Im neuen Technologiezentrum von MANN+HUMMEL herrscht eifriges Treiben, denn seit Anfang Juli ziehen immer mehr Mitarbeiter in den Gebäudekomplex an der Schwieberdingerstraße um. Auch ich habe vor einigen Wochen meine Sachen gepackt, denn für mich und mein Team und auch für rund 100 Prüfstände (und natürlich die dazugehörige Versuchsabteilung, mit mehr als 80 Mitarbeitern) ging es von der Ludwigsburger Innenstadt ins neue Prüfzentrum am neuen MANN+HUMMEL Hauptsitz.

Prüfstände, fragen Sie sich? Lassen Sie mich kurz erklären, was es damit auf sich hat und warum MANN+HUMMEL seine Filterelemente überhaupt prüft.

Hohe Anforderungen an Qualität

Für unsere Produkte existieren in der Regel strenge globale Richtlinien, da ist es zum Beispiel die Aufgabe der Center of Competence (CoC) diese weltweiten Richtlinien hinsichtlich der Produktentwicklungen, Prozesse und Standards zu entwickeln, um eine einwandfreie Qualität der Produkte zu garantieren. Hier in Ludwigsburg sind die CoC zum Beispiel für die Flüssigkeitsfilter, Luftfilter, Akustik, Bauteile und Materialentwicklung im Erstausrüstungs- und Ersatzgeschäft zuständig. Diese Richtlinien sind zum einen gesetzlich vorgeschrieben und werden mit dem steigenden Qualitätsanspruch auch immer wieder verschärft, zum anderen kommen auch immer mehr Kunden und äußern explizite Wünsche, welche Prüfnormen ihre Produkte erfüllen müssen.

Das Ziel bei MANN+HUMMEL ist es natürlich, die qualitativ besten Produkte zu liefern, um das Unternehmen vom Wettbewerb abzuheben. Dafür prüfen wir unsere Elemente in zahlreichen Tests und auch unter Realbedingungen! Bei unseren Luftfiltern zum Beispiel, prüfen wir alle Elemente auf Abscheidegrad und Staubspeicherkapazität gemäß der Norm ISO 5011, allerdings entsprechen diese Ergebnisse nicht unbedingt  der Realität. Um die tatsächliche Nutzbarkeit auf unseren Straßen zu testen, haben wir unmittelbar an einer viel befahrenen Straße einen Prüfstand installiert, in dem Außenluft angesaugt wird. Dieser hat gezeigt, dass die Filter im innerstädtischen Verkehr weniger großen Mengen an Staub, sondern eher Ruß ausgesetzt sind. Um von den wechselnden Umwelteinflüssen unabhängig zu sein, haben wir in Anlehnung daran einen eigenen Prüfstand entwickelt, der diese Belastung reproduzierbar unter Laborbedingungen darstellen kann und unsere Luftfilter auf den realen Einfluss von Ruß testet – so können wir sichergehen, dass die Prüflinge auch im Ernstfall allen negativen Einflüssen standhalten.

Was macht eigentlich ein Manager Test Facilities?

An dieser Stelle komme dann auch ich ins Spiel! Als Manager Test Facilities bin ich verantwortlich für die Beschaffung, Wartung und Planung von Prüfständen und seit geraumer Zeit fallen auch der Umzug und die Inbetriebnahme des neuen Prüfzentrums in meinen Aufgabenbereich.

Ich war von Anfang an in die Planung der rund 2.800 Quadratmeter großen Fläche involviert und konnte sichergehen, dass alle Anforderungen an Platz und Infrastruktur gegeben waren. Das neue Gebäude bedeutet neue Möglichkeiten und vor allem eine deutliche Verbesserung zum alten Prüfzentrum.

Robert Kerres bei der Planung

Um die vorhandene Fläche so effektiv wie möglich zu nutzen, haben wir uns schon lange vor dem tatsächlichen Umzug mit der Gestaltung und Einrichtung des neuen Gebäudes befasst. Ich habe beispielsweise damit begonnen die notwendigen Voraussetzungen in den Bauplan einzufügen und Änderungsvorschläge mit den Verantwortlichen zu besprechen. Als der Grundriss feststand, wurde gemeinsam mit den Prüffeldleitern, also den späteren Nutzern, ein Einrichtungsplan entworfen, der bis hin zu unseren Werkbänken jeden Gegenstand des Prüfzentrums enthielt. So konnten wir die Aufteilung der Prüffelder und die Positionierung der Prüfstände optimal gestalten. Letztendlich gehörte zur Umzugsvorbereitung auch ein detaillierter Zeitplan, der definierte, wann welcher Bereich fertig sein soll und wann welcher Prüfstand an den neuen Standort umzieht. Diese Planung forderte jede Menge Zeit und stellte meine täglichen Aufgaben auch erstmal in den Hintergrund, denn nur durch eine detailgenaue, realistische Planung konnten wir die Ausfallzeiten der einzelnen Prüfstände so kurz wie möglich halten.

Nach der Erstellung des theoretischen Konzepts ging es natürlich auch an die Umsetzung. Wir erstellten Checklisten für jeden einzelnen Prüfstand um sicherzugehen, dass dieser gereinigt, von allen Medien (also z.B. Diesel, Kühlflüssigkeit oder Öl) befreit und bereit für den Transport war. Außerdem verfügen einige Prüfstände über Sensoren, die beim Umzug ebenfalls beachtet werden mussten. Die meisten sind dabei unempfindlich gegenüber Erschütterungen, wie sie so ein Umzug mit sich bringt, andere allerdings sind hochsensibel. Um diese Sensoren nicht zu gefährden haben wir sie ausgebaut, gesondert transportiert und am neuen Standort wieder montiert. Definitiv ein zusätzlicher Zeitaufwand, aber wenn man bedenkt, dass einige unserer Prüfstände um die 500.000€ kosten, ist es das auf jeden Fall wert! So haben wir uns Schritt für Schritt durch die Checklisten und unseren Zeitplan gearbeitet und dank unserer Vorbereitung hat auch alles ohne Verzögerung geklappt.

Da steckt mehr dahinter, als man denkt

Einige von Ihnen kennen vielleicht unseren ehemaligen Standort in der Ludwigsburger Innenstadt, gegenüber vom Landratsamt. Es ist ganz interessant zu wissen, wo wir zuletzt untergebracht waren, da es die Schwierigkeit des Umzugs sicherlich noch verdeutlicht. Unsere verschiedenen Prüffelder verlangten nämlich unterschiedliche Aufmerksamkeit. So hatten wir zum Beispiel im Bereich der Öl-Prüfstände einige Schwierigkeiten mit dem Transport, denn haben Sie mal versucht einen 3,5 Tonnen Prüfstand aus dem dritten Stock zu schleppen? – Wir auch nicht! Also habe ich stattdessen eine kompetente Firma beauftragt, die entsprechend der Größe und des Gewichts der Gegenstände einen Kran, Gabelstapler und LKWs zur Verfügung stellt und die uns halfen, die Prüfstände aus den schwierigsten Lagen sicher zu verladen.

Insgesamt sechs unserer Prüfstände wurden mit dem Kran aus dem 1. Obergeschoss im Werk 1 herausgeholt, da sie aufgrund ihrer Größe und der Räumlichkeiten nicht anders transportiert werden konnten. Für diese Aufgabe haben wir uns vorab mit der Stadt Ludwigsburg abgesprochen und an einem Freitag den Parkplatz des Landratsamtes gemietet, um unseren Kran optimal zu positionieren. Wir waren uns dieser Schwierigkeiten durchaus bewusst und auch, dass drei dieser Prüfstände im neuen Prüfzentrum nicht in den Aufzug passten war uns klar. Dennoch war es sinnvoller, einen Kran zu mieten, als die Grundstruktur des Gebäudes aufgrund von drei Prüfständen zu verändern.

Transport eines Prüfstandes

Außerdem schauen wir immer, dass die großen Prüfstände aus Einzelmodulen bestehen, die auseinander gebaut werden können, wenn die Gesamtkonstellation einfach zu groß ist – irgendwo haben schließlich auch LKWs ihre Grenzen! Also haben wir die Herausforderung angenommen, haben uns auf die verschiedenen Anforderungen unserer Prüfstände eingestellt und sind so Stück für Stück ins neue Prüfzentrum eingezogen. Insgesamt waren wir mit dem Auszug aus der Ludwigsburger Innenstadt 3 Monate beschäftigt, da kommt halt schon einiges zusammen!

Das alte Gebäude muss nun nur noch aufgeräumt werden und gehört dann endgültig der Vergangenheit an. In Zukunft arbeiten wir in einem optimal realisierten Gebäude und schon bald werde ich Ihnen in einem zweiten Beitrag   etwas mehr vom Wiederaufbau der Prüfstände und dem Einzug am MANN+HUMMEL Hauptsitz erzählen.