Controlling wird vielerorts mit schnöder Zahlenjonglage verbunden. Dass weit mehr Lebendigkeit hinter dem Beruf steckt, weiß Kurt Koskivuori, der bei MANN+HUMMEL in Speyer das Controlling des Geschäftsbereichs Industriefiltration leitet. Als rasender Reporter begleitete ich (Arne Bauer) den Controller in seinem Arbeitsalltag und berichte darüber ihm Rahmen meiner Blogserie „Was macht eigentlich…?“.

Was macht eigentlich ein Geschäftsbereichscontroller in Speyer?

Aus der Telefonanlage tönt gerade die Stimme von Pablo Magallon, der die Performance der spanischen MANN+HUMMEL Gesellschaft skizziert. Kurt Koskivuori betrachtet an seinem Bildschirm eine Tabelle voller Zahlen und hört geduldig zu. Zunächst geht es im „Monthly Review Meeting“ um Unternehmenszahlen und generelle Entwicklungen in der jeweiligen Region, später kommen dann explizit Fakten des Geschäftsbereichs Industriefilter zur Sprache, in dem Koskivuori das Controlling von Speyer aus leitet. Der Chefcontroller stellt gezielt Fragen, erkundigt sich nach den Gründen für Auffälligkeiten und der Prognose für die kommende Zeit.

Einmal monatlich finden solche „Monthly Review Meetings“ mit jeder ausländischen MANN+HUMMEL Gesellschaft statt, Koskivuori teilt sich die Termine mit seinen Kollegen auf. „In den verschiedenen Gesellschaften stehen immer andere Themen im Fokus, das ist herausfordernd“, meint Koskivuori. Stimmt in der Zahlenwelt etwas nicht, schlagen die Controller Alarm: „Wir legen den Finger in die Wunde, wenn es sein muss.“ Doch das bedeutet keinesfalls, dass sie den Ansprechpartnern am betroffenen Standort lediglich die Fakten vorhalten. Vielmehr gehe es darum, direkt in die Diskussion um Lösungen einzusteigen und so eine Entscheidungsvorbereitung zu liefern: „Es ist auch eine kreative Arbeit.“ Sie fordert den täglichen Kontakt zu den Kollegen in aller Welt.

Koskivuori befasst sich zusammen mit den Controllern weltweit mit der finanziellen Performance im Industriefilterbereich. Außerdem kontrolliert und steuert er die Entwicklung der deutschen Gesellschaft hinsichtlich controllingrelevanter Themen. „Dazu gehören alle Arten von Umsatzanalysen und die Abstimmung mit den anderen deutschen Werken“, beschreibt Koskivuori seinen Auftrag. Nach dem Mittagessen macht er sich gemeinsam mit Mitarbeiter Andreas Zimpelmann auf den Weg zu Eveline Ticoalu (Vice President Finance & Controlling Geschäftsbereich Industriefilter). Der Grund: Das Trio bespricht wöchentlich die Wirtschaftlichkeit von diversen Projekten. Heute werden für ein neues Produkt verschiedene Ausführungsoptionen kalkuliert und deren Auswirkungen auf verschiedene finanzielle Parameter diskutiert.

In Koskivuoris Büro geht es weiter, dort haben Gabriel Cil, Leiter des Werkscontrollings, und Logistikleiter Jean-Marc Erieau bereits den Telefonkontakt nach Indien hergestellt. Gesprächsthema sind die prognostizierten und bereits getätigten „Intercompany-Bestellungen“ der Auslandsgesellschaften für die kommenden Monate. Der Hintergrund: Für die Kapazitätsplanung im Speyrer Werk brauchen die Planer eine realistische Vorstellung der Bestellmengen. Die Erstellung von Prognosen und Hochrechnungen ist ein wichtiger Bestandteil des Controllings. „Eine analytische, plausible Berechnung als Basis ist wichtig.“ So lassen sich frühzeitig Sorgenkinder ausmachen und noch gegensteuern, bevor ein Problem dann tatsächlich auftritt. Controller sind gewissermaßen analytische Hellseher und versuchen, die Zukunft möglichst planbar zu machen. Unabhängigkeit sei dabei ganz wichtig, erklärt Koskivuori: „Wir wollen realistisch planen und nicht zu einem Ergebnis kommen, dass lediglich unserer Wunschvorstellung entspricht.“

Schon im Studium wechselte Koskivuori für zwei Semester nach Hohenheim, weil in Tübingen der Controlling-Lehrstuhl nicht besetzt war. Seit über zehn Jahren gehört er zur MANN+HUMMEL Familie und macht seinen Job nach wie vor „sehr gerne“. Auch wenn Controlling nicht nur trockene Zahlenjonglage ist, eine gewisse Affinität zur Mathematik ist dann doch von Nöten. „Ich habe schon immer gerne mit Zahlen hantiert.“  Er versteht sich und sein Team als „Co-Piloten des Unternehmens, man ist sehr tief eingebunden in die Unternehmensprozesse und Entscheidungen“. Dabei führt der Weg eines Controllers von globalen Finanzindikatoren wie Umsatz und Gewinn bis ins Detail, zum Beispiel der Analyse von Kosten der Entwicklungsabteilung an einem Standort oder die Entwicklung der Bestände und damit die einhergehende Kapitalbindung und Lieferfähigkeit.