Ich war schon Polsterer, Feldjäger, Pförtner, Supermarktverkäufer, Sicherheitsdienstmitarbeiter und Detektiv. Heute bin ich bei MANN+HUMMEL und mache eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker. Mit Anfang 30 scheine ich nun angekommen zu sein.

Verfahrensmechaniker 1

Nicht jeder Mitarbeiter von MANN+HUMMEL hat ein Einser-Abitur hingelegt oder ein Prädikatsstudium absolviert. Hier bekommen auch Leute mit krummem Lebenslauf eine Chance – so wie ich. Natürlich muss man Engagement und Willen zeigen und sollte nicht auf den Kopf gefallen sein. Ob man jetzt eine oder zwei Ausbildungen gemacht hat, steht nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist es, als Mensch gefestigt zu sein und gute Arbeit abzuliefern.

Sonst hätte auch ich wohl für die Umwege und Abzweigungen meiner Vita „büßen“ müssen. Mein Einstieg ins Arbeitsleben verlief wie bei vielen anderen Jugendlichen. Mit 16 war die Schule plötzlich rum. Überlegungen, wie es danach weitergehen sollte, hatte ich nie angestellt. Ich musste also den Ausbildungsplatz nehmen, der überhaupt noch frei war. Somit bin ich Polsterer geworden. 2001 war die Lehre beendet, doch der Betrieb stand wirtschaftlich stark unter Druck und ich wurde nicht übernommen.

Anschließend hielt ich mich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, mal als Aushilfe im Supermarkt, mal bei einer Metallfirma. Das hatte auf Dauer aber auch keine Zukunft. Also bin ich zum Kreiswehrersatzamt und habe mich unter der Bedingung freiwillig gemeldet, dass ich zu den Feldjägern darf. Zwei Monate später wurde ich eingezogen. Das war eine sehr abwechslungsreiche Zeit, die mich im positiven geprägt hat. Man lernt Disziplin, strukturiertes Arbeiten, das Führen von Personen und bekommt eine gewisse Reife. Bei den Feldjägern hat es mir so gut gefallen, dass ich mich für zwölf Jahre verpflichten lassen wollte um Unteroffizier zu werden. Doch diese Stellen waren für die kommenden Jahre bereits besetzt. Eine Karriere im Mannschaftsdienstgrad wäre mir wie eine Degradierung vorgekommen und der Wechsel zu einer anderen Truppengattung kam für mich nicht in Frage. Einmal Feldjäger, immer Feldjäger, da war ich eigen. Also habe ich die Bundeswehr wohl oder übel verlassen.

Kurze Zeit später habe ich über meinen Vater einen Unternehmer kennen gelernt, der Fahrzeugfrontscheiben nicht mit Folie sondern mit einem speziellen Lack tönte, der sogar eine TÜV-Eintragung hatte. Der Unternehmer wollte die Firma aufgeben und ich habe eine große Marktlücke und meine Chance gewittert. Also habe ich Business Pläne erstellt und mit den Banken geredet bis ich das Okay in der Tasche hatte, das Unternehmen weiterzuführen. Doch von heute auf morgen schloss der Inhaber seine Firma. Er meinte, dass sei sein Baby, er habe das aufgebaut, das solle auch kein Anderer fortführen und damit Erfolg haben. Danach war ich wirklich am Ende, denn ich hatte schon wieder ein Jahr Planung, Kraft und Engagement in den Sand gesetzt. Die Frustration war groß, die Motivation gering und plötzlich war ich Hartz IV Empfänger.

Das Jahr als Hartz IV Empfänger war die schlimmste Zeit meines Lebens. Ich wohnte damals in Norddeutschland, knapp 600 Kilometer von meiner Familie entfernt und hatte kaum Freunde, auf die man sich verlassen konnte.  Es gab Monate in denen ich nicht wusste, ob ich abends zumindest ein Stück Brot auf dem Teller habe, da das Geld vorne und hinten nicht reichte. Ohne den Zuspruch und die Unterstützung meiner Eltern, die mir oft ausgeholfen haben, wenn es mal nicht mehr ging, hätte ich das niemals durchgestanden.

Das Amt vermittelte mir alle vierzehn Tage eine neue Stelle als Aushilfe. Mal war ich bei einem Handyladen, dann in einer Chemiefabrik und schließlich Waldarbeiter für einen Euro die Stunde. Im Endeffekt war alles für die Katz, keine der Stellen brachte mich beruflich oder persönlich weiter. Also beschloss ich zurück nach Baden zu ziehen. Mittlerweile war ich auch wieder halbwegs auf dem Damm und hatte in der Heimat meine Familie und meine Freunde um mich, was mir zusätzlichen Auftrieb verschaffte.

Durch meine Bundeswehrerfahrung fasste ich Fuß in der Sicherheitsdienstbranche. Im Lauf der Zeit habe ich für unterschiedliche Security-Dienste sowie eine Detektei gearbeitet. Anfang 2012 wurde ich von meiner Sicherheitsfirma zum Objektschutz bei MANN+HUMMEL eingeteilt. Wir haben im Werk 1 und 2 die Pforte geleitet. Ich habe gleich gemerkt, wie familiär es bei MANN+HUMMEL zugeht und dass hier eine andere Kultur gelebt wird. Die Mitarbeiter haben mir kleine Aufmerksamkeiten zugesteckt, mal einen Apfel oder eine Flasche Wasser. Das hat mich sehr beeindruckt. Es ging nicht darum, was ich bekam, sondern es war die Geste die mich berührte. Ich habe gemerkt dass ich den Leuten nicht egal bin und mir eine gewisse Wertschätzung entgegengebracht wird. Bei anderen Firmen war ich nur der blöde Pförtner oder der dumme Sicherheitshiwi, der einen ständig kontrollieren will. Hier war ich ein Teil der Firma. Das habe ich auch in den vielen Gesprächen gespürt, die sich ergeben haben, beispielsweise mit der Ausbildungsleiterin Frau Fritz oder Herrn Kranich und Herrn Holzinger, die regelmäßig neue Bewerber an der Pforte abholten. Und irgendwann kam dann natürlich auch mir der Gedanke: „Du bist jetzt fast 30, Du willst nicht an der Pforte vergammeln. Du musst schauen, welche Richtung Du einschlagen willst.“

Eines Tages hat mich dann Herr Kranich gefragt, ob ich nicht eine Ausbildung machen will. Ich hatte mir das zwar schon überlegt, habe den Gedanken aber als unrealistisch verworfen. Es war eher so ein Wunschdenken: „Das wäre schon eine tolle Firma, aber die wollen Dich sicher nicht. So alt wie Du bist und was Du schon alles gemacht hast.“

Fast hätte ich die Flinte ins Korn geworfen, aber dann dachte ich mir: Wer nicht kämpft, hat schon verloren und wenn mir MANN+HUMMEL diese Chance gibt, dann möchte ich diese nutzen. Ich habe meine Bewerbung abgegeben und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die ganz normale Prozedur eigentlich. Schlussendlich habe ich die Ausbildungsstelle zum Verfahrensmechaniker erhalten und mache im Sommer 2015 meinen Abschluss.

Ich persönlich denke, dass ich jetzt angekommen bin. Ich habe eine tolle Freundin, einen wunderbaren kleinen Sohn, eine Tochter die wir Ende Mai erwarten und eine echte Perspektive im Berufsleben. Ich will nicht wissen, wohin mein Weg geführt hätte, wenn ich die Chance bei MANN+HUMMEL nicht bekommen hätte.