Als rasender Reporter stelle ich (Arne Bauer) in meiner Blogserie „Was macht eigentlich …?“ Berufsbilder bei MANN+HUMMEL vor. Um einen Einblick in den Alltag verschiedener Berufe zu erhalten, schaue ich den Mitarbeitern an den deutschen Standorten für einige Stunden über die Schulter. In Sonneberg begleitete ich Daniel Hornig, der als Werkzeugmechaniker tonnenschwere Werkzeuge repariert.

Was macht eigentlich ein Werkzeugmechaniker in Sonneberg?

Werkbank reiht sich an Werkbank in der Halle der Werkzeugmechaniker in Sonneberg. Monströse Maschinen bearbeiten den Stahl und formen die würfelförmigen Werkzeuge. Während in diesem vorderen Hallenareal neue Werkzeuge gebaut werden, repariert Daniel Hornig weiter hinten diejenigen Werkzeuge, die bereits in den Produktionshallen zum Einsatz gekommen sind. „Es muss oft schnell gehen“, sagt Hornig. Denn die Reparatur muss abgeschlossen sein, sobald das Werkzeug wieder benötigt wird.

Ein Stapler stellt die oft tonDaniel Hornignenschweren Kolosse im Bereich der Werkzeugreparateure ab. Kleine Werkzeuge mögen leichter sein, sind jedoch „auf keinen Fall“ leichter zu reparieren, weiß Hornig: „Auch kleine Werkzeuge sind filigran und oft sehr kompliziert.“ Die Problemstelle ist im Reparaturauftrag vom Einrichter beschrieben, der die Werkzeuge in die Maschinen einsetzt. „Oft müssen Details nochmal persönlich geklärt werden“, beschreibt Hornig. Zunächst aber öffnet er das Werkzeug, das aus zwei ähnlich großen Teilen besteht. Dabei kommt hin und wieder auch schweres Gerät zum Einsatz. Die beiden Werkzeughälften werden im Normalbetrieb von der Maschine aneinandergepresst und formen so die Produkte in ihrer Mitte.

Um die oft wenigen hundertstel millimetergroßen Abweichungen von der Soll-Form des Werkzeugs zu erkennen, untersucht Hornig auch das Endprodukt und setzt es ins Werkzeug ein, um die beschädigte Stelle zu identifizieren. Feinste Risse im Stahl können bereits unterwünschte Gratbildungen am Kunststoff hervorrufen. Um das Werkzeug zu reparieren, bringt der Werkzeugmechaniker es dann mit dem Hallenkran in Position und zerlegt es – das kann teilweise mehrere Stunden dauern. „Oft muss man eine Weile nachdenken, um eine Lösung zu finden.“ Während es für die Werkzeugbauer einfacher ist die Formhälften aus einem Stück zu bauen, ist es bei der Reparatur von Vorteil, wenn diese aus mehreren Segmenten bestehen. Einerseits, weil der Reparateur schnell an die zu reparierende Stelle gelangt, andererseits, weil einzelne beschädigte Teile im Zweifel einfach ausgetauscht werden können.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Hornig Werkzeuge mit integriertem Heizkanal repariert. Zunächst testet er dessen Funktion. Bei einem Defekt baut Hornig den Heizkanal mit Unterstützung eines ElekWerkzeugmechaniker Daniel Hornigtrikers aus, wobei er sehr genau auf die filigranen Kabel achten muss, um das Heißkanalsystem nicht zu beschädigen. Die Reinigung der Werkzeuge läuft beim Reparaturvorgang immer nebenher. Nach der Zerlegung hält Hornig schließlich ein daumenlanges Metallelement in Händen, das aufgrund eines millimetertiefen Kraters für einen Plastiküberstand am Produkt verantwortlich ist. „Manchmal wäre man froh, wenn es um Millimeter gehen würde. Meistens sind es Zehntelmillimeter“, meint er. Nachdem sein Kollege am Laserschweißgerät an ebenjener Stelle neues Material aufgetragen hat, bearbeitet Hornig das Metall mit Luftschleifer und seinen Diamantfeilen, bis er zufrieden mit dem Ergebnis ist. Nach dem Zusammenbau des Werkzeuges geht es anschließend zurück in die Produktion. Dort schuftet das Werkzeug wieder, bis die nächste Reparatur ansteht. „Manchmal sieht man ein Werkzeug innerhalb kurzer Zeit zweimal, dann sieht man es wieder ein halbes Jahr lange nicht.“