MANN+HUMMEL ist ein weltweit agierendes Unternehmen mit 16.000 Mitarbeitern und über 60 Standorten. Dieses globale Geschäftsmodell könnte gar nicht ohne Expatriates funktionieren. Solche Expats sind beispielsweise Deutsche im Ausland, internationale Kollegen in Deutschland, und zunehmend auch Kollegen, die zwischen den Auslandsgesellschaften wechseln. Rund 100 von ihnen sind derzeit auf der ganzen Welt aktiv und bilden Brücken zu den weltweiten Märkten. Dabei sind Vielreisenden und mehrmonatigen Projekteinsätze noch nicht eingerechnet.

Obwohl sich Ziele und Modelle ändern, nehmen trotz aller Telefon- und Videokonferenz-Möglichkeiten internationale Entsendungen insgesamt zu, denn sie bringen den Knowhow-Transfer entscheidend voran. In dieser Entsendungswelt ist die ICUnet.AG Partner für MANN+HUMMEL.

Als Leiter des Standorts Stuttgart bin ich selbst sehr nah an den Entwicklungen – und Teil derselben. Was ich in den letzten Jahren beobachten konnte, ist vor allem eine zunehmende Professionalisierung: So musste ein Expat noch vor zehn Jahren die Organisation zu großen Teilen selbst in die Hand nehmen und etwa zu unzähligen verschiedenen Behörden gehen und stundenlang Schlange stehen, um zum Beispiel sein Auto vor Ort anzumelden, statt sich um seine unternehmerische Mission kümmern zu können. Inzwischen bekommt er ein angemessenes Rundum-Paket, das anhand einer gut strukturierten und weltweit gültigen Policy entworfen wurde. Als Experte in diesem Bereich kann ich sagen: Hut ab MANN+HUMMEL, denn zum Vergleich: Eine Reihe anderer baden-württembergischer Global Player ist da noch nicht so weit.

Wir können sagen, dass die organisatorische Seite der Auslandsentsendungen inzwischen rund läuft – und dies trotz Verzögerungen wegen lokaler Feiertage, spontanen Änderungen von Immigrationsgesetzen und unübersichtlichen Wohnungsmärkten. Dies setzt natürlich voraus, dass Expats entsprechend robust und flexibel sind, um mit kurzfristigen Änderungen umgehen zu können.

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Nun möchte ich aber drei andere Bereiche in den Fokus stellen, die aus Erfahrung meist etwas schwieriger handzuhaben sind als die Organisation: die individuelle Business-Strategie, das familiäre Umfeld sowie das Rückkehr-Management. Im Folgenden habe ich Ihnen ein paar Tipps zusammengestellt, die bei längeren beruflichen Auslandsaufenthalten helfen können.

Tipp 1: Eine Checkliste ist nicht alles

Unter einer länderspezifischen Vorbereitung stellen sich viele noch eine Checkliste mit den „Dos und Don’ts“ vor: Wer die Begrüßungsrituale und die Verhaltensweisen kennt, wird erfolgreich sein. Aber so funktioniert die Realität nicht. Was ich als Expatriate wirklich brauche, sind Strategien und Instrumente für meine Businessziele. Je nach Landesgesellschaft und je nach Marktsituation muss ich ganz anders agieren: Wie verlaufen Entscheidungsprozesse bei den Kunden? Wie funktioniert der lokale After Market? Wie ist meine Rolle in die Unternehmensstrategie eingebettet? Welche Führungsstile sind hilfreich? Wie kann ich meine Erwartungen vermitteln und mit Headquarter-Ansätzen überzeugen? Wie viel „local spice“ in der Unternehmenskultur bin ich bereit anzunehmen? Welche neuen Lösungen kann ich umgekehrt dazulernen? Wie baue ich rechtzeitig meinen eigenen Nachfolger auf?

Sie sehen: Verglichen mit Begrüßungsritualen und Tischsitten, die früher im Mittelpunkt standen, sind diese Fragen um einiges entscheidender.

Den Grundstein für die Entwicklung einer eigenen Strategie legen wir gemeinsam mit MANN+HUMMEL in den länderspezifischen Vorbereitungs-Sessions, denn dieses Wissen darf nicht unterschätzt werden. Selbst wer in Deutschland beruflich glänzt, trägt den Erfolg nicht automatisch ins Ausland. Eine Beobachtung: 80%ige Fachprofis mit dem passenden „Riecher“ sind unter dem Strich erfolgreicher als 120%ige Fachprofis, die ihr Team im Ausland aus verschiedenen kulturellen und zwischenmenschlichen Gründen nicht für ihre Zwecke begeistern können.
Dieser Riecher lässt sich entwickeln und trainieren, wenn man Bereitschaft, Wille und authentische Neugier mitbringt.

Tipp 2: Sorgfältige Planung hilft auch Ihrer Familie

Viele Expats haben Familien, die sie selbstverständlich ins Ausland mitnehmen möchten. Ein verblüffend hoher Anteil der Expatriates sind beispielsweise Familienväter zwischen 30 und 40, denn in dieser Lebensphase läuft die Karriereentwicklung oft im Turbomodus. Ist die Bereitschaft auf Seiten der Familie da, muss im Ausland ein Modell gefunden werden, mit dem alle zufrieden sind. Das ist machbar und gelingt vielen. So lieben etwa die meisten Kinder internationale Schulen, und viele Expats kämpfen später darum, ihre Auslandsverträge zu verlängern. Um Frust und Überraschungen zu vermeiden, bleibt aber das Erwartungsmanagement vorab das A und O: Wie wird die verfügbare Familienzeit aussehen? Wie kann ich als Partner meine Zeit vor Ort sinnvoll gestalten? Welche Möglichkeiten gibt es vor Ort (und welche nicht)? Darum integriert MANN+HUMMEL vorbildlich auch die Partner und (eventuelle) Kinder in die Vorbereitung.

Tipp 3: Bereiten Sie Ihre Rückkehr rechtzeitig vor

Das Rückkehrmanagement beginnt schon am ersten Tag der Entsendung und wird teils vom Unternehmen, allerdings auch vom Mitarbeiter selbst verantwortet. So ist etwa die anhaltende Kontaktpflege zum Headquarter sehr wichtig. Erleichtert wird dies bei MANN+HUMMEL zum Beispiel durch Mentoren. Umgekehrt treibt auch das Unternehmen Reintegrationsprozesse voran. Dass sich aber beide Seiten – Expat wie Unternehmen – in der Zeit der Abwesenheit verändern, darf nicht unterschätzt werden. Man kann daher solche Auslandsaufenthalte nicht pauschal als „Karrieresprungbrett“ bezeichnen – Rückkehr und der weitere Karriereverlauf sind sehr individuelle Prozesse, die von Fall zu Fall variieren.

Übrigens: Auch wer seinen Arbeitsplatz bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg, Marklkofen oder an einem anderen deutschen Standort hat, ist ein internationaler Mitarbeiter: Bei jeder Videokonferenz mit Brasilien und bei jeder E-Mail nach China kann man die Internationalität hautnah erleben.

Dies ist schon im Alltag spürbar: Fragen Sie doch mal Ihre Kollegen, die länger im Ausland waren, wie Sie von Ihrem Wissen profitieren können. Diese Ressource ist unendlich wertvoll und nur wenige Meter von Ihnen entfernt, während Sie das hier lesen. Und nehmen Sie sich Zeit für die Gespräche mit Ihren neuen internationalen neuen Kollegen – mit Geduld bei Sprachbarrieren und am besten mit vielen neugierigen Fragen.

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