Die meisten Menschen wissen, was eine Mall ist. Doch nur die wenigsten haben Kenntnis darüber, woher der Begriff für die Bezeichnung eines großen Einkaufszentrums überhaupt stammt. Das behaupte ich jetzt einfach mal so. Aber ich glaube trotzdem, dass ich damit gar nicht so falsch liege. Warum ich Ihnen das erzähle? Nun, das hat im weitesten Sinne eine ganze Menge mit jener oberfränkischen Gemeinde im Landkreis Kulmbach zu tun, in der das Innenraumfilterzentrum Himmelkron von MANN+HUMMEL steht. Dafür muss ich jedoch etwas ausholen, was treffenderweise ganz gut ins Bild passt. Aber das werden Sie selbst noch feststellen.

Alles fing im 16. Jahrhundert an. Damals spielten die Menschen in Mitteleuropa mit großer Begeisterung ein Freizeitspiel, das an das heutige Croquet (auch Crocket) erinnert. Es wurde je nach Region „Baille-Maille“, „Pallamaglia“ oder ähnlich genannt – meist jedoch nur kurz „Mail“. Für das Spiel benötigte man einen kleinen Holzball („palla“) und einen hölzernen Schläger („mallet“). Das Spiel hatte auf viele eine anziehende Wirkung. Dabei spielte es keine Rolle, ob man reich oder arm, jung oder alt war – nahezu jeder wollte beim „Ballschlagen“ mitmachen.

Baille-Maille

Baille-Maille – der Golfsport aus vergangenen Tagen

Die Spielregeln sind schnell erklärt: Üblicherweise traten zwei Spieler oder zwei Mannschaften gegeneinander an. Man musste mit einem Schläger eine Kugel über eine möglichst weite Distanz katapultieren, um sie zuletzt durch einen kleinen Eisenbogen zu befördern. Die Mannschaft, die ihre Kugeln mit den wenigsten Versuchen ins Ziel brachte, hatte gewonnen. Es handelte sich gewissermaßen um das Golfspiel der Vorzeit. Gespielt wurde auf mit feinem Sand bedeckten „Mailbahnen“. Um sich vor zu intensiver Sonneneinstrahlung zu schützen, waren diese Bahnen in der Regel von Schatten spendenden Alleen eingesäumt – bevorzugt wurden vor allem Linden.

Nach und nach hatten viele Städte in Europa eine speziell angelegte Bahn unter Bäumen. In diesen Alleen spielten beispielsweise die Franzosen „Boule-Mail“ oder die Spanier „palamallo“. In den Niederlanden und in Deutschland manifestierte sich der Begriff „Baille-Maille“ für das populäre Laufspiel. So auch in Himmelkron. Dort wurde 1662/1663 eine Lindenallee mit rund 800 (! ) Bäumen angepflanzt. Diese war über die Landesgrenzen hinaus bekannt und wurde als längste und schönste Allee Europas bezeichnet. Sie werden erahnen, dass in dieser wunderschönen Umgebung besonders viel und gerne „Mail“ gespielt wurde. Demzufolge nannte man die Allee fortan auch nur noch die „Baille-Maille-Lindenallee“.

Im April 1792 jedoch gab es jedoch einen herben Rückschlag. Gegen den Widerstand der Bürger von Himmelkron holzten die Preußen die gesamten 800 Bäume ab. Es sollte 200 Jahre dauern, bis die Allee wieder ins Leben zurückkehrte. 1986 begann man auf Initiative des Förderkreises mit der Wiederanpflanzung der Linden. Exakt zum 200. Jahrestag der Abholzung wurde am 28. April 1992 die letzte Linde gesetzt. Seitdem wachsen und gedeihen die Bäume dort wieder. Auf hiesigen Alleefesten sieht man hin und wieder Menschen, die das einst so populäre Baille-Maille im Schatten der Linden spielen. Auf unserer Mitarbeiter-Terrasse, dem sogenannten „Freisitz“, erfreuen wir uns übrigens auch an einer Linde, die uns die Gemeinde Himmelkron 2012 zur Einweihung der neuen Produktionshalle gestiftet hat.

Pavillion

Wie die Shopping-Mall zu ihrem Namen kam

Was ich nicht unerwähnt lassen möchte: Himmelkron wurde als Außenstelle der diesjährigen Landesgartenschau in Bayreuth auserkoren. Wie Sie sehen, ist Himmelkron also auch heute noch eine Reise wert. Für die Zeitkapsel des neuen Technologiezentrums von MANN+HUMMEL ist aus der Sicht von uns Himmelkronern jedenfalls die buchsbaumhölzerne Spielkugel der ideale Gegenstand, um unseren Firmenstandort bestmöglich zu repräsentieren.

Welche Bedeutung das Mail-Spiel wirklich hatte, verrät folgende kleine Anekdote: Wir schreiben das 16. Jahrhundert, als englische Reisende „Mail“ mit auf die britische Insel brachten. Ein Spielplatz in der Nähe des St. James Palace in London entwickelte sich zum beliebten Ort für „Mail“, woraufhin dieser mit Bäumen bewachsene Platz nur noch Pall-Mall genannt wurde. Die Allee und die Umgebung entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer exklusiven Gegend. Es war ein Privileg und erhabenes Gefühl, auf der Pall-Mall – oder im Sprachgebrauch nur noch „Mall“ – zu flanieren. Die Bezeichnung stand für Eleganz und musste in der Folge für eine Zigarettenmarke und zahlreiche Einkaufszentren herhalten. Vielleicht denken Sie ja, wenn Sie das nächste Mal durch eine Shopping-Mall bummeln, dabei jetzt auch an Himmelkron.