Das chinesische Neujahrsfest wurde vom 16. bis zum 27. Februar gefeiert. Anders als viele Chinesen, die in dieser Zeit die Stadt verlassen und die Feiertage in ihrer Heimatstadt mit der Familie verbringen, sind wir in Schanghai geblieben. Durch die Abwesenheit so vieler Menschen war es sehr ruhig, und so konnte ich mit meiner Familie einige Orte besuchen, die wir noch nicht gesehen hatten. Hier muss man nicht lange nach Kultur suchen. Shanghai ist zwar eine äußerst multikulturelle Stadt, in der die Kulturen des Westens und Ostens miteinander verschmelzen, doch hier und da finden sich Flecken reiner chinesischer Kultur, die das Gefühl einer farbenfrohen und lebendigen Kultur und Geschichte vermitteln.  Wir suchen gerne nach Orten abseits des Tourismus, an denen die traditionelle chinesische Kultur noch unberührt ist. Wenn ich mich in meinem einfachen Mandarin mit den Menschen dort unterhalte, bekomme ich oft überraschende und lohnende Antworten. Das ist für mich das Schönste daran. Wir haben auch einige eher traditionelle Gerichte versucht. Der Geschmack und die Zutaten waren weit besser als vieles der „Mischkost“ oder westlichen Küche in den Restaurants. Außerdem war das Essen deutlich günstiger. Für mich begann das chinesische Neujahrsfest bereits mit der Betriebsfeier. Diese fand in einem großen Theater im Rahmen einer Varieté-Vorstellung statt. Am Unternehmensbericht zu Beginn der Feier konnte ich sehen, dass die Belegschaft in Jiading stolz auf sich sein kann. Einige Wochen vor der Betriebsfeier wurde ich gebeten, zusammen mit chinesischen und ausländischen Kollegen einige Zeilen eines Gedichts auf der Bühne vorzutragen. Ich war begeistert und übte fleißig meinen Teil des Gedichts, wobei ich mich wie üblich besonders auf die Betonung konzentrierte, um die Bedeutung herüberzubringen. Als wir im Theater ankamen und den ersten Teil der Show sahen, wurde ich allmählich nervös. Die Qualität der Vorführungen meiner Kollegen auf der Bühne war fantastisch und ich machte mir Sorgen, nicht mithalten zu können. Die Reaktion des Publikums war jedoch sehr positiv. Und es hat großen Spaß gemacht. Dann ging es weiter mit einem Gesangswettbewerb, bei denen einige der Gruppen oder einzelnen Sänger eine wirklich großartige Leistung erbrachten. Mein Lieblingslied war 天亮了 (in etwa „Es wird hell“), das von Doris Yuan (袁桢琦) hervorragend vorgetragen wurde. Dann wurde der traditionelle Hongbao (ein roter Geldumschlag) präsentiert und in einer Lotterie wurden zufällig Mitarbeiter gezogen. Diese hatten fünf Sekunden Zeit, durch ein kleines Loch in eine Kiste zu greifen und so viel Geld und Gutscheine wie möglich zu ergreifen. Die Kisten waren vorne durchsichtig, sodass das Publikum zusehen konnte, was sie erwischten – oder eben nicht. Bei mindestens einem Kollegen blieb der Arm im Loch stecken…. Es war ein guter Jahresausklang und alle waren bereits in Feiertagsstimmung. Die Atmosphäre in den Büros in Jiading war in den verbleibenden Tagen bis zum Neujahrsfest hervorragend und ich war froh, gemeinsam mit meinen Kollegen das neue Jahr des Schafs begrüßen zu können. Während meiner drei Jahre hier konnte ich selbst sehen, wie sich MANN+HUMMEL China und das ganze Land positiv entwickelt haben – ich konnte die Veränderungen buchstäblich unter meinen Füßen spüren. Es ist erstaunlich, wie rasch sich das Land verändert. Ich bin sicher, dass sich China auch weiterhin entwickeln wird, ohne dabei seine traditionellen Werte zu verlieren. Ich habe hier viele Freunde gewonnen, sowohl unter den Kollegen bei MANN+HUMMEL als auch außerhalb des Unternehmens. Diese wunderbaren Menschen werden mir bei meiner Rückkehr fehlen. Ich bin ihnen dankbar für ihre Unterstützung, besonders während der anfänglichen „Crazy Laowai“-Tage, als noch alles neu und schwierig war.