Ob Süddeutsche, Spiegel oder die AKTIV– sie alle schreiben darüber: Frauen in technischen Berufen. Ein Ansatz, der vielseitig thematisiert und gefördert wird. Als Entwicklungsverantwortliche bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg möchte ich heute darstellen, was es tatsächlich damit auf sich hat, als Frau in einem männerdominierten Beruf zu arbeiten.

Mein Weg zu MANN+HUMMEL

Eine Affinität zu technischen Berufen liegt bei uns in der Familie, denn bereits mein Vater hat Maschinenbau studiert. Als junges Mädchen wollte ich allerdings doch eine eigene Richtung einschlagen und habe mich vorerst für ein Informatikstudium entschieden – und bald schon wieder abgebrochen. Nach der Geburt meiner beiden Kinder führte mich der zweite Bildungsweg, in den Fußstapfen meines Vaters, doch auch zum Maschinenbau. So kam ich vor 16 Jahren zu MANN+HUMMEL, wo ich im Rahmen eines dualen Studiums in der Vorentwicklung Thermodynamik diplomiert habe.

Zu Beginn meiner Hochschulzeit lag der Schwerpunkt dieser Abteilung noch auf Verbrennungsmotoren und Thermodynamik. Ich wurde mit der Entwicklung von Kunststoff-Bauteilen betraut, die der Leistungssteigerung des Motors dienten – eine innovative und kreative Arbeit, die mir sehr viel Spaß bereitete. In dieser Zeit lernte ich einiges, allerdings verschob sich der Fokus der Vorentwicklung mit den Jahren immer mehr in Richtung Filtrationssysteme, so dass ich vor ein paar Jahren eine neue Chance ergriff. Ich blieb bei MANN+HUMMEL, aber wechselte innerhalb des Unternehmens in die Serienentwicklung für Saugrohre. Auf diese Weise konnte ich meine Arbeit wieder verstärkt auf den Verbrennungsmotor konzentrieren.

Hedwig Schick

Frauen und Technik? – Kein Problem!

Nach diesen Jahren in meinem Beruf begeistert er mich heute noch genauso, wie vor 16 Jahren. Am Anfang waren die meisten meiner Freunde und meiner Familie überrascht, dass ich mich im technischen Umfeld so gern bewegte, aber dann gewöhnten sie sich relativ schnell daran. Heute ist klar: Die Entwicklung komplexer Kunststoffbauteile fordert mich, macht mir Spaß und auch wenn der Druck groß ist – mein Job macht mich glücklich! Das ist für mich und meine Familie das Wichtigste und ob es nun „typisch Frau“ ist oder nicht, ich bin stolz auf meinen Beruf!

Wenn ich sehe, dass junge Frauen eine technische Affinität mitbringen, möchte ich sie natürlich ebenfalls für einen solchen Berufsweg begeistern und erzähle gern von meiner Arbeit. Man muss aber auch realistisch sein und wissen, welche Anforderungen auf einen zukommen. Zum Beispiel benötigt Man(n oder Frau) für ein solches Studium ein grundlegendes Verständnis für Physik und Mathe, denn Maschinenbau ist im Wesentlichen Physik und Mathe ist das Werkzeug dazu!

Mit Ehrgeiz zum Erfolg

Natürlich bekommt man auch als Frau in einem „Männerberuf“ nicht automatisch eine Sonderstellung – Anerkennung muss man sich, meiner Meinung nach, in jedem Beruf verdienen. Zuerst einmal muss man verstehen wie alles funktioniert, Erfahrungen sammeln und beweisen, dass man sich bemüht. Wer das tut, wird schnell in den Kreis der Kollegen aufgenommen, unabhängig vom Geschlecht! Hier, in der Serienentwicklung für Saugrohre, bin ich die einzige Frau und dank meiner Arbeitseinstellung fühle ich mich von allen Kollegen geschätzt. Ob Vorentwicklung oder Serie; Ich habe schon bald festgestellt, dass ich gerne mit Männern zusammenarbeite. Sie sind sehr konstruktiv, sachlich und professionell. Das erleichtert mir die Arbeit.

Hedwig Schick

Aber ich kann Ihnen auch die ein oder andere „Typisch Mann, typisch Frau“ Geschichte erzählen. Zum Beispiel haben wir im Studium auch mal ein Praktikum in der Gießerei gemacht, Sie können es sich vielleicht in etwa so vorstellen: Drei Blondinnen im Blaumann! Da haben die älteren Mitarbeiter der Produktion uns schon mal zugezwinkert, aber um ehrlich zu sein war das wohl eher ein Zeichen der Anerkennung, als der Ablehnung.

Grundsätzlich denke ich, dass wir Frauen den Männern in diesen Berufen in nichts nachstehen, vielleicht bringen wir sogar den einen oder anderen ungeahnten Vorteil mit. Immerhin besitzen viele von uns bereits naturgemäß Sozialkompetenz, Einfühlungsvermögen und Organisationstalent. Wir können neben Fachwissen also auch oftmals mit Fingerspitzengefühl überzeugen.

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Hedwig Schick ist eine von mittlerweile immer mehr Frauen, die Ihre technische Affinität zum Beruf machen. Auch in anderen Unternehmen steigt die Anzahl von Frauen in sogenannten „MINT-Berufen“ konstant an. Da interessiert es uns natürlich, wie sich dieses Arbeitsfeld in anderen Unternehmen entwickelt und was die Frauen selbst darüber denken. Nehmen Sie bis zum 11.01.2017 an unserer Blogparade teil und helfen Sie uns, ein allumfassendes Bild von Frauen in technischen Berufen zu zeichnen. Interessant sind hierbei zum Beispiel folgende Fragen:

  • Was war entscheidend für die Berufswahl?
  • Wie reagieren Menschen im persönlichen und beruflichen Umfeld, wenn Sie von Ihrer Berufswahl erzählen?
  • Haben Frauen einen Nachteil/ Vorteil bei der Arbeit in einem „Männerberuf“?
  • Sehen Sie sich als Vorbild?
  • Wie kann man das Interesse von Frauen für technischen Beruf fördern?

Natürlich sind diese Fragen nur eine Möglichkeit, haben Sie andere Erfahrungen gemacht? Lassen Sie es uns wissen! Falls Sie Ihre Beiträge über soziale Netzwerke streuen möchten, benutzen Sie den #FrauenUndTechnik, so sind alle Artikel schnell und einfach auffindbar. Außerdem können Sie den Link zu Ihrem Blog gerne unter diesem Beitrag posten! Alle Teilnehmer werden in einem zweiten Beitrag inklusive einer kurzen Zusammenfassung veröffentlicht.

Diese Blogparade ist für jeden offen – wir sind auf viele interessante Geschichten gespannt!

 

Und hier geht´s los mit einem Beitrag von Anne: Meine 0x2 Cents zur Blogparade #FrauenUndTechnik //1408 und ein weiterer Artikel: Zweihundertdreiundsechzig

Spannend auch der Artikel von Saskia: #FrauenUndTechnik

Kennen Sie Ada Lovelace (1815-1852)? Sie war  war Mathematikerin und Gründerin der Compu­terwissenschaften. Als erste Programmiererin der Welt schuf sie einen Berufszweig, in dem Frauen heute unterrepräsentiert sind:  https://womenandworkblog.wordpress.com/2016/12/02/frauenundtechnik-5-karriere-strategien-fuer-mintees/#more-1497. Vielen Dank an Melanie Vogel!

Isabell Tauber arbeitet als Detailkonstrukteurin und hier ihr Blogbeitrag zum Thema: Frauen und Technik – ja, das funktioniert!

Anne Sutanto hat zwei Kolleginnen interviewt und interessante Ansichten zusammengetragen: Blogparade #FrauenundTechnik – Ich habe ein Kleid getragen.

Auch das Social Media Team von Festo reiht sich in unsere Blogparade mit ein!