Meine persönliche Geschichte mit Microdyn-Nadir begann bereits vor fast 15 Jahren, lange bevor das Unternehmen ein Teil der MANN+HUMMEL Gruppe wurde. MANN+HUMMEL hat den technologisch führenden Membran- und Modulhersteller für die Mikro-, Ultra- und Nanofiltration sowie die Umkehrosmose erst Anfang 2015 übernommen. 2006 war das Unternehmen mit Sitz in Wiesbaden noch eine kleine, aber feine Manufaktur, die viel in Handlinien produzierte. Die kontinuierliche Expansion machte es allerdings notwendig, mehr in automatisierten Fertigungsprozessen zu denken und entsprechend zu investieren. Über einen Kollegen an der Hochschule bekam ich Kontakt zum Unternehmen und unterstützte es in den folgenden Wochen als externer Berater. Meine erste Aufgabe war damals, ein Lastenheft zu erstellen. Es sollte alle Parameter umfassen, die für die Einrichtung der automatisierten Produktionslinien notwendig waren. Es folgten verschiedene weitere Aufgaben, der Kontakt brach nie ab und so durfte ich die positiven Entwicklungen von Microdyn-Nadir hautnah miterleben.

Elektrotechnik

Nun sind Professoren an Hochschulen natürlich in erster Linie Professoren an Hochschulen. Wir unterrichten unsere Studierenden und vermitteln ihnen das notwendige Wissen für ihren späteren beruflichen Weg. Das bedeutet bei uns an der Technischen Hochschule Bingen allerdings auch, einen besonderen Schwerpunkt auf die Praxis zu legen. Theoretisches Wissen ist eine wichtige Basis, die praktische Umsetzung allerdings eine unabdingbare Ergänzung. Deshalb müssen unsere Studierenden Praxisprojekte absolvieren, die oft in Unternehmen der Region stattfinden. Auch für Bachelor- und Masterarbeiten arbeiten wir gern mit Unternehmen zusammen, die den Studierenden Aufgaben und Unterstützung bieten.

Laptop mit Messergebnissen

Über die Masterarbeit zum Job

Ein perfektes Beispiel hierfür hat ebenfalls mit Microdyn-Nadir zu tun und beginnt im Jahr 2014, als wir über die Situation am Standort Singapur sprachen, der 2011 übernommen wurde. Offensichtlich war vor Ort nicht alles so, wie man es sich in Wiesbaden vorstellte. Wir sprachen damals darüber, ob es nicht sinnvoll wäre, dass ich für einige Tage nach Singapur gehe, um mir vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Ich hielt den Zeitraum für zu kurz, hatte aber eine Idee: Zum dem Zeitpunkt studierte bei mir ein vielversprechendes Talent, das noch ein Thema für seine Masterarbeit suchte. Ich schlug daher vor, dass er diese bei Microdyn-Nadir schreiben könnte, in dem er die Produktionsprozesse am neuen Standort unter die Lupe nahm.

Und so geschah es: Alexander Ubl verbrachte sechs Monate bei Microdyn-Nadir, davon vier in Singapur, und hat dort seine Masterarbeit verfasst. Dabei hat er nicht nur den Status Quo untersucht, sondern zudem Produktionsprozesse optimiert und ein umfangreiches Kompendium mit konkreten Handlungsempfehlungen erarbeitet. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass er bei Microdyn-Nadir geblieben ist. Aktuell ist er mit seiner Kompetenz ein Teil des Incube-Programmes im Silicon Valley.

Unternehmen und Studierende

Zeiten ändern sich

Damals war für solche Kooperationen noch ein wenig Überzeugungsarbeit notwendig. Heute haben Studierende aus den Fachrichtungen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen auch so hervorragende Job-Aussichten. Grund dafür ist der viel zitierte Fachkräftemangel. Für die Unternehmen bedeutet das, dass sie sich frühzeitig um den Nachwuchs bemühen müssen, um hier nicht ins Hintertreffen zu geraten. Aus diesem Grund gehen die Unternehmen mehr und mehr auf Hochschulen und Universitäten zu, um direkteren Zugriff auf vielversprechende Kandidaten zu erlangen. Auch an den Hochschulen selbst wurden immer mehr Möglichkeiten geschaffen, um Unternehmen und Studierende zusammenzubringen. Das ist natürlich auch bei uns in Bingen so, wenngleich wir unsere Prioritäten vielleicht ein wenig anders legen.

Oft kommen Vertreter aus den Personalabteilungen an die Hochschulen, um mit den Studierenden zu sprechen. Wir möchten lieber echte Praktiker bei uns sehen. Für meinen Arbeitsbereich kann ich hier beispielhaft unser Industrie-Seminar anführen, das wir bereits im Sommersemester 1996 gestartet haben. Das Leitmotiv lautet damals wie heute „Einbindung der Industrie in die Lehre“. Entsprechend ergänzt das Seminar unser Lehrangebot der Studiengänge Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen mit praxisnahen Beiträgen aus der Industrie. Die Seminarthemen behandeln industrielle Entwicklungen, Verfahren und Produkte, aber auch Tätigkeitsmerkmale und betriebliche Abläufe aus den verschiedenen Berufsfeldern des Maschinenbaus und des Wirtschaftsingenieurwesens. Dabei bewegen wir uns quer durch alle Bereiche von der Konstruktion über Produktion, von Vertrieb über Marketing bis hin zu KVP, Controlling, Einsatz einer IT-Umgebung (CAD, FEM, ERP) und Projektmanagement. Die Studierenden haben so eine sehr gute Möglichkeit, Personen aus dem Berufsleben mit ihren persönlichen Profilen und ihren unterschiedlichen Präsentationsstilen zu beobachten. Das Seminar ist damit ein Forum des fachlichen Austausches geworden, das den Studierenden wertvolle berufliche Orientierungshilfen gibt – und den Unternehmen die Möglichkeit, sich fundiert und praxisnah zu präsentieren.

Studierende an einer Maschine

Natürlich waren auch bereits Vertreter von Microdyn-Nadir zu Gast. Jüngst hat Gabriel Cil gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Knippelmeyer eine Präsentation zum Thema „Investitionscontrolling am Beispiel des MANN+HUMMEL Konzerns“ gehalten. Und nicht nur das: Sie haben zudem Zahlen und Fakten dabeigehabt, anhand derer die anwesenden Studierenden gleich praktisch errechnen konnten, ob sich eine Investition lohnt oder nicht. Das kam natürlich gut an. Und ich bin mir sicher, dass sich daraus auch Kontakte ergeben haben – für unsere Studierenden, um einen wirklich interessanten Job zu finden und für Microdyn-Nadir, um echte Talente zu treffen.