Im Rahmen meines dualen Studiums bei MANN+HUMMEL absolvierte ich mein fünftes Theoriesemester in der Türkei und mein sechstes Semester in Kanada. In meinem ersten Blogbeitrag berichtete ich bereits vom türkischen Leben, der Stadt Istanbul sowie meiner Universität, der İstanbul Kültür Üniversitesi (IKU). Im zweiten Beitrag will ich euch nun mitnehmen in die türkischen Restaurants, auf die Straßen sowie von den sprachlichen Herausforderungen erzählen.

Die Verständigung

Wie gesagt lebe ich hier in Istanbul in einem komplett türkischen Viertel, was ich als großes Privileg erachte. Allerdings spricht hier kaum jemand Englisch, man kann froh sein, wenn jemand mit „Yes“ und „No“ antwortet. Und das, obwohl Englisch in der Schule unterrichtet wird. Mir wurde gesagt, viele trauen sich nicht Englisch zu reden, weil sie keine Fehler machen wollen. So ist wohl die türkische Mentalität. Ich habe zwar in Deutschland noch einen Türkisch-Crashkurs gemacht, viel mehr als „Tut mir leid, ich spreche kein Türkisch“, kam dabei aber nicht raus. Unglücklicherweise kollidieren meine normalen Vorlesungszeiten mit den an der Uni angebotenen Türkischkursen. Mit Händen und Füßen und ein paar einfachen Sätzen und Fragen kommt man aber gut zurecht, die Menschen hier sind sehr offen und hilfsbereit. Sprachbarrieren zu überwinden trainiert die Selbständigkeit und hilft einem, noch mehr aus sich rauszukommen.

Das türkische Essen

Für wenige Euro kann man sehr lecker Abendessen im Restaurant. Das türkische Essen ist großartig und mir hat es bisher in 99% aller hier besuchten Restaurants geschmeckt. Typisch sind Dönerspieße aus Lamm oder Hühnchen, Gehacktes, Dürüm (gerollte Teigfladen), Fisch und als Nachtisch Backlava (eine Art Blätterteig, den man klassischerweise süß mit Pistazien isst). Bei uns im Häuserviertel gibt es circa 15-20 Bäckereien mit Konditoreien. Ein Muss ist natürlich auch Tee, den es aufs Haus nach jedem Essen gibt.

 

Der Verkehr

…ist mörderisch! Die extragroßen Metrobusse haben zwar eigene Fahrspuren und fahren in der Rush Hour alle 30 Sekunden, die 30km Strecke von der Uni bis zur U-Bahn ist trotzdem ein einziger Stau. Wenn man ins Taxi steigt, hat man das Gefühl, man fährt mit dem Rallyefahrer Collin McRae durch die Stadt. Es gibt hier im Prinzip keine Verkehrsregeln. Es gilt die Devise: Wer später bremst ist länger schnell. Überholen auf dem Standstreifen, die Grünphase verlängern, auf einer Hauptkreuzung wenden: das steht hier auf der Tagesordnung. Es ist ein totales Chaos, aber trotzdem funktioniert es, schlimme Unfälle habe ich bis jetzt noch nicht miterlebt. Übrigens rate ich zur Vorsicht beim Taxifahren: Ich habe für die Strecke vom Taksim-Platz nach Hause (ca. 2,5km) am Anfang 35 Lira gezahlt, inzwischen kann ich allerdings die Taxifahrer auf Türkisch navigieren und es sind nur noch 8 Lira 😉

Blick auf Istanbul Altstadt

Einer der ausschlaggebenden Punkte für MANN+HUMMEL war für mich, dass schon im Bewerbungsgespräch klar wurde, dass Auslandsaufenthalte sowohl für meine Theorie- als auch Praxisphasen möglich sind. Die Chance und Unterstützung, sowas zu machen, bieten nicht viele Firmen an, bei anderen großen Automobilzulieferern wäre das nicht unbedingt möglich.

Im nächsten Blogbeitrag erzähle ich von meinem theoretischen Auslandssemester in Kanada.