Ich bin jetzt seit gut 20 Jahren bei MANN+HUMMEL und war in dieser Zeit im Geschäftsbereich Filterelemente tätig. Dort koordinierte ich die weltweite Produktion der Öl- und Kraftstofffilterelemente. Wobei es „dort“ nicht wirklich trifft. Mein Schwerpunkt lag auf Asien und so verbrachte ich meine Zeit weniger in Niederbayern als vielmehr in China, Korea, Indien oder Thailand und war 18 Jahre lang eigentlich nur unterwegs. Allein nach China bin ich bis heute über 70 Mal gereist, manchmal für wenige Tage, oft aber auch für Monate oder Jahre. So sehr mich meine Arbeit dort inspiriert hat, ich die Kultur, die Menschen und die Zeit genossen habe (ich habe dort auch meine Frau kennengelernt, eine Philippina), mit der Geburt unseres zweiten Kindes vor einem Jahr wollte ich dann etwas sesshafter werden.

Sprich: mit meiner Frau, unserer Tochter und dem Kleinen in Marklkofen bleiben. Es kam allerdings eine Anfrage der ganz besonderen Art, die diese Pläne auf eine harte Probe stellten: Bekanntlich hat MANN+HUMMEL mit der schrittweisen Übernahme von MICRODYN-NADIR seine Kompetenz und Marktpräsenz im Bereich Mikro-, Ultra- und Nanofiltration gestärkt. Ein wichtiger Standort der Unternehmenstochter befindet sich in Kalifornien, genauer gesagt in Goleta/Santa Barbara. Ich wurde gefragt, ob ich das dortige Werk optimieren wolle. Wollte ich?

Die Familie als treibende Kraft

Die Anforderungen waren durchaus ambitioniert. Ich, der 20 Jahre ausschließlich mit Automobilfiltration beschäftigt war, sollte nicht nur in einen neuen Geschäftsbereich mit völlig anderen Filtermethoden wechseln. Die Aufgabe bedeutete auch, für zwei Jahre in die USA zu ziehen. Ich entschied, dass ich mir die Sache vor Ort erst einmal anschauen würde und unternahm einen „Look & See“-Trip nach Kalifornien. Dort begleitete ich zwei Projekte, um ein Gefühl für die anstehenden Aufgaben zu bekommen. Es war eine skurrile Erfahrung, die ich machte: Ich sah ganz deutlich vor mir, was zu tun war und hatte auch die notwendigen Konzepte und Lösungen im Kopf, weil ich vieles von dem in China bereits ungesetzt hatte. Ich muss gestehen, ich hatte Lust auf das Angebot. Und die Familie? Die musste ich gar nicht überzeugen, sie wollten unbedingt einmal in die USA. Natürlich war es dabei hilfreich, dass meine Frau neben ihrer Heimatsprache Tagalog und Deutsch auch Englisch spricht und unsere Tochter ebenfalls alle drei Sprachen gelernt hat. Der Jüngste lernt gerade erst sprechen, also ging es los.

Wunderschöne Gegend, harte Arbeit

Seit dem 1. Februar des Jahres leben wir also in Santa Barbara, eine der vielleicht schönsten Gegenden der USA überhaupt. Das Meer vor der Tür, die Berge im Rücken, 360 Sonnentage im Jahr … und ich hatte die ersten drei, vier Monate überhaupt keinen Blick dafür. Dabei war das Problem nicht, dass ich in einem neuen Geschäftsbereich tätig war, in dem Filtration bis auf Nanoebene stattfindet. Auch sprechen wir nicht von Kraftstoffen oder Ölen, sondern von Trinkwasser, der Eiweißproduktion oder von Blutwäsche. Das Know-how am Standort war außergewöhnlich, zahlreiche Abläufe, die Produktionsqualität und auch die Mitarbeitermotivation ließen hingegen deutlichen Raum für Verbesserungen. Das bedeutete sehr viel Arbeit, sehr viel Stress und wenig freie Zeit.

Produktion vor der Bodensanierung

Ich erklärte den Mitarbeitern erst einmal sehr grundsätzlich, um was es mir ging. Im Automobilsektor gab es vor 20 Jahren noch sehr viele Filteranbieter. Heute sind es noch eine gute Handvoll. Im Geschäftsfeld von MICRODYN-NADIR gibt es heute noch hunderte von Anbietern, aber auch deren Zahl wird sich in den kommenden Jahren stark reduzieren. Damit wir nicht zu jenen gehören, die vom Markt verschwinden, mussten sich Dinge ändern. Das betraf sowohl Disziplin, als auch Motivation und Sorgfalt. Wir kehrten also durch, schufen Bonusprogramme, aber auch ein Abmahnungswesen. Wir sorgten für Sauberkeit und Ordnung, verbesserten den Teamgedanken und wuchsen so immer mehr zusammen. Dabei kam mir sicherlich auch zugute, dass ich ein Team-Mensch durch und durch bin. Als wir neulich beispielsweise den Hallenboden neu gestrichen haben und Bodenmarkierungen angebracht haben, war ich natürlich mittendrin.

Produktion nach Bodensanierung

Zudem habe ich weitere Team-Aktivitäten außerhalb der Firma ins Leben gerufen. Wir sind zum Beispiel den Santa-Barbara Halbmarathon mit Kolleginnen und Kollegen gelaufen und auch bei der „National Bike Challenge“ haben wir mit MICRODYN-NADIR ein Team gestellt und sogar den 1. Platz belegt. Im September werden wir dann ein Familienfest mit allen Mitarbeitern und deren Familie veranstalten. Bereits 95 Prozent der Mitarbeiter haben bereits bestätigt, dass sie mit ihren Familien kommen werden. Da meine Frau über zehn Jahre lang Sängerin war und wir in Deutschland weiter hobbymäßig Musik gemacht haben, werden wir zu dem Fest eine Band aus Produktionsmitarbeitern formen und dann die Feier musikalisch untermalen.

Qualität kommt nicht von alleine

Eine weitere wesentliche Herausforderung bestand darin, die Qualität der Produktion zu verbessern: Wenn ein Ölfilter im Ausschuss landet, dann kostet das ein, zwei Dollar. Wenn ein Spiralwasserfilter mangelhaft produziert wird, beträgt der Schaden mehrere hundert Dollar. Wir veranstalteten also Schulungen und Workshops, hinterfragten Abläufe und Produktionsmethoden, starteten tägliche sogenannte „Red Table Meetings“, bei denen die Probleme mit den Mitarbeitern diskutiert und Abstellmaßnahmen definiert wurden. Außerdem brachten wir visuelle Arbeitsanweisungen an den Maschinen an, stellten Planungstafeln auf, um den Mitarbeitern eine Übersicht der Aufträge und Ausbringung zu geben und verbesserten vieles mehr. Im Ergebnis konnten wir schon jetzt, ein halbes Jahr später, deutliche Qualitätsverbesserungen und signifikant geringere Ausschussquoten feststellen und dazu stieg auch noch die Ausbringungsleistung.

3 Personen bei einem Workshop

Um hier weiter zu optimieren, werden wir demnächst bislang manuelle Tätigkeiten in halb- und vollautomatische Maschinen ersetzen. Arbeitsplätze wird das allerdings nicht kosten, da wir am Standort einerseits neue Produkte produzieren wollen und dazu neue Produktionsflächen schaffen werden. Andererseits müssen wir vor allem auch die Logistik deutlich ausbauen. Beides braucht motivierte Mitarbeiter. Und die haben wir inzwischen.

Familie Mühlbauer aus Bayern in Kalifornien

Natürlich liegt noch einiges an Arbeit vor mir, geplant sind weitere anderthalb Jahre in den USA. Aber inzwischen habe ich an den Wochenenden auch Zeit für die herrliche Gegend hier. Und vor allem für meine Familie, mit der ich die Faszination Kalifornien nach und nach erkunde.