Ich bin Alexander Wöber, Auszubildender Elektroniker für Betriebstechnik im 2. Lehrjahr am Standort Ludwigsburg. Im September 2017 hatte ich die Chance ein vierwöchiges Auslandspraktikum in Barcelona zu machen. Als ich von der Ausschreibung dieses Projekts von meiner Chefin Ursula Fritz hörte und auch mit meinen Kollegen Florian Senft und Anastasia Doulgkeri sprach, die bereits in den Jahren zuvor ein Praktikum in England machten, entschied ich mich sofort, eine Bewerbung zu schreiben.

Nach dem erfolgreichen Bewerbungsprozess für die Entsendung nach Barcelona stand mir als Teilnehmer des Projekts „Go for europe“ der BBQ Berufliche Bildung GmbH durch Unterstützung des Erasmus Programms der EU, nichts mehr im Weg. Nach zwei Vorbereitungstreffen mit anderen 5 Azubis aus Süddeutschland, die ebenfalls mit mir zusammen nach Barcelona flogen, ging es am 11.September los.

¡Hola! Me llamo Alex – Hallo ich heiße Alex

In Barcelona erwartete mich meine Gastgeberin Josefina, bei der ich für die Zeit des Praktikums wohnen durfte. Im 13 km vom Stadtzentrum von Barcelona entfernten San Cugat del Vallés leben überwiegend einheimische und kaum Touristen. Die Verständigungsprobleme am ersten Abend mit meiner Gastgeberin waren groß und mir kam sprichwörtlich alles spanisch vor. Deshalb war es höchste Zeit für den am nächsten Morgen beginnenden Sprachkurs bei der Sprachschule iDEA – Instituto Dual España Alemania. Hier konnten wir gemeinsam mit unserer Spanischlehrerin Emma in den kommenden fünf Tagen Spanisch lernen. Ich konnte aus dem Kurs in Bezug auf den Alltag mit meiner Gastgeberin viel lernen, sodass die grundlegende Verständigung nach einigen Tagen bereits kein Problem mehr war. Während der ersten Woche sollten wir auch unser gelerntes Spanisch im Alltag anwenden. Als Gruppe von 6 deutschen Auszubildenden kamen wir in allen Situationen schnell zurecht und erkundeten jeden Tag andere Teile der Stadt.

Auslandspraktikum

In der zweiten Woche begann das Praktikum bei der Firma ThyssenKrupp System Engineering in Rubí. Gemeinsam mit zwei anderen Auszubildenden von anderen deutschen Firmen stellten wir uns den Verantwortlichen der Firma vor. Der Geschäftsführer und viele Mitarbeiter sprachen Deutsch. Am Standort mit 80 Mitarbeitern werden Maschinen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie geplant, hergestellt und beim Kunden montiert. Das Unternehmen ist seit 1992 am Standort in Spanien. Als Auszubildender Elektroniker wurde ich dem örtlichen Elektriker-Team vorgestellt und begann sofort mit den Kollegen an einer Maschine zu arbeiten. Die Kommunikation mit den Kollegen fiel uns leicht, trotz der Tatsache, dass Sie nur Spanisch und ein wenig Englisch verstanden haben. Neben Dingen, die ich bereits in der Elektro-Grundausbildung bei MANN+HUMMEL gelernt hatte und auch vor Ort anwenden konnte, habe ich vor Ort in Spanien viele neue Dinge lernen können.

Auslandsentsendung nach Barcelona

Von der Verkabelung von Bedienelementen und Sicherheitseinrichtungen, über den Anschluss von Sensoren bis hin zum Einbau von Automatisierungstechnik von Siemens konnte ich einen guten Einblick in den Aufbau einer Maschine, die am Automobil-Produktionsband Teile eines Getriebes für einen Kunden der VAG Gruppe einbaut, bekommen. Die Arbeitstage gingen schnell vorbei, meine anfänglichen Zweifel, wie die Qualität der Arbeit der Elektrikerkollegen vor Ort sei, ebenfalls. Schnell wurden wir Auszubildende von den Kollegen vor Ort geschätzt. Dies zeigte sich darin, dass ein Kollege uns jeden Tag von unseren Gastfamilien, mit dem Auto, bis zur Firma mitnahm und wir auch nach Feierabend und am Wochenende von den Kollegen eingeladen wurden, um gemeinsam Zeit zu verbringen.

Azubi Alexander Wöber

In der 3-wöchigen Praktikumszeit ist eine Freundschaft zwischen den spanischen Kollegen und den „genauen“ deutschen Praktikanten, die jeden Tag bestimmt 50 Fragen gestellt hatten, entstanden und ich freue mich schon auf den geplanten Deutschlandbesuch der spanischen Kollegen im nächsten Jahr. An unserem letzten Arbeitstag wurden wir, mit einem gemeinsamen Mittagessen, in der Firma verabschiedet: Es gab Fideuà – eine Varainte der Paella de Mariscos.

Fideuà – eine Varainte der Paella de Mariscos

Neben den positiven Eindrücken beim Praktikum in der Firma wurde ich auch mit den aktuellen politischen Themen in Katalonien konfrontiert. Wegen des Referendums und der geplanten Abspaltung Kataloniens von Spanien konnte ich einige Demonstrationen und auch Streiks hautnah miterleben. Jedoch bestand für mich zu keiner Zeit Gefahr, da ich mich von den Punkten, an denen es zu massiven Polizeieinsätzen und Gewalt kam, fern hielt. Am Tag des Referendums planten wir deshalb zum Fußballspiel von FC-Barcelona gegen Las Palmas zu gehen, da sich das Fußballstadion ein wenig außerhalb des Stadtkerns befindet. Wir konnten auch gute Tickets für das Camp Nou ergattern jedoch nahm die Politik an diesem Tag auch Einfluss auf den Sport. Das Spiel fand leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und circa 90.000 Fußballbegeisterte standen vor verschlossenen Türen. So mussten wir ziemlich enttäuscht das Spiel in einem vom Stadion 100m entfernten Imbiss verfolgen.

Ich hatte in Barcelona ein tolles Auslandspraktikum, das ich jedem empfehlen möchte, der keine Angst vor anderen Kulturen, 10°C wärmeren Wetter, anderem Essen und dem lernen einer Fremdsprache hat. Neben technischen Erfahrungen, neuen Freunden, einer Grundlage in der Sprache Spanisch nehme ich auch sehr viele positive Eindrücke einer anderen, offenherzigen, Kultur mit. Ich denke so ein Austausch ist auch für die Persönlichkeitsbildung ein wichtiger Schritt im Lebenslauf.