  • Teile aus Metall, DIN-Teile und Schweißfertigungen (mein Bereich)
  • Dichtungen aller Art, Verpackungen und Kunststoffe
  • Fertigaggregate, Handelswerkzeuge, Hilfsstoffe, etc.

Wir arbeiteten mit mechanischen Schreib- und Rechenmaschinen; Telefongespräche meldeten wir in der ersten Zeit morgens in der Telefonzentrale an – mit einer Liste der Lieferanten, mit denen wir ein Gespräch zu führen hatten. Direktwahl wurde erst im Lauf der Zeit für gewisse Apparate und Zielorte möglich. So erinnere ich mich an einen Streik Anfang der 1960er Jahre: Wir mussten die Lieferanten verständigen, dass streikbedingt keine Anlieferungen erfolgen durften. Der Text wurde auf einen Lochstreifen gestanzt und von Mitarbeiterinnen des Einkaufs am Fernschreiber in der Telefonzentrale eingelesen. So wurde ein Lieferant nach dem Anderen angewählt und von der Situation unterrichtet.

53748637 - mechanical typewriter with black keys and white case

 

Bedarfsanforderungen per Pendelkarte

Die Bedarfsanforderungen für die Produktion mit Mengen- und Terminangabe erhielten wir von den Dispositionsabteilungen per Pendelkarte, Bedarfe für Hilfs- und Betriebsteile mit Einkaufsauftrag. Die eingegangenen Lieferungen wurden von uns vom Wareneingang gemeldet, auf den Bestellungen verbucht und die in der Buchhaltung eingegangenen Rechnungen vom Einkauf auf sachliche Richtigkeit geprüft und zur Zahlung angewiesen. Neue Lieferquellen suchten wir zum Beispiel in Fachzeitschriften wie „Maschinenmarkt“, dem „ABC der Deutschen Wirtschaft“, bei Messebesuchen oder durch Gespräche mit Vertretern.

Zu unseren Aufgaben gehörte auch die Erstellung einer monatlichen Statistik über den Gesamtwert der erteilten Aufträge und die Höhe des im Folgemonat zu erwartenden Rechnungseingangs. Diese Statistik wurde erstellt, indem alle Bestellungen manuell wertmäßig und der erwartete Rechnungsbetrag ermittelt wurden, um der Buchhaltung den Finanzbedarf für den nächsten Monat vorzugeben.

MANN+HUMMEL Speyer

Als Leiter Materialwirtschaft nach Speyer

Durch einen personellen Wechsel bei der FILAP (Filter- und Apparatebau-Gesellschaft mbH) in Speyer wurde mir am 1. Juli 1963 das Angebot gemacht, dort die Leitung der Materialwirtschaft zu übernehmen. Dieser Betrieb befand sich in der Aufbau- und Neubauphase, die Aufgabe erfüllte mich ganz und gar. Der technische Fortschritt hielt Einzug, und so erhielten wir die Genehmigung zum Kauf des ersten NIXDORF-Magnetkonten-Computers im Filterwerk, denn die wachsende Ludwigsburger EDV-Abteilung war mit Ludwigsburg so stark beschäftigt, dass keine Möglichkeit bestand, auch das Werk Speyer zu diesem Zeitpunkt mit zu integrieren. Damit haben wir die Aktivitäten in Disposition und Einkauf mit Erfolg neu und zeitgemäß gestaltet mit dem Erfolg, dass bald darauf ein zweiter gleicher Rechner für die Finanzbuchhaltung sowie die Lohn- und Gehaltsabrechnung angeschafft wurde.

Fertigung MANN+HUMMEL

Zurück in Ludwigsburg

Nach zehn Jahren erfolgreicher Aufbauarbeit in Speyer wurde mir angeboten, zum 1. Juli 1973 die Stelle des in den Ruhestand gehenden, langjährigen Einkaufsleiters zu übernehmen. Eine der wichtigsten Aufgaben, die mir vorgegeben wurde, war die Einführung der EDV im Einkauf. Diese erforderte viel Überzeugungsarbeit und Motivation der Mitarbeiter, galt es doch von altgewohnter Arbeitsweise Abschied zu nehmen und neue, unbekannte Wege zu beschreiten.

Vor dieser großen Umstellung auf die EDV haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter der Kostenrechnung alle Materialien und Teile einer Warengruppe zugeordnet und damit eine wesentlich bessere Transparenz erzielt. Die Kapazität der EDV-Großanlage konnte uns dafür nur zwei Stellen (von 00 bis 99) zur Verfügung stellen. Diese Warengruppe wurde vom Einkauf in den Bestellungen an die buchhalterischen Konten angehängt. Ich lese heute mit Freude und Genugtuung, dass die Warengruppen, natürlich in erweiterter Form entsprechend der heutigen EDV-Möglichkeiten, im weltweit agierenden Unternehmen nützliche Anwendung finden.