Auch nach meinen ersten Wochen in Shanghai hat mich die Begeisterung für die Metropole sowie das Land China noch immer nicht losgelassen. Ständig entdecke ich beim Schlendern durch die Straßen und Gassen Shanghais Dinge, die ich so noch nie gesehen habe und die es in Deutschland so auch nicht gäbe: verwinkelte Handelsmärkte, kleine Straßenimbisse mit außergewöhnlichen, mir teils unbekannten Sorten von Fisch und Fleisch, oder auch spontane Straßenfeste mit zahlreichen Zuschauern.

Straßenfest in China

Was mich weiterhin an meinem Aufenthalt in China beeindruckt ist das Interesse und die Freundlichkeit, die einen Ausländer hier erwarten. Egal ob ich in „Downtown“ Shanghai oder im eher beschaulichen Jiading unterwegs bin – Jeder der die englische Sprache beherrscht will sich mit mir unterhalten und ins Gespräch kommen. Auch die „Interns“ bei MANN+HUMMEL sind froh, die in der Schule gelernten Englischkenntnisse endlich auch praktisch anwenden zu können.

China: Für Europäer ungewöhnlich

Bei all der Begeisterung die ich für das Land China, die Stadt Shanghai und die Menschen hier entwickelt habe, sind manche Situationen für mich als Europäer jedoch auch durchaus gewöhnungsbedürftig. Die Sichtweite an windstillen Tagen sinkt schnell unter 100m und man spürt förmlich, wie die Stadt unter Abgasen von Verkehr und Industrie zu ersticken droht.

Smog in China

Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen gehören zum normalen Stadtbild. Ausländische Webdienste wie Facebook und YouTube sind nicht zugänglich. Für jemand der mit freier Internetnutzung aufgewachsen ist, ist das sehr befremdlich.

Überwiegend kritische Betrachtung Chinas

Was ich dennoch nicht nachvollziehen kann, ist dass, in der deutschen Öffentlichkeit ein überwiegend kritisches Bild von China gezeichnet wird. Sei es während der Olympischen Spiele 2008, in Analysen großer deutscher Zeitungen über das auf Pump finanzierte Wachstum oder der steigenden Anzahl von übergewichtigen Chinesen. So wirkt es auf mich, als stünde man mit erhobenem Zeigefinger vor einem Land, in dem egal wo man in Shanghai hinschaut, modern, durchdacht und vor allem konsequent gebaut wird. In Zeiten von scheiternden Bauvorhaben von Flughäfen und Bahnhöfen, scheint es mir mittlerweile überheblich zu behaupten Chinesen würden „die deutsche Ingenieurskunst kopieren“.

Essen hat in China eine andere Relevanz in der Kultur als es in unserer je hatte. Dass sich der wachsende Wohlstand dann folglich auf das Essverhalten auswirkt ist nur logisch und war in Deutschland vor einigen Jahrzehnten auch nicht anders. Nach meiner Kenntnis liegt hier die steigende Quote an Übergewichtigen in Shanghai mit 30% noch weit unter der westlicher Staaten. In China eröffnet statistisch gesehen jeden Tag eine neue Fast Food Filiale. Gleichzeitig kommt mir die Dichte an Fitnessstudios in Shanghai jedoch höher vor als in Deutschland.

Abgelegene Weltstadt

Obwohl China und die westlichen Länder wirtschaftlich mittlerweile eng verbunden sind, gibt es im Vergleich dazu immer noch sehr wenig Kontakt und Austausch zwischen den Kontinenten. Für manche/viele Chinesen bin ich der erste Ausländer, mit dem sie ein längeres Gespräch führen. Für uns Europäer gehört ein regelmäßiger Kulturaustausch aufgrund der geographischen Nähe zu den Nachbarländern zur Normalität. Deshalb ist es überraschend, wie wenig Kontakt selbst Bürger der Weltstadt Shanghai mit fremden Kulturen haben.

Es gibt nicht das „eine China“

Das zeigt sich auch bei einer Fahrt ins „Hinterland“ in die Jiangsu Provinz. Nur wenige Kilometer von unserem Werk entfernt, gibt es plötzlich keine Übersetzungen mehr auf Straßenschildern und Geschäften, wie es beispielsweise im westlich geprägten Stadtbild von Shanghai der Fall ist. Man merkt an solchen Details, dass es nicht das „eine China“ gibt, sondern sich Landschaftsbild und Lebenssituation der Menschen innerhalb von nur wenigen Kilometern Distanz radikal ändern können.

In meinem nächsten Blogartikel werde ich einen kleinen Einblick in meine Arbeit bei MANN+HUMMEL in Shanghai geben.