Beim Stichwort Australien denken die meisten Leute zuallererst an süße Koalas, knuddelige Kängurus und Crocodile Dundee mit seinem berühmten Jagdmesser. Alternativ ist das Land für seine Gefahren bekannt: unzählige giftige Spinnen, Schlangen, Quallen, Haie und die pausenlos gleißende Sonne. Wir haben sogar Bäume, die potenziell eine Gefahr für Leib und Leben darstellen: So hat der Blaue Eukalyptus nicht von ungefähr seinen liebevollen Spitznamen „widow maker“ (deutsch: Baum, der Frauen zu Witwen macht)! In einem Land, in dem einem vieles nach dem Leben zu trachten scheint, ist es eigentlich keine große Überraschung, dass man sich eigene Regeln ausdenken muss, um zu überleben. Wo wir wieder beim Thema Aussie Rules bzw. Australian Football wären.

Weder Fußball noch Rugby

Obwohl Australien in vielen Sportarten aktiv ist, ist wohl keine davon so typisch australisch wie Australian Rules Football, von den Einheimischen auch einfach „Aussie Rules“ genannt. Schon der Name sagt deutlich, dass es sich um ein Spiel handelt, das in Australien entstanden ist und nirgendwo sonst auf der Erde gespielt wird. Riesige Menschenmengen strömen in die Stadien, um 36 durchtrainierten Kerlen 80 Minuten beim Bällekicken und Herumspringen zuzuschauen. Auch gelegentlich ziemlich heftiges Tackling, auf das die Schiedsrichter mit energischem Pfeifen reagieren, gehört dazu. Spielmerkmale wie den Ball fallen zu lassen, im Abseits zu stehen und auf den Ball zu schlagen wirken auf Leute, die mit Fußball oder Rugby aufgewachsen sind, ziemlich verwirrend. Eine Regel besagt zum Beispiel auch, dass man nicht im Ballbesitz sein darf, wenn man angegriffen wird. Außerdem gibt es nicht zwei, sondern vier Torpfosten, und da es keine Torlatte gibt, ist ein Treffer im Tor nicht so eindeutig, wie man eigentlich annehmen würde. Die schlechte Nachricht für die nicht gerade besten Läufer: Die – übrigens eher ovalen als rechteckigen – Felder sind bis zu dreieinhalbmal so groß wie ein Fußballfeld. Allerdings gibt es keine festgelegte Größe: Die Fläche kann um bis zu 100 % variieren (das ist der einzige Bereich, in dem das Spiel keine strengen Regeln hat).

Aussie rules für alle!

Auch wenn Australian Football nach einem Spiel für testosterongesteuerte Machos klingen mag, ist es eine sehr fortschrittliche Sportart für jedermann und -frau. Vor kurzem gab die Australian Football League (AFL) bekannt, welche Vereine im ersten Jahr nach der Gründung der National Women’s League gegeneinander antreten werden. Die AFL schätzt, dass Frauen bereits ein Viertel der Australian-Rules-Spieler ausmachen. 2017 werden acht Frauenteams in einer eigenen, professionellen Liga spielen. Das Ziel ist, dass in den nächsten Jahren zahlreiche neue Clubs gegründet werden. Für die AFL hat ein wirklich neues Zeitalter begonnen.

Eine Sportart als Ausdruck der australischen Seele

Das erste offiziell organisierte Frauenmatch fand bereits 1915 statt. Somit ist die Spieltradition bei Frauen älter als die Firma MANN+HUMMEL, die dieses Jahr ihr 75. Jubiläum feiert.

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Da das Unternehmen zu diesem Anlass Gegenstände aus allen MANN+HUMMEL Standorten weltweit sammelt, hat man auch uns gebeten, etwas „typisch Australisches“ nach Ludwigsburg zu senden. Meine Wahl soll die australische Eigenheit ausdrücken, Regeln zu schaffen, nur um sie im Anschluss relativ schnell wieder zu brechen.

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Australien ist ein offenes, fortschrittliches Land. Was könnte also dieses Merkmal besser symbolisieren als ein Fußball, wie er im australischen Nationalsport verwendet wird? Auch wenn der Ball mit dem Kängurulogo wie ein Rugbyball aussieht, hat er mit dieser Sportart überhaupt nichts zu tun.

Trotz seiner Wetterextreme und seiner isolierten Lage als Insel bleibt Australien, dieses großartige Land im Süden, ein sehr spezieller Ort, der nach wie vor grenzenlose Chancen und unzählige Quadratkilometer unberührten Boden bietet – und an dem das Prinzip Fairness noch immer gilt. So wie auch die Regeln des Aussie rules!