Sonne, Meer, Strand, Palmen, Jungs mit Surfboards, Mädchen in kurzen Shorts und bauchfreien Oberteilen, alle braun gebrannt mit Sonnenbrille – Willkommen in Kalifornien! Zumindest das Kalifornien aus Film und Fernsehen.

Die Realität: Ich sitze in Goleta, einem Stadtteil von Santa Barbara, in meinem Zimmer vor der Heizung, draußen sind es 8 °C (oder 46°F) und es schüttet seit Tagen wie aus Kübeln. Die Straße hat sich schon vor Stunden in einen Fluss verwandelt und eine Straßenecke weiter zersägt die Feuerwehr gerade einen 40 Meter hohen Baum, der sich über Nacht mal kurz auf die Kreuzung gelegt hat. Im Radio läuft Albert Hammond:

“Seems it never rains in southern California
Seems I’ve often heard that kind of talk before
It never rains in California, but girl, don’t they warn ya?
It pours, man, it pours”

Lustig. Wie passend. Danke dafür! Im Gegensatz zu den Kaliforniern begrüße ich es eher weniger, dass es das erste Mal seit 5 Jahren mal wieder richtig regnet. Und schon gar nicht, dass es so viel regnet wie seit über 60 Jahren nicht mehr. Aber mal zurück zum Anfang.

Studieren am Strand

Mein Name ist Marco Herbst und ich bin DHBW-Student bei MANN+HUMMEL. In meinem Studiengang International Business ist es üblich ein Semester an einer Universität im Ausland abzulegen und ich hatte mich dafür entschieden, den Zeitraum von Januar bis April an der University of California – Santa Barbara zu verbringen. In einer Stadt, eine Stunde westlich von Los Angeles direkt am berühmten Highway 101, umgeben von Bergen und Meer. Studieren, wo andere Urlaub machen. Perfekt! Der Campus für 20.000 Studenten mit eigenem Strand gilt als einer der schönsten in Nordamerika. Das sollte also für die nächsten Monate mein neues Zuhause sein. Dementsprechend waren meine Erwartungen als ich dann, nach einem Zwischenstopp in Los Angeles und dem Jahreswechsel in Las Vegas, Anfang Januar in Santa Barbara eintraf.

Was mich dann erwartete waren wochenlange starke Regenfälle, denen die Natur nach der mehrjährigen Dürreperiode nicht gewachsen war. An vielen Stellen konnte der Boden schon nach den ersten Tagen einfach kein Wasser mehr aufnehmen, zudem sind viele Straßen erst gar nicht mit Abwasserschächten ausgestattet. In Oroville in der Nähe von San Francisco mussten sogar 180.000 Menschen ihre Häuser verlassen, da der größte Staudamm der USA aufgrund der Wassermassen zu brechen begann.

Zum Glück beruhigte sich die Lage gegen Ende Februar dann und ich habe Kalifornien von seiner schönsten Seite genießen können. Endlich konnte ich die zahlreichen Surfspots entlang der Küste ausprobieren, mit dem Cabrio über den Highway 101 nach Santa Monica und Malibu fahren oder einfach mal die Mittagspause am Strand verbringen. Dank des amerikanischen Vorlesungsplanes war dann auch genug Zeit für Wochenendtrips nach San Francisco, San Diego oder eine der vielen anderen Sehenswürdigkeiten die Kalifornien so zu bieten hat.

Allgemein ist das Leben eines amerikanischen Studenten in meinen Augen um einiges entspannter, als das an deutschen Universitäten. Anstatt das während des Semesters „nur“ Anwesenheit erfordert ist und man am Ende bei zig Prüfungen meist nur durch Bulimie-Lernen zum Erfolg kommt, ist man in den USA viel flexibler in seiner Lerngestaltung. Von Beginn an fließen Teilnahme und mündliche Beiträge mit in die Notenberechnung, dazu gibt es immer wieder Hausaufgaben die man in der kommenden Woche dem Dozenten abgeben muss. Des Weiteren werden die Prüfungen meist über das Semester verteilt und sind eher kleine Projekte, die am Schluss mit einem mehrseitigen Paper oder Präsentationen abzuschließen sind. Dies erfordert viel tiefere Recherchen und Verständnis der Themen, was meiner Ansicht nach die deutlich nachhaltigere Lernmethodik ist.

Zwischen Universität und Freizeit ergab sich dann noch die Möglichkeit mehrfach bei unserer neusten Akquisition der ehemaligen TriSep Corporation, jetzt Teil von MICRODYN NADIR, vorbeizuschauen. Man empfing mich jedes Mal sehr herzlich und ich merkte schnell in welch freundlichem und familiärem Umfeld hier gearbeitet wird. Geschäftsführer Peter Knappe gab mir dann persönlich bei einer Werksführung einen spannenden Einblick in die Welt der Nano- und Ultrafiltration. Vielen Dank nochmal dafür!

Jetzt bin ich wieder zurück im Büro in Ludwigsburg, es ist Mitte Mai und…es regnet. Läuft ja richtig dieses Jahr. Ob ich mich schon wieder an Deutschland gewöhnt habe werde ich oft gefragt. „Na klar!“, sage ich, einfacher als gedacht. Keine zehn Minuten später hole ich meine Pfanddose wieder aus dem Müll.