Dieses Jahr durften meine Kollegen und ich ein informatives und bereicherndes Wochenende in mehreren Dörfern im Sittilingi Valley verbringen. Das von Hügeln umgebene Tal befindet sich in einer abgelegenen Gegend in Südindien und ist ein perfektes Reiseziel für Wanderer und Naturliebhaber. Normalerweise verbringen wir unseren jährlichen Betriebsausflug in einem Hotel oder am Strand; dieses Jahr hatte ich für uns jedoch etwas anderes im Sinn.

Da ich mich schon seit langem für Nachhaltigkeit interessiere, fand ich den einfachen, ursprünglichen Lebensstil der Dorfbewohner faszinierend. Ich wollte mehr über ihre Einstellung zur Natur und ihre Art von biologischem Landbau herausfinden. Nachdem ich meine Idee meinen Kollegen bei MANN+HUMMEL Indien vorgestellt hatte, wurde abgestimmt: Mein Vorschlag konnte sich tatsächlich gegen zwei andere Optionen durchsetzen! Gemeinsam mit meinen zwölf (männlichen)Kollegen, die allesamt dem CFO unterstehen und aus den Bereichen Finanzen, Controlling, IT, Steuerwesen und der Rechtsabteilung kommen, bereitete ich mich auf ein aufregendes Wochenende vor, das uns ausnahmsweise einmal körperlich fordern würde.

Betriebsausflug einmal anders

Das Abenteuer beginnt

Da wir am Freitag sehr spät ankamen, gingen wir erst am nächsten Tag auf Erkundungstour. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zu den in der Nähe gelegenen Reisfeldern – für die meisten für uns ein völlig neuer Eindruck! Wir bekamen den Auftrag, das Unkraut um die Reispflanzen herum zu jäten. Die Reiskörner befinden sich übrigens in den Hülsen der Pflanzen. Auf dem Feld sinkt man beinahe bei jedem Schritt mindestens knietief ein, weil die Pflanzen auf gefluteten Lehmböden angebaut werden. Es war eine sehr matschige Erfahrung, bei der jede Bewegung ein richtiger Kraftakt war!

Unkraut aus Reisfeld jäten

Landwirtschaft hautnah erleben

Nachmittags übten wir uns im Pflügen. Die Dorfbewohner lassen den Pflug noch immer von Ochsen über die Felder ziehen. Als plötzlich zwölf fremde Männer auftauchten, reagierten die Tiere ziemlich alarmiert. Jedoch beruhigten sie sich schnell wieder, sodass jeder von uns sein Glück versuchen konnte. Alle von den Bauern produzierten Erzeugnisse werden an eine Genossenschaft verkauft, die Leuten aus ungefähr 80 Dörfern gehört. Sie verarbeitet und verkauft die Produkte an Endkonsumenten. Da jeder ein Mitglied der Gemeinschaft ist, teilen die Dorfbewohner die erzielten Gewinne gerecht untereinander auf.

Landwirtschaft hautnah erleben

Am Samstag zeigten uns die Dorfbewohner außerdem, wie man natürliche Düngemittel und Insektizide herstellt. Panchagavya wird aus fünf von Kühen produzierten „Zutaten“ gemischt: Urin, Mist, Milch, Joghurt und Ghee (reines Butterfett). Nachdem man das Ganze mindestens 30 Tage hat ziehen lassen, entsteht ein Gebräu, das mit Wasser verdünnt ein hocheffektiver Dünger ist. Außerdem verwenden die Dorfbewohner ein ganz besonderes Pestizid aus Urin und vielen Pflanzen, die für den Menschen giftig sind. Nach einer Ziehzeit von 20 Tagen entsteht ein nachhaltiges Pestizid, das Feldfrüchte für Würmer und Insekten ungenießbar macht, die kleinen Lebewesen aber nicht tötet.

Ein bleibender Eindruck für die Teilnehmer

Gesund bleiben

Auch am Sonntag war volles Programm angesagt. Nachdem wir die Landschaft und ihre Flüsse während einer dreistündigen Wanderung durch die nahe gelegenen Wälder und Hügel erkundet hatten, besuchten wir das Dorfkrankenhaus. Für indische Verhältnisse bietet es herausragende medizinische Versorgung: Den Patienten stehen rund um die Uhr 40 Betten, sieben Ärzte, medizinisches Fachpersonal und außerdem sogar einige Chirurgen zur Verfügung. Es wird von der Wohltätigkeitsorganisation Tribal Health Initiative betrieben, die den Dorfbewohnern Behandlungen zu günstigen Preisen garantiert, während andere Patienten den regulären Tarif bezahlen.

Ein bleibender Eindruck für die Teilnehmer

Wir hatten die Gelegenheit, mit den Ärzten über ihre Erfahrungen in den letzten 25 Jahren zu sprechen. Sie erzählten uns, dass man ihnen anfangs sehr misstrauisch begegnete. Dank des großen Engagements des Krankenhauses und der positiven Auswirkungen der medizinischen Versorgung auf das Leben der Dorfbewohner verschwand diese Skepsis über die Jahre jedoch fast vollständig. Als Wohltätigkeitsorganisation ist das Krankenhaus natürlich auf freiwillige Spenden für seine Unterstützungskasse angewiesen. Die Mitarbeiter von MANN+HUMMEL Indien spendeten 30.000 Rupien (umgerechnet ca. 450 Euro) aus eigener Tasche, um die Ärzte und Chirurgen bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

ein einzigartiger Ausflug

Ein bleibender Eindruck für die Teilnehmer

An nur einem Wochenende haben wir viel gelernt. Alles im Dorf war blitzblank geputzt. Die Dorfgemeinschaft begegnete uns sehr höflich und behandelte uns wie Ehrengäste. Unser Ausflug war eine einzigartige Erfahrung, bei der wir einen Einblick in einen völlig anderen Lebensstil erhalten durften. Dementsprechend positiv fiel auch das Feedback meiner Kollegen aus: „fantastische Horizonterweiterung“, „im Ursprünglichen findet man wieder richtig zu sich selbst“. Für eine Gruppe von Männern, die den Großteil des Tages am Schreibtisch sitzen, war diese Auszeit vom Alltag körperlich durchaus anstrengend. Aber dieser Herausforderung haben wir uns nur zu gerne gestellt!