Wo geht die Reise hin? So lautet eine beliebte Frage, wenn man sich mit der Zukunft beschäftigt. Es ist eine gute, aber auch eine schwierige Frage. Als Director Global Sales beschäftige ich mich bei MANN+HUMMEL in unterschiedlichen Verantwortlichkeiten bereits seit mehr als 16 Jahren intensiv auch oder gerade mit der Zukunft unseres Unternehmens. Bislang war es für mein Team und mich relativ „einfach“, gute und verlässliche Vertriebsprognosen zu treffen und unsere Verkaufsaktivitäten entsprechend zu steuern. Seit rund vier Monaten verantworte ich den Vertrieb für die „E-Mobility“-Kunden – und hier in die Zukunft zu blicken, ist eine ganz neue Herausforderung.

MANN+HUMMEL ist seit vielen Jahren Marktführer von Filtrationslösungen rund ums Automobil mit Verbrennungsmotor. Doch wohin entwickelt sich die Branche? Wie lange tanken wir noch Diesel und Benzin? Kommt der Umstieg aufs Elektroauto in fünf, zehn oder erst in 25 Jahren? Und was ist mit anderen alternativen Antrieben, wie beispielsweise der Brennstoffzelle? Sicher ist: Kein Automobil kommt ohne Filtrationslösungen aus. Selbst Elektrofahrzeuge brauchen entsprechende Produkte. So hat jedes E-Auto natürlich einen Innenraumfilter, der die Insassen vor Staub und je nach Ausführung auch vor schädlichen Gasen wie NOx, SO2 oder Ozon schützt. Und selbst Ölfilter findet man in einem Elektroauto, denn Öl kühlt und schmiert E-Motoren mit Getriebe. Für die Schmierung muss das Öl natürlich gereinigt werden und MANN+HUMMEL bietet dafür bereits entsprechende Produkte an.

Die Zukunft des Elektroauto

E-Autos stellen aber auch ganz neue Anforderungen: Die Hochleistungsbatterien müssen gekühlt werden und benötigen dafür ein Kühlmittel. Um Schädigungen im Kühlsystem zu vermeiden, muss es fortlaufend gereinigt werden. Solche Kühlmittelfilter stellen wir bereits in Serie her. Die Kühlung birgt zudem ein weiteres Problem in der Batterie: An den Kühlflächen und -leitungen kann sich Kondenswasser bilden. Jeder weiß, das Elektrizität und Wasser sich nicht vertragen, also hat MANN+HUMMEL eine Trocknerkartusche entwickelt, die Luftfeuchtigkeit bindet und so Kondensation verhindert.

Und noch ein Beispiel: Um das Batteriesystem vor Deformation und Beschädigung zu schützen, muss ein permanenter Druckausgleich ermöglicht werden. Hierfür hat MANN+HUMMEL eine Membrane entwickelt, die das Nützliche ermöglicht und das Schädliche verhindert, indem sie  Luft durchlässt, Partikel und Flüssigkeiten aber zurückhält. MANN+HUMMEL bietet deshalb eine Entlüftungseinheit an, die wir im Rahmen unserer Arbeit für den BMW i3 entwickelt haben. Sie öffnet sich zusätzlich bei einem definierten Druckanstieg und hilft so, die negativen Folgen einer Fehlfunktion zu minimieren.

Innenraumfiltersystem

Ähnliche Beispiele gibt es natürlich auch für Brennstoffzellenfahrzeuge: Ein Kathoden-Luftfilter schützt beispielsweise den Katalysator vor Partikeln und Schadgasen und erhöht so die Lebensdauer der Brennstoffzelle. Der Ionentauscher-Filter wiederum entfernt zuverlässig Ionen aus dem Brennstoffzellen-Kühlmittel. Das ist wichtig, denn wenn in dem Kühlmittel Ionen vorhanden wären, stiege dessen elektrische Leitfähigkeit, was einen Kurzschluss in der Brennstoffzelle zur Folge hätte.

Trocknerkartuschen

In der Summe bedeutet dies, dass MANN+HUMMEL bereits heute gut aufgestellt ist, was die benötigten Filtrationstechnologien von morgen angeht. Und wir denken noch weiter: Unser Bremsstaubpartikelfilter ist beispielsweise ein gänzlich neues Produkt, das meines Wissen nach außer uns noch niemand so weit entwickelt hat. Er filtert den Feinstaub, der beim Bremsen entsteht, direkt an der Quelle und ist daher so konzipiert, dass die Emission von Feinstaubkonzentrationen z.B. in Städten reduziert wird.

Denn das Gros des Feinstaubs entsteht heute nicht mehr durch die Motoren, sondern durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb sowie den aufgewirbelten Staub – also auch bei Elektro- oder Brennstoffautos. Sie sehen also: Wir sind auf die Zukunft vorbereitet und können unseren Kunden schon heute Lösungen für ihre Produkte anbieten, die sie vielleicht erst morgen auf den Markt bringen.

Luftungseinheit

Die kommenden Jahre sehen von daher sehr gut für den automobilen Filtrationsbereich aus. Wir gehen davon aus, dass vermehrt Hybridfahrzeuge als Brückentechnologie auf den Markt kommen werden, sodass wir salesseitig sowohl unsere klassischen Produkte für Verbrennungsmotoren als auch neue Angebote für die Elektrokomponenten vertreiben werden. Nach unserem Stand heute wird sich der Verbrennungsmotor dann aber langsam verabschieden. Wann und vor allem wie schnell das passieren wird, kann heute noch niemand vorhersagen. Selbst renommierte Forscher sind sich hier nicht einig. Manche meinen, ab dem Jahr 2030 werden rund 40 Prozent aller weltweiten Neuzulassungen über elektrifizierte, hauptsächlich hybridisierte Antriebsstränge verfügen, andere prognostizieren weniger als 25 Prozent.

Zwei Trocknerkartuschen

Wie es in den einzelnen Weltregionen aussieht, ist dabei eine ganz andere Frage, denn hier kommen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen zum Tragen. Ich hätte manchmal gern eine Kristallkugel, um schon heute genau zu wissen, was in 15 oder 20 Jahren Stand der Dinge sein wird. Dann könnte ich noch genauer planen und kalkulieren. Denn eines ist gewiss: Mit der Veränderung der Antriebskonzepte wird sich unser Produktangebot verändern – und wir müssen rasch auf das sich ändernde Umfeld reagieren können, z.B. durch schnellere Entscheidungsprozesse.

Doch MANN+HUMMEL hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass wir nicht auf diese Veränderungen warten, um dann zu reagieren, sondern dass wir als Unternehmen den Wandel aktiv mitgestalten. Und so  werden wir meiner Meinung nach auch in einer elektrifizierten Verkehrswelt eine bedeutende Rolle spielen.