Als wir in Bad Harzburg von der Idee der Zeitkapsel anlässlich des Jubiläums von MANN+HUMMEL erfuhren, mussten wir nicht lange überlegen, welche regionaltypischen Besonderheit wir beisteuern könnten. Sofort waren wir uns einig: Es kann nur die Harzer Brockenhexe sein. Es soll tatsächlich noch Menschen geben, die gar nicht wissen, wer oder was die Harzer Brockenhexe überhaupt ist und wofür sie steht. Das kann ich mir als gebürtige Bad Harzburgerin nur schwer vorstellen. Gern trage ich deshalb zur Aufklärung bei.

Bad Harzburg liegt an der Landesgrenze von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt direkt am nordöstlichen Ausläufer des Harzes, einem beliebten Mittelgebirge in Deutschland. Der höchste Berg im Harz ist der Brocken. Und mit 1.141 Metern ist er wirklich ein Brocken. Was hat es aber nun mit diesen Hexen auf sich? Nun, das ist eigentlich ganz einfach: Unter den sogenannten Harzer Brockenhexen versteht der Volksglaube fiktive Gestalten, die sich in früheren Zeiten auf eben jenem Brocken versammelten.

Die größten Versammlungen gab es zur Walpurgisnacht – und das schon vor 500 Jahren. Der Brocken war im 16. Jahrhundert vereinzelt als „Blocksberg“ bekannt. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gilt der Berg als Hauptversammlungsort der Hexen aus ganz Deutschland. Die Verbreitung und Popularisierung des Brockens als Hexenberg entstand vor allem durch das Werk „Blockes-Berges Verrichtung“ (1668) von Johannes Prätorius. Durch Goethes Faust wurde das Motiv des Hexentanzes in der Walpurgisnacht Bestandteil der nationalen Bildung. Der durch Prätorius und Goethe angestoßene Bildungstourismus führte seit der verkehrsmäßigen Erschließung des Brockens zu alljährlichen Volksfesten und zum Verkauf von Souvenirs.

Brocken

Die Harzer Brockenhexe hat gute Absichten und bringt Glück

Und genau da wären wir bei DEM Symbol unserer Region – der Harzer Brockenhexe. Wenn Sie einmal zu uns kommen, beispielsweise zu einer Standortbesichtigung, werden Sie an unserer Hexe nicht vorbeikommen. Die Hexe gibt es in allen möglichen Variationen. Von jung bis alt, von abscheulich-grässlich bis hin zu wundersam-niedlich. Ihre Kleidung ist häufig geflickt. Einige Hexen tragen auch eine Brille und Pantoffeln, oft auch ein Kopftuch. Es ist eine Mär, dass Hexen immer nur böse Absichten haben. Schließlich wurde im 20. Jahrhundert der Mythos vom Hexentreff auf dem Blocksberg durch Kinderbücher in einer freundlichen Deutung dargestellt und bis heute hat diese Ansicht Bestand. Das wird vor allem in der Walpurgisnacht deutlich.

Die erste Walpurgisnachtfeier auf dem Brocken organisierte ein waschechter Bad Harzburger. Das war im Jahr 1896 Rudolf Stolle, ein Verlagsbuchhändler. Das Fest bestand aus einer Feier im Brockenhotel und einem Umzug zur Teufelskanzel um Mitternacht mit Ansprache. Im Jahr 1903 fand die Feier auf Initiative der Walpurgis-Gesellschaft von Bad Harzburg erstmals im größeren Umfang statt. Daher wird das Jahr 1903 als Gründungsdatum der Walpurgis-Gesellschaft angegeben.

Am 30. April feiern jedes Jahr etwa 100.000 Menschen im und um den Harz das Walpurgisfest. Der Brocken hat dabei als Hexenversammlungsplatz eine überregionale Bedeutung. Wohin das Auge reicht, sieht man Hexen bzw. Hexenpuppen – in den Bäumen, am Straßenrand oder als Verkleidung. Die Hexe ist allgegenwärtig, und die Walpurgisnacht gleicht bei uns einem bunten Volksfest mit einem Wettbewerb, bei dem die „schönste“ Hexe gekürt wird.

Brockenhexe

Die Hexe ist heute das meistverkaufte Souvenir im Harz und hat andere Wahrzeichen der Region längst verdrängt. Hexen sind heutzutage Glücksbringer und Hüter des Hauses. Was läge da also näher, als für das 75-jährige Bestehen von MANN+HUMMEL, dem größten Arbeitgeber in Bad Harzburg, diese freundliche Harzer Brockenhexe zu stiften? Möge sie dem Unternehmen Glück bringen und das neue Technologiezentrum gut hüten.