Im Rahmen des MANN+HUMMEL Jugendbegleiterprogrammes fand auch dieses Mal wieder das Prozessoptimierungsplanspiel (kurz: POP) statt. Zur Erinnerung, das Jugendbegleiterprogramm ist ein Projekt, das für ein halbes Schuljahr einmal wöchentlich erfolgt und von ehemaligen MANN+HUMMEL Mitarbeitern betreut wird. Es werden verschiedene Vorträge und Workshops angeboten, wie beispielsweise auch das Planspiel.

Ziel des POP ist es unter anderem, ein Verständnis für Unternehmensprozesse zu wecken, aber auch eigenständiges und flexibles Arbeiten zu fördern und sich hinsichtlich Eigeninitiative, Engagement, und Hilfsbereitschaft weiterzuentwickeln. Dabei sollen die Schüler laut Günther Lohfink, einem der Mitgründer des Jugendbegleiterprogrammes, vor allem einen wichtigen Grundgedanken mitnehmen:

„Die Schüler sollen den Grundgedanken vom KVP, also vom kontinuierlichen Verbesserungsprozess mitnehmen. (…) Und sie erfahren dabei natürlich, wie man im Team arbeitet, wie man Absprachen trifft, dass man wenn man Erfolg messen will Kennzahlen braucht und das eben erlebnisorientiert.“

Ein etwas chaotischer Einstieg

Zu Beginn des Planspiels sammelten die Schüler Ideen, was den Erfolg eines Unternehmens ausmacht, die sie während dem gesamten Ablauf im Hinterkopf behalten sollten. Und dann wurde ihnen endlich das Produkt vorgestellt, das sie während dem Planspiel herstellen sollten: Ein Atemschutzfilter.

Prozessoptimierungsplanspiel

Daraufhin wurden sie in verschiedene Gruppen eingeteilt, um alle erforderlichen Abteilungen abzudecken. Es gab eine Disposition, eine Abteilung für die Qualitätskontrolle, vier Fertigungsabteilungen und ein Lager.

Erst einmal ging es ziemlich chaotisch daher, da den Schülern nicht ganz klar war, was sie eigentlich machen sollten. Nach einigem Nachhaken bei den Jugendbegleitern versuchten sie aber sich ans Werk zu machen. Trotzdem kam es zur Fehlkommunikation zwischen den einzelnen Abteilungen, falsch ausgestellten Lagerscheinen, Fehlern bei der Produktion und das Ganze artete teilweise sogar in Streit innerhalb der Gruppen bzw. Abteilungen aus. Ganz schön frustrierend für die anfangs noch so ambitionierten Schüler.

Was sie allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Der chaotische Ablauf war von Günther Lohfink und den anderen Jugendbegleitern genauso voraus geplant. Denn am besten lernt man, seiner Meinung nach, aus seinen Fehlern. Beim zweiten Teil des POP, in der Folgewoche, sollten die Schüler zeigen, was sie aus dem letzten Workshop mitgenommen hatten und sich überlegen, wie sie die gemachten Fehler vermeiden können. Immerhin muss es ja auch Verbesserungsbedarf geben, um Prozesse optimieren zu können.

Prozessoptimierungplanspiel   Qualitätssicherung   Prozessoptimierungsplanspiel

Das Planspiel geht in die zweite Runde

Das Ziel des zweiten POP war es also die Fehler vom letzten Mal zu vermeiden und die Prozesse eigenständig so zu optimieren, dass die Produktion reibungslos abläuft und der fiktive Kunde sowie die Mitarbeiter, im Planspiel also die Schüler, zufrieden sind.

Am Anfang kamen noch einmal alle zusammen, um die letzte Woche Revue passieren zu lassen und Ideen zur Optimierung der Abläufe zu sammeln. Es wurden auch gleich einige interessante Vorschläge in die Tat umgesetzt. So wurden die einzelnen Abteilungen teilweise zusammengelegt und die Produktionsabläufe dadurch sinnvoller und übersichtlicher. Auch Kommunikationslücken konnten so geschlossen und Wege verkürzt werden. Bevor sich die Schüler dieses Mal an die Arbeit machten, überlegten sie sich innerhalb ihrer Abteilungen einen strukturierten Arbeitsplan. Außerdem bereiteten sie zunächst ein Modell vor, das sie nach Absprache mit dem Kunden als Orientierungshilfe für die restlichen Exemplare nutzten.

Jugendbegleiterprogramm        Unternehmensstruktur

Es lief auch gleich viel besser als beim letzten Mal fand Schülerin Abirami: „Es ist viel strukturierter als letztes Mal. Wir gehen konzentrierter an die Sache ran und wissen, was unsere Aufgabe ist heute.“

In der Realität bleiben Herausforderungen nicht aus

Da es nun aber nach Herrn Lohfinks Geschmack etwas zu reibungslos ablief, ließ er sich noch eine kleine Herausforderung einfallen, um die Sache etwas spannender zu gestalten:

„Ich wollte  die Schüler bewusst erleben lassen, dass es so reibungslos in den Firmen nie abläuft. Dass es immer Notfälle und Notfallpläne gibt: Ein Mitarbeiter wird krank und fällt aus, ein Arbeitsunfall passiert, eine Maschine geht kaputt, Material ist nicht rechtzeitig da… und das wollte ich sie einfach auch mal erleben lassen.“

In dem von Herrn Lohfink generierten imaginären Szenario, wurde der Leiter der Abteilung, die die ersten Fertigungsschritte ausführte krank. Der benutzte Klebstoff sonderte giftige Gase ab. Daraufhin kam es zu einem Produktionsstopp. Jetzt musste das Team eine Alternative finden und das ohne ihren Abteilungsleiter. Schnell kam die Idee auf, den Klebstoff durch Tesafilm zu ersetzen. Nur leider ohne die Materialänderung vorher mit dem Kunden (Herr Lohfink) abzusprechen.

Der war davon allerdings gar nicht begeistert, da die Qualität des Produktes in seinen Augen dadurch gemindert wurde. Nach einigem Hin und Her wurde dann entschieden, dass es am sinnvollsten wäre den Klebstoff weiter zu benutzen, allerdings unter der Verwendung von Atemschutzmasken oder nach der Installation einer Abluftanlage, die die gesundheitsschädlichen Dämpfe aus der Luft filtern würde. Und so konnten doch noch wenigstens 11 Produkte fertiggestellt werden. Bei weitem mehr als in der Vorwoche.

Jugendbegleiterprogramm  Prozessoptimierungsplanspie

Alles in allem hat die Zusammenarbeit beim POP 2 viel besser funktioniert als beim letzten Mal, wenn auch nicht ganz reibungslos. Die Abläufe waren strukturierter und die Aufgabenstellung war den meisten klar. Doch sie mussten die Erfahrung machen, dass auch immer unerwartete Problematiken auftreten können. Trotzdem hatten die Schüler einiges gelernt. Allem voran: Immer Rücksprache mit dem Kunden zu halten! Dadurch kann man sich eine Menge Arbeit sparen.

Es gab von den Jugendbegleitern allerdings auch noch Feedback, woran die Schüler auch weiterhin arbeiten sollten, wenn es dann an die tatsächliche Produktion ihres Werkstückes geht, wie beispielsweise Ordnung am Arbeitsplatz zu halten, um nicht die Übersicht zu verlieren und Regeln aufzustellen. Denn am Ende des Programmes soll eine selbst gefertigte Uhr mit nach Hause genommen werden und dafür war das Planspiel die perfekte Vorbereitung.

Herr Lohfink: „ Ich denke die Schüler haben auf jeden Fall was daraus gelernt. Weil so ein Planspiel durchzuführen und sie das erleben zu lassen hat einfach nochmal einen ganz anderen Charme, als würde man einfach einen Vortrag halten.“

Mal sehen was von dem Erlernten so hängen geblieben ist, wenn es dann im Januar an die Produktion des Abschlusswerkstückes geht. Aber ich bin mir sicher: Auch diese Herausforderung werden die jungen Tüftler gemeinsam meistern.