Im Mai 2016 hat die deutsche Bundesregierung ein Förderprogramm für E-Mobilität beschlossen. Wer sich für den Kauf eines Elektrofahrzeugs entscheidet, erhält einen „Umweltbonus“ von 3000 bzw. 4000 Euro. Über die Chancen, die sich für MANN+HUMMEL ergeben, darüber sprechen wir mit Dr. Michael Harenbrock, Business Development Manager E-Mobility bei MANN+HUMMEL in Ludwigsburg.

Herr Dr. Harenbrock, seit Mai 2016 gibt es in Deutschland ein Förderprogramm für E-Mobilität. Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung mit dem Programm?

Dr. Harenbrock: Die Förderung soll den Preisunterschied zwischen Elektrofahrzeugen und herkömmlichen PKW soweit reduzieren, dass die Nachfrage nach E-Fahrzeugen steigt. Über die höhere Produktionsstückzahl sinken dann die Herstellkosten, so dass in ein paar Jahren keine Förderung mehr erforderlich ist. Daneben wird auch der Aufbau einer Ladeinfrastruktur gefördert, um der „Reichweitenangst“ zu begegnen, d.h. um sicherzustellen, dass man auch längere Strecken zurücklegen kann, ohne liegen zu bleiben.

Gibt es in anderen Ländern ähnliche Initiativen?

Dr. Harenbrock: Im Ausland gibt es solche Förderprogramme bereits. In Norwegen beispielsweise lag der Anteil der E-Fahrzeuge bei den Neuzulassungen 2014 bereits bei zwölf Prozent. Auch China fördert die Elektromobilität massiv, vor allem zur Verbesserung der Luftqualität. In 2020 sollen dort zwei Millionen Elektrofahrzeuge produziert werden.

Elektromobilität MANN+HUMMEL

Gibt es in der EU / weltweit weitere Vorgaben, um die Elektromobilität zu fördern?

Dr. Harenbrock: Die gibt es. Ab 2021 dürfen in der EU Pkws nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstoßen. Ansonsten drohen dem OEM hohe Strafzahlungen. In andern Ländern gibt es ähnliche Entwicklungen. Größere, schwere Fahrzeuge, z.B. SUVs, werden diese Ziele ohne eine Elektrifizierung des Antriebsstrangs nicht erreichen können, wobei für eine gute CO2-Gesamtbilanz der Strom aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden muss.

MANN+HUMMEL gilt als der führende Partner der Automobilindustrie im Bereich Filtration. Leadership in Filtration und Elektromobilität – wie passt das zusammen?

Dr. Harenbrock: Aus meiner Sicht sehr gut, denn MANN+HUMMEL-Produkte schützen nicht nur den Verbrennungsmotor, sondern auch den elektrifizierten Antriebsstrang eines E-Fahrzeugs vor Partikeln und schädlichen Umwelteinflüssen. Hiermit tragen wir dazu bei, dass die Batteriesysteme die erforderliche Lebensdauer erreichen.

Luftmittelkartusche

Wie geht MANN+HUMMEL dabei vor?

Dr. Harenbrock: Unser Ansatz ist: Wir nutzen unsere bestehenden Kompetenzen – Filtrieren und Separieren, die Kunststofftechnologie und die Funktionsintegration – um die Hochvolt-Batterie vor Hitze, Kälte, Schmutz und Feuchtigkeit zu schützen. Anders gesagt, wir schaffen ein „Wohlfühlklima“ für die Batterie und erhalten so ihre Leistungsfähigkeit und Lebensdauer.

Wie kann man sich das vorstellen?

Dr. Harenbrock: Luftgekühlte Batteriesysteme benötigen saubere Luft. Dafür sorgen unsere Luftfilterelemente. Hierfür nutzen wir Materialien aus der Kabinenluft-Filtration.

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Welche anderen Technologien lassen sich auf Elektromobilität übertragen?

Dr. Harenbrock: Nehmen wir beispielsweise unsere Trockenmittelboxen für pneumatische Bremssysteme. Sie entfernen Feuchtigkeit aus der Luft, um die Funktion des Bremssystems sicherzustellen. Eine hohe Luftfeuchtigkeit ist aber auch für Batteriesysteme ein Sicherheitsrisiko, nämlich dann, wenn die Feuchtigkeit kondensiert und sich in der Batterie absetzt. Hierfür haben wir Trockenmittel-Kartuschen entwickelt, die die Luft in Batteriesystemen trocken halten und Kondensation verhindern.

Gibt es weitere Beispiele?

Dr. Harenbrock: Gerne. Um das Batteriegehäuse vor mechanischer Beschädigung zu schützen, ermöglichen wir einen Druckausgleich und eine Notentgasung. Hierfür setzen wir eine gasdurchlässige Membran ein, die Partikel und Flüssigkeiten zuverlässig zurückhält, bei Überdruck im System aber reißt und so im Schadensfall die negativen Auswirkungen für Fahrzeug und Passagiere reduziert. Unsere Batterierahmen geben Batteriezellen Stabilität und verteilen die Kühlflüssigkeit gleichmäßig an die Kühlplatten. Um diese Bauteile präzise fertigen zu können, haben wir unsere Kunststoffkompetenz erweitert. Alle Produkte sind bei namhaften europäischen und nordamerikanischen OEMs in Serie.

Degassing Elektromobilität

Woran arbeiten Sie noch?

Dr. Harenbrock: Derzeit sehen wir einen starken Trend zu flüssigkeitsgekühlten Hochvoltbatteriesystemen. Auch hier sehen wir die Möglichkeit, bestehende Produkte aus dem Thermomanagement zu adaptieren und im Bereich Elektromobilität einzusetzen. Ferner gibt es noch viel Potenzial, unsere Kunststofftechnologien für Batteriesysteme einzusetzen.

Ihr Fazit?

Dr. Harenbrock: Elektromobilität ist für MANN+HUMMEL eine Chance, sein Produktportfolio sinnvoll zu erweitern. Dabei gibt es viele Anwendungen und Kompetenzen, die sich auf elektrifizierte Antriebe übertragen lassen.

Letzte Frage: Wie schätzen Sie die Perspektive für Brennstoffzellenfahrzeuge ein? Toyota hat ja mit dem „Mirai“ das erste Serienfahrzeug auf den Markt gebracht.

Dr. Harenbrock: Das ist eine sehr spannende Frage, der wir im nächsten Blog-Artikel nachgehen werden. Bleiben Sie dran!

 

Die Elektromobilität ist bereits seit einiger Zeit ein dauerhaftes Thema des öffentlichen Austauschs. Die Teilnehmer der Blogparade auf Ingenieur Versteher greifen nun die vielfältigen Facetten dieser Entwicklung auf und bieten interessante Meinungen und Informationen rund um das Topthema!