Jörg Pfeilmeier ist Schwabe. Von Herkunft und aus Überzeugung. Außerdem ist er bekennender China-Fan: Derzeit arbeitet Jörg Pfeilmeier für MANN+HUMMEL in China. Mit seiner Frau und zwei Kindern wohnt er seit 2011 in Shanghai – zum zweiten Mal nach dem ersten Aufenthalt von 2004 bis 2006. Im MANN+HUMMEL Blog erzählt er, was ihn am „Reich der Mitte“ (China) und seiner „Perle des Ostens“ (Shanghai) begeistert.

Skyline von Shanghai in China

Skyline von Shanghai bei Nacht.

 

„Ich finde China faszinierend, weil es spannend ist. Und spannend ist es, weil es anders ist. Mich persönlich hat das Land schon seit Jahren interessiert. Als ich das Angebot erhielt, für MANN+HUMMEL nach China zu gehen, habe ich zugesagt, ohne lange nachzudenken. Es war mein erster längerer beruflicher Auslandsaufenthalt, und meine Frau stand von Anfang an zu der Entscheidung. Als ich 2011 zum zweiten Mal nach China ging, habe ich also gewusst, was mich erwartet.

Klischees stimmen nicht

Um es vorneweg zu sagen, die meisten Klischees über China und seine Einwohner stimmen schlichtweg nicht. Ich habe zum Beispiel bis heute meines Wissens nach keinen Chinesen getroffen, der gerne Hund isst. Dennoch sind es wahrscheinlich die Essensgewohnheiten, die uns als erstes auffallen. So sind alle Gerichte für alle da, „Fremdpicken“ mit den Stäbchen ist nicht nur geduldet, sondern ausdrücklich erwünscht. Bis heute fasziniert uns das Essen in China trotz anderer Gepflogenheiten: Je geräuschvoller es zugeht, desto besser schmeckt es allen.

Andere Länder, andere Sitten

Auch das Klischee, dass sich die Chinesen hauptsächlich von Reis ernähren, ist falsch. In Restaurants wird er entweder gar nicht oder nur als Füllmaterial am Ende serviert. Auch an dem Gerücht, dass die Menschen hier immer lächeln, zurückhaltend und höflich sind, ist wenig dran. Dafür mussten wir uns an die teils lautstarken Telefonate und Gespräche gewöhnen. Für Ausländer klingen die manchmal wie ein handfester Streit, obwohl nur über den Weg oder das beste Rezept diskutiert wird. Was allen Besuchern auffällt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man in China mit dem Thema Geld umgeht: Ob Autos, Handtaschen oder Uhren – man zeigt gerne, was man hat. Und weil das am liebsten jeder machen würde, wird überall gehandelt, bis nichts mehr geht. Das kann dazu führen, dass selbst der Einkauf einer Wassermelone mehrere Verhandlungsrunden in Anspruch nimmt.

Heiße Sommer – kalte Winter

Shanghai in China mit seinen Wolkenkratzern

Die Temperaturen in Shanghai sind für Mitteleuropäer ungewohnt: Im Sommer wird es unerträglich heiß und schwül. Anders im Winter: Da es kaum Isolierfenster gibt und Shanghai im nicht beheizten SüdenChinas liegt, bleiben Wohnräume im Winter frisch: Mehr als 20 Grad sind praktisch unerreichbar. Das gilt trotz einer Radiatorenheizung, die unser Vermieter extra für verweichlichte Ausländer installieren ließ. Wer arbeitet, hat damit allerdings kein großes Problem. Schließlich ist die Zeit zu Hause begrenzt. Zum einen sind die Arbeitstage lang, und zum anderen verbringen wir mehr Zeit auf dem Weg von und zur Arbeit. Dabei wird der Straßenverkehr häufig zur Herausforderung, haben Verkehrsregeln in China in aller Regel doch eher empfehlenden Charakter.

Wenn zwei das Gleiche sagen, ist es noch lange nicht dasselbe

Ein Thema, das für viele Expats ewig ein Rätsel bleiben wird, ist die Sprache. Obwohl „Mandarin“, die chinesische Hochsprache, Tausende von Schriftzeichen kennt und Wörter mit der Betonung ihre Bedeutung ändern, sprechen einige wenige Ausländer die Sprache fließend.  Manche können Mandarin sogar lesen und schreiben. Meine Frau und ich haben uns in die Sprache verliebt und kommen nach eifrigem Lernen ganz gut durch den Alltag. Allerdings gibt es immer wieder Situationen, die auf Außenstehende skurril wirken – etwa, wenn trotz gefühlt richtiger Aussprache selbst einfache Aussagen nicht verstanden werden. Grundzüge der Sprache sind für mich dennoch ein Muss, um dem Gastland Respekt zu erweisen und mit Worten Türen zu öffnen.

Andere Wahrheiten kennenlernen

Jeder Expat hat in China sicher den einen oder anderen Kulturschock überstanden. Dabei stelle ich fest, dass es mehr als eine Wahrheit gibt: Schließlich sind viele unserer Eigenheiten für Chinesen befremdlich. Da ist es nicht verwunderlich, wenn uns in China manches komisch vorkommt. Dennoch oder gerade deshalb ist das Land eine großartige Erfahrung – ein Geschenk, das weder ich noch meine Familie missen möchte. Wenn man offen für Neues ist, werden einen die hier gesammelten Erfahrungen fürs Leben prägen. Hier kann man etwas bewegen, Aufbruchstimmung erleben und Zeichen setzen. Außerdem lernt man Toleranz und Weltoffenheit und kann sie seinen Kindern weitergeben. Allerdings sollte man sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lassen. Und vor allem man sollte bei den interkulturellen Trainings, die als Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt dienen, nicht alles für bare Münze nehmen.