Es geschah 1973 in Lappland bei einer der frühen Wintererprobungen von VW: Die Kombination aus Schnee, Kälte und einem freiliegenden Zahnriemen bereitete uns erhebliche Schwierigkeiten und ließ sogar den Motor ausfallen. Doch in dieser Pionierzeit schien kein Problem unlösbar. Stattdessen bewog es mich zur Entwicklung der Zahnriemenabdeckung, die vor 40 Jahren mit dem ersten Golf in Serie ging.

Nach langem Flug landete ich spät nachts in Gällivare, Lappland. Ein wirklich seltsamer Anblick: Die Autos hingen am Tropf! Aufgrund der eisigen Temperaturen mussten entweder der Wasserkreislauf oder das Motoröl gewärmt werden, sonst würden die Motoren nicht mehr anspringen. Beim Tanken mussten wir wegen der Vereisungsgefahr noch jeweils einen halben Liter Isopropyl-Alkohol hinzugeben.

Autos im Schnee am Tropf

Arbeiten bei Schnee und Kälte

Wir waren eine kleine Truppe von sechs Personen und hatten fünf Autos zur Verfügung. Aus Geheimhaltungsgründen waren die Motoren des ersten Golfs in der Karosserie eines anderen Fahrzeugs verbaut – es sollte auf keinen Fall etwas nach außen dringen. Leider war unsere Werkstatt zu klein, deshalb mussten wir die Autos draußen auf dem Hof mit unseren Messgeräten ausstatten. Meine Kollegen taten mir wirklich leid, als sie unter dem Auto im kalten Schnee liegend die Teile verschraubten. Aber da mussten wir durch, damit die ersten Testfahrten starten konnten.

Die Gefahren stecken im Detail

Ein paar Tage später, mitten in den Tests, passierte es: Ein Motor fiel plötzlich aus! Also schnell zurück zur Werkstatt. Anfangs war das Problem nicht ersichtlich – der Motorraum war voller Schnee. Doch schließlich fanden wir die Ursache: Der Zahnriemen war übergesprungen. Der eindringende Schnee hatte sich unter ihn geschoben, verdichtete sich blitzschnell und schob den Riemen ein bis zwei Zähne weiter. Sofort war klar, dass der Zahnriemen und das Räderwerk zum Schutz vor der Witterung eine Abdeckung erhalten mussten.

Motorraum voller Schnee

Aus einem Problem eine Innovation machen

Ich entwarf die ersten Blechmuster der Zahnriemenabdeckung, später in Serie gab es sie in einer Kunststoffausführung. Doch wie sollten wir die Funktionsfähigkeit prüfen? Welche Sicherheit hatten wir, dass sich das Ergebnis der Versuche auch in der Praxis bewährt? Die Lösung: Wir fuhren die Fahrzeuge einfach in den halbhohen Schnee auf dem kleinen Flugplatz in Gällivare. Erneut gelangte er in den Motorraum, doch dank meiner Abdeckung war der Zahnriemen gut geschützt und alles funktionierte. In den Schnee hinein zu fahren war einfach, doch heraus kamen die festgefahrenen Autos nur, indem wir sie mit einem zweiten Fahrzeug mittels Seil zogen. Wie ich schon sagte, Pionierzeit.

Testauto im Schnee

Genau 40 Jahre ist es nun her, dass der erste Golf auf den Markt kam. Ich denke stolz an die Zeit zurück und an die Tatsache, dass MANN+HUMMEL mit der  entwickelten Zahnriemenabdeckung zum Erfolg dieser Baureihe beitragen konnte.