Der Einkauf hat sich seit den 1990er Jahren entscheidend weiterentwickelt: weg von der reinen Beschaffungsfunktion hin zu Wertschöpfung und Kostenoptimierung. Die Herausforderungen heißen heute weltweit gleiche Standards und globales Alignment der Mitarbeiter. Sie merken schon, auch die Wortwahl hat sich verändert: Englische Fachbegriffe dominieren zunehmend unsere Arbeitswelt.

Primäre Aufgabe des Konzerneinkaufs besteht heute darin, einen Beitrag zur Wertschöpfung von MANN+HUMMEL zu leisten. Das tun wir, in dem wir global Beschaffungskosten optimieren, weltweit die gleiche Qualität einkaufen, standortübergreifende, standardisierte Systeme und Tools bereitstellen und die 250 Einkaufsmitarbeiter, die auf 28 Standorte verteilt sind, auf die gleichen Strategien, Prozesse und Methoden einschwören.

Ein paar Zahlen machen die heutige Dimension unseres Aufgabenbereichs deutlich: Das jährliche Einkaufsvolumen von MANN+HUMMEL beträgt fast zwei Milliarden Euro. Etwa die Hälfte  des Umsatzes wird für die Beschaffung von Produktionsmaterial aufgewendet. Wir bedienen 60 Standorte und bestellen Waren und Dienstleistungen bei etwa  15.000 Lieferanten. Dabei wird etwa 40 Prozent des Einkaufsvolumens von außerhalb Europas beschafft.

Globale Materialgruppen

Einer der Schwerpunkte des Konzerneinkaufs ist das globale Materialgruppenmanagement, das auf global verantwortliche MG-Leiter verteilt ist. Die globalen Materialgruppenmanager (MGM) haben vielfach einen Verantwortungsbereich von über 100 Millionen Euro und besitzen grundsätzlich Handlungsvollmacht für alle Standorte. Die Mitarbeiter in den International Purchasing Offices (IPO) haben die Aufgabe, qualitativ hochwertiges Material zu günstigen Bedingungen und geringen Kostenzu beschaffen. Wichtige Beschaffungsmärkte sind insbesondere Indien, China, Osteuropa und Mexiko.

Die Materialien und Komponenten, die MANN+HUMMEL bezieht, haben sich zwar größtenteils technisch und qualitativ weiter entwickelt; sie sind aber im Kern immer noch den gleichen Kategorien (Warengruppen) zugeordnet, die mein Vorvorgänger Günter Göckeritz damals eingeführt hat.

Ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor für MANN+HUMMEL ist das Erzielen von Synergien und Bündelungseffekten weltweit über die Standorte hinweg. Je stärker wir Materialien standardisieren, desto besser können wir bündeln und umso eher können wir überall die gleiche Qualität herstellen. Das macht der Einkauf natürlich nicht isoliert, sondern in enger Abstimmung mit Entwicklung und Produktion. MANN+HUMMEL steht vor der Herausforderung, die Lieferantenzahl zu optimieren  – auch im Hinblick auf neue Lieferanten oder Bedarfe, die z.B auch durch  Akquisitionen neu hinzukommen. In der Vergangenheit wurde insgesamt mehr lokal eingekauft. Heute ist die Welt der „Supermarkt“.

Konzerneinkauf MANN+HUMMEL

Projekteinkauf und Strategisches Lieferantenmanagement

Eine ebenso wichtige globale Koordination obliegt dem Projekteinkauf. Hier geht es um Entwicklungsprojekte für die Filter, Systeme und Module der Zukunft oder für neue Kunden. Dabei legen wir entwicklungsbegleitend für neue Produkte und Kundenprojekte fest, welche Materialien und Komponenten zum Einsatz kommen. Wie unsere Kunden fordern auch wir verstärkt von unseren Lieferanten, dass sie die gleichen Teile in der gleichen Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen global zur Verfügung stellen.

Voraussetzung hierfür ist ein strategisches Lieferantenmanagement. Nur bei freigegebenen Lieferanten darf beschafft werden. Wir bewerten unsere Lieferanten kontinuierlich und qualifizieren sie in „approved“, „preferred“, „development“ oder „phase-out“. Unser Lieferantenportal (= eCONN) kommt insbesondere für die Lieferantenregistrierung und für die Anforderung von Preisangeboten zum Einsatz.

Die Anzahl unserer Lieferanten wollen wir in Summe weiter reduzieren, brauchen aber immer auch verfügbare Alternativen, um aus einer starken Verhandlungsposition agieren zu können. Auch die Lieferantenqualität und -entwicklung ist an dieser Bewertung beteiligt. Wesentlich hierfür ist unser sogenanntes Vendor Rating System, das die Qualitäts- und Logistikleistung unserer Lieferanten darstellt und auch an diese übermittelt.

Konzerneinkauf MANN+HUMMEL

Alignment im Einkaufsteam

Die Kommunikation innerhalb des weltweiten Einkaufsteams erfolgt über standortübergreifende Workflows zur Freigabe von Beschaffungsentscheidungen sowie über Technologien wie Skype. Zudem nutzen wir Internetkonferenzen für die Abstimmung in den unterschiedlichen Gremien. Einmal im Jahr findet ein Globaler Purchasing Summit statt, um den Mitarbeitern Strategie, Ziele, Methoden und Tools zu vermitteln. Natürlich geht es dabei auch um Networking und Motivation.. Dabei hilft auch die „Purchasing Academy“ mit Trainings und Tutorials, die sowohl web-basierend sind wie auch in herkömmlicher Seminarform für bspw. Verhandlungs- oder Projektmanagement Training.

Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Standardisierung sind in unserer weltweiten Einkaufsorganisation nicht einfach schöne Worte. Sie sind kritische Erfolgsfaktoren für unser Team und haben damit erheblichen Einfluss auf den Unternehmenserfolg von MANN+HUMMEL.