Kennen Sie das? Man hat eine Idee, verfolgt sie nicht gleich weiter und plötzlich kommt einem anderen die gleiche Idee, dieser setzt sie um und man selbst guckt ganz dumm aus der Wäsche. Mein diesbezügliches Erlebnis dreht sich um Schloss Warth. Dort, ganz in der Nähe unseres heutigen Standorts in Marklkofen, produzierte MANN+HUMMEL ab 1953 Ölfilterpatronen. Schloss Warth ist damit so etwas wie der Geburtsort unserer heutigen Präsenz im schönen Vilstal. Mir selbst begegnete es eigentlich vornehmlich in den Produktschulungen, die ich regelmäßig in Marklkofen abhalte. Bevor ich interessierte Kunden und Händler über die technischen und theoretischen Hintergründe unserer Produkte informiere, stelle ich unser Unternehmen und natürlich auch den Standort Marklkofen kurz vor. Schloss Warth hat hier einen kleinen, wenngleich in meinen Augen sehr außergewöhnlichen Platz. Denn welches Unternehmen kann schon von sich sagen, einmal in einem echten Schloss produziert zu haben?

Irgendwann wollte ich etwas mehr darüber wissen. Als ich im September 2014 nach einem Schulungstag auf dem Weg zurück in mein Hotel war, gab ich deshalb einem spontanen Impuls nach und fuhr einfach mal hin. Die Sonne schien, es war warm und einfach der richtige Tag für einen Schlossbesuch. Ich hatte Glück: Ich wurde herzlich von einer netten Dame empfangen, schilderte ihr mein Interesse und sie erklärte sich bereit, mir eine gute halbe Stunde lang das Bauwerk und die angrenzenden Flächen zu zeigen. Dabei begegnete uns sogar eine ehemalige Mitarbeiterin von MANN+HUMMEL, die seinerzeit im Schloss gearbeitet hat. Sie ist zwar längst Rentnerin, schaut aber im Schloss immer noch gern nach dem Rechten. Beide erzählten mir, wie es damals zu der dortigen Produktion kam: Adolf Mann war zufällig auf das Schloss aufmerksam geworden, als er sich aus privaten Gründen in Marklkofen aufhielt. Das Anwesen schien ihm nicht nur ein idealer Rastpunkt auf seinen Reisen zu den zwei Wiener Textilwerken zu sein, die 1938 übernommen worden waren. Er hatte auch Pläne, das Schloss für Führungstagungen oder als Erholungsstätte für Mitarbeiter zu nutzen. Auch die Idee, mit Hilfe des zum Schloss gehörenden landwirtschaftlichen Betriebes die Firmenkantine in Ludwigsburg mit Lebensmitteln zu versorgen, trug ihr wesentliches zu Adolf Manns Entscheidung bei: 1941 erwarb er Schloss Warth. Kriegsbedingt ließ sich von seinen Plänen zunächst wenig realisieren, aber immerhin weilte die Familie Mann gelegentlich auf dem Schloss. Adolf Mann ritt von dort aus gerne mit dem Pferd aus, weshalb man ihn in Marklkofen bald „den Herren“ nannte.

Aus Feriendomizil wird Produktionsstätte

1949 begann auf dem Schloss zunächst die Textilproduktion für das neu gegründete Textilwerk Mann GmbH, das wie das Filterwerk in Ludwigsburg ansässig war. 1953 hielt dann die Filterproduktion Einzug in das Schloss und in eine dazugehörende Scheune. Weil damals Filterpapiere noch selbst imprägniert wurden, haftete den bald als „MANN-Weibern“ bekannten Arbeiterinnen stets ein unverkennbarer „Duft“ an. Nach einem Umbau im Jahre 1955 fand die Handfertigung von Ölfilterelementen überwiegend im Ostflügel des Schlosses statt. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein richtiges Schloss, in dem auf zwei Stockwerken die Filterproduktion untergebracht war und nebenbei ein landwirtschaftlicher Betrieb mit Stallung und eine Gärtnerei betrieben wurden! Außerdem fanden sich im Gebäude noch Übernachtungsräume für Gäste und Mitarbeiter sowie, in einem weiteren Flügel das Herrenhaus, eine große Küche für alle. Skurril und doch aufregend, finden Sie nicht? Vor allem wenn man bedenkt, dass Schloss Warth die Keimzelle für das bis mittlerweile größte Filterwerk der Welt bildete. Heute beherbergt es übrigens unter anderem eine Werbeagentur, eine Keramikwerkstatt und ein Maleratelier.

Ich bin eigentlich kein Schloss-Enthusiast, war natürlich mal im Schloss Neuschwanstein und habe auch im Urlaub an der Loire das eine oder andere Schloss besichtigt. Doch Schloss Warth ist irgendwie besonders. Dabei sieht es gar nicht aus wie ein typisches Schloss, sondern eher wie ein großes Landgut. Dennoch hat mich mein spontaner Besuch im vergangenen Jahr geprägt. Einerseits von dem Erlebnis, da gewesen zu sein, wo die Filterproduktion in Bayern begann, und andererseits von der Freundlichkeit und der spontanen Bereitwilligkeit der beiden Damen, mir ein paar Geschichten zu erzählen. Deshalb würde ich gern noch mehr über die MANN+HUMMEL Geschichte hinter diesen alten Mauern wissen.

Und was hat das jetzt mit der Idee zu tun, die jemand anderes eigentlich nach mir hatte? Im Mitarbeitermagazin unseres Unternehmens stand jüngst ein Artikel über das Schloss mit dem einen oder anderen neuen Detail für mich. Ich bin mir aber sicher, dass es noch viel mehr zu erzählen gibt. Vielleicht liest jemand diesen Beitrag, der jemanden kennt, der wiederum jemanden kennt, der im Schloss tätig war. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich auf diesem Wege weitere Informationen erhalte, vielleicht das eine oder andere Erlebnis erzählt bekomme oder alte Fotos sehen dürfte. Wer mir hier weiterhelfen möchte, darf dafür gern die Kommentarfunktion des Blogs nutzen. Ich glaube, dass das Schloss es wert ist, dadurch auch für uns aktuelle MANN+HUMMEL Mitarbeiter weiter lebendig zu bleiben.