Bohren, Drehen, Fräsen, Gewinde schneiden – in der Grundausbildung lernen unsere Verfahrensmechaniker, wie man Metall bearbeitet. Dafür ist unsere Lehrwerkstatt in Sonneberg gut ausgerüstet. Ab September wuseln durch die frisch renovierte Lehrwerkstatt neue Verfahrensmechaniker, Werkzeugmechaniker, Industriemechaniker und auch wieder ein Produktionstechnologe (den hatten wir bisher erst einmal). Alle Metallberufe sind während ihrer Ausbildung außerdem immer wieder im Sonneberger Ausbildungszentrum zur Metallausbildung, das gleich hier um die Ecke ist.

Ich erstelle jährlich den Durchlaufplan für unsere Auszubildenden. Neben den verschiedenen Abteilungen wie Musterbau, Fertigung oder Einrichter sind die Auszubildenden auch immer wieder bei mir in der Lehrwerkstatt. Dort erledigen sie dann abseits des in der Produktion üblichen Zeitdrucks kleinere Fertigungsaufträge und lernen so den Fertigungsablauf kennen – von der Wareneingangsprüfung über die Produktion bis zum Versand. Im dritten Lehrjahr bauen wir unsere Azubis dann auch in die Produktionsketten ein, da wird dann mehr gefordert. Je nach Ausbildung sind die Azubis natürlich in bestimmten Fachabteilungen – aber ich schicke auch mal den Werkzeugmacher zum Einrichter (Einrichter installieren die Werkzeuge auf die Maschinen). Denn das Verstehen von betrieblichen Zusammenhängen wird immer wichtiger – nicht nur im betrieblichen Alltag, sondern auch in den Prüfungen!

Man muss sich gegenseitig unterstützen und helfen. Unser Kennenlerntag ist mir deshalb sehr wichtig, das stärkt den Zusammenhalt und ist motivierend für die Azubis. Am Königssee müssen die Gruppen ein Floß bauen und mich am anderen Ufer abholen. Für mich ist es in diesen ersten Tag sehr interessant zu sehen: Wer übernimmt welche Aufgaben, wer hat welche Stärken und Schwächen? Da sieht man ganz schnell, wen man fördern und wen bremsen muss.

Im Alltag bin ich meistens unten in der Lehrwerkstatt und leite die Azubis dort an. Gerade der Verfahrensmechaniker ist ein sehr vielfältiger Beruf und wird immer wieder unterschätzt. Die Bewerber können sich darunter wenig vorstellen und wollen lieber einen Modeberuf wie den Mechatroniker lernen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Der Mechatroniker ist ein anspruchsvoller Beruf, weil er sowohl mechanische als auch elektronische Themen abdeckt. Aber der Verfahrensmechaniker für Kunststoff und Kautschuk steht dem Mechatroniker in Nichts nach: Vom Einrichter über die Bereiche Qualität, Musterbau, Versand oder Schichtkoordinator ist alles möglich. Das Wichtige beim Durchlaufen der verschiedenen Abteilungen ist zu erkennen: Wo sind meine Stärken? Der Verfahrensmechaniker ist übrigens kein Männerberuf, wir haben hier in Sonneberg viele Frauen, auch in der Fertigung.

Ich selbst bin oft auf Lehrgängen und Fortbildungen unterwegs, um immer auf den neusten Stand zu bleiben. Ich bin gelernter Werkzeugmechaniker, war dann in der Fertigung angestellt, habe anschließend als Einrichter und Musterspritzer gearbeitet. Weil ich schon immer gerne mit Jugendlichen arbeite und seit über 20 Jahren Übungsleiter beim Fußball bin, wurde ich dann bei MANN+HUMMEL Ausbildungsbeauftragter, also Ansprechpartner für die Azubis in meiner Abteilung. Während meiner Meisterausbildung zum Industriemeister habe ich nochmal viel Wissen angeeignet und bin jetzt Ausbildungsmeister. Wir haben hier in Sonneberg eine sehr gute Quote: In den vergangenen zehn Jahren haben wir sieben Mal als Auszeichnung der IHK den „Bildungsfuchs“ für den besten Auszubildenden im jeweiligen Beruf in Südthüringen erhalten. An einen Azubi, der die Prüfungen nicht bestanden hat, erinnere ich mich nicht – und ich bin zuversichtlich, dass das auch in den nächsten Jahren noch so bleiben wird.

Möchten Sie wissen, wie der Arbeitsalltag meines Kollegen Armin Holzinger, Ausbildungsmeister in Ludwigsburg, aussieht? Seinen Blogbeitrag finden Sie hier.