Seit Mitte April 2018 haben wir am Standort Ludwigsburg etwa 30.000 neue Arbeiterinnen. Ihre beiden Holzunterkünfte stehen auf dem Dach des Firmenparkhauses und – Sie ahnen es – inzwischen sammeln sie schon fleißig Honig. Genauer gesagt sammeln sie die süßen Pflanzensäfte, aus denen ich als Imker dann später den Honig gewinne. MANN+HUMMEL hat das Bienenprojekt in sein Umweltprogramm für Ludwigsburg als konkretes Umweltziel in 2018 aufgenommen. Die erfolgreiche Umsetzung trägt zur Erhaltung von Artenvielfalt (Biodiversität) bei und ist auch ein Beitrag zur Corporate Social Responsibility (CSR).

Die beiden Bienenstöcke auf dem Firmengelände sollen einen kleinen Beitrag zum Überleben der Bienen leisten, denn schließlich haben Bienen eine hohe ökologische Bedeutung: Durch ihre Bestäubungsleistung tragen sie dazu bei, unsere Wild- und Kulturpflanzen zu erhalten. Auch die Landwirtschaft profitiert von der Bestäubungsleistung durch höhere Erträge.

vollverdeckelte Honigwabe

vollverdeckelte Honigwabe

Einzug umweltbewusster Untermieter

Initiiert wurde die Aktion durch einen Artikel in unserem Intranet, in dem ein Imker gesucht wurde, der seine Bienenstöcke auf dem begrünten Parkhausdach aufstellen und pflegen möchte. Das Projekt verzögerte sich dann etwas, da es zunächst gewisse Schwierigkeiten mit der Statik gab: Das Parkhausdach ist nicht für die schweren Betonplatten ausgelegt, auf denen die Bienenkästen platziert werden sollten. Auch ein Schutzgeländer musste angebracht, damit ich nicht versehentlich vom Dach des Parkhauses fallen würde. Anfang 2018 war dann alles fertig, und im April habe ich meine beiden Bienenvölker umgezogen.

Teamwork: Unterstützung für die Honigbienen

Das Dach eines Parkhauses ist ein ungewöhnlicher Ort für einen Bienenstock. In einer Höhe von gut 20 Meter ist es oft sehr windig – und Zugluft mag die Biene nicht so gerne. Mal sehen, wie sie damit klar kommen.

Als Imker „bearbeite“ ich die Bienenvölker, d.h. ich hege und pflege sie. Wir reden hier natürlich von den Honigbienen, denn weltweit gibt es mehrere Tausend Bienenarten, die meisten sind Wildbienen. Die Honigbiene kann ohne Imker heute nicht überleben. Schuld ist die Varroamilbe. Gegen sie sind Honigbienen nicht resistent. Würde sich ein Schwarm Honigbienen in der Wildnis ansiedeln, wäre er zum Tode verurteilt. Ich als Imker bin u.a. dafür zuständig, dass die Milben mit biologischen und biomechanischen Mitteln in einem vernünftigen Maß zurückgedrängt werden.

Das Bienenjahr – Ein Leben, fünf Jobs

Das Bienenjahr hat einen anderen Zyklus als unser Kalenderjahr und beginnt im August. In diesem Monat wird der Grundstock gelegt für die spätere Volksentwicklung im nächsten Frühjahr: Die Volksstärke nimmt ab, und es entwickeln sich die Winterbienen. Diese ziehen sich von November bis Februar zu einer Wintertraube zusammen und wärmen und füttern die Königin, die im Zentrum der Traube sitzt. Sie ist die wichtigste Biene. Sie „regiert“, d.h. sie beeinflusst, wie sich ein Volk entwickelt und was zu tun ist.

Bienen auf dem Dach

Königin

Ab Februar fangen die Bienenvölker an sich zu gedeihen. Die Königin legt neue Eier, die Jungbienen schlüpfen, schnell werden es mehr. Im Juni leben bis zu 60.000 Bienen in einem Stock. Eine einzelne Biene wird nicht besonders alt; sie lebt nur circa sechs Wochen. In dieser Zeit hat sie mehrere „Jobs“: Zuerst ist sie „Putzbiene“ und reinigt Waben und Stock.

Danach ist sie „Pflegebiene“ und füttert die Brut. Im nächsten Stadium ist sie für den Wabenbau zuständig, um anschließend als „Wächterbiene“ dafür zu sorgen, dass keine fremden Eindringlinge in das Bienenvolk kommen. Ab einem Alter von ca. drei Wochen ist sie „Sammelbiene“: Sie sammelt Pollen und die süßen Pflanzensäfte und erledigt ganz nebenbei die Bestäubung. Ihr Aktionsradius beträgt zwei bis fünf Kilometer – für so ein kleines Insekt ist das harte Arbeit.

Honig als Belohnung für Nachhaltigkeit

Im Sommer nehmen wir Imker die Honigwaben aus dem Stock. Zur Honiggewinnung müssen wir die Waben schleudern. Wir geben den Bienen natürlich auch etwas zurück, in dem wir ihren Vorrat mit einer Zuckerlösung für den Winter auffüllen. Der Honig ist der Lohn unserer Arbeit. Die Größe der Ernte hängt von mehreren Faktoren ab – von der Größe des Volks, vom Standort und vom Wetter. Im vergangenen Jahr konnten die württembergischen Imker einen durchschnittlichen Honigertrag von ca. 26 kg pro Volk einfahren.

Mehr Grün für Umwelt und Biene

Jetzt, wo die beiden Bienenstöcke auf dem Parkhausdach stehen, muss ich abwarten, wie sich die Trachtverhältnisse entwickeln. In unserer direkten Nachbarschaft befindet sich eine Kleingartenanlage mit vielen Pflanzen. Die Anlage ist jedoch im Abbau. Wünschenswert wäre es sicherlich, wenn die umliegenden Grünanlagen bienenfreundlich bepflanzt würden, damit die Bienen das ganze Jahr über Nahrung finden.

Bienenwabe, am Flugloch

am Flugloch