Ich lebe und arbeite in Michigan, der Heimat der Automobilindustrie. Auch Detroit – oder besser gesagt „Motor City“ – liegt in unserem Bundesstaat. Als man uns bat, anlässlich des 75. Firmenjubiläums von MANN+HUMMEL einen Gegenstand auszusuchen, der unseren Standort symbolisiert, wusste ich intuitiv, dass unsere Wahl etwas mit Autos zu tun haben musste.

Die Entscheidung war klar

Wir von MANN+HUMMEL in Portage und Bloomfield Hills (Michigan) senden ein Ford-T-Modell in Miniaturversion zum MANN+HUMMEL-Sitz nach Ludwigsburg.

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Dort wird es zunächst im Technologiezentrum ausgestellt, bevor es für die Nachwelt in einer Zeitkapsel verwahrt wird. Ich bin überzeugt davon, dass wir keine bessere Wahl hätten treffen können. Die Erfolgstory des Ford-T-Modells ist auch heute noch legendär. Es handelte sich um das erste Auto, das für einen großen Teil der Bevölkerung erschwinglich war und so der breiten Masse Mobilität ermöglichte. Man könnte sogar behaupten, dass wir ohne dieses Modell heute wahrscheinlich nicht den weltweiten Erfolg unserer Firma feiern könnten!

In Michigan liegt die Autoleidenschaft im Blut

Ich bin in einem Vorort von Detroit aufgewachsen und sah schon als Kind jeden Tag Autos mit dem modernsten Design und der neuesten Technik auf der Straße vorbeifahren. Wirklich alles drehte sich bei uns um Autos. Sogar bei unseren Schulausflügen in der Grundschule ging es ins Henry-Ford-Museum. Auch wenn die Branche harte Zeiten hinter sich hat, ist Michigans Liebe zu Autos ungebrochen. Die drei großen Automobilhersteller, General Motors, Ford und Chrysler, haben ihren Sitz im Großraum Detroit; außerdem sind zahlreiche Zulieferer in ganz Michigan verteilt und beeinflussen seine gesamte Industrielandschaft.

Das erste als Massenprodukt hergestellte erschwingliche Auto

Henry Ford wurde in Michigan geboren und gründete 1903 die Ford Motor Company. Er fing mit dem Model A an und arbeitete sich mit den Nachfolgemodellen und Prototypen durch das Alphabet. Aber erst mit dem Modell T stieß er auf Gold. 1908 produzierte die Ford Motor Company das erste Exemplar, das man für 825 $ erwerben konnte. Da diese Autos zuverlässig funktionierten und leicht zu warten waren, wurden sie von Jahr zu Jahr beliebter. Bis 1916 war der Preis auf 360 $ gesunken (was heute etwa 8.000 $ entspricht) und 1918 war fast jedes zweite Auto in den USA ein Ford-T-Modell.

Montagebänder: ein Wendepunkt im Produktionsprozess

Das Ford-T-Modell stellte jedoch nicht nur einen Durchbruch in Bezug auf die Verfügbarkeit von Autos dar, sondern revolutionierte auch ihre Produktionsweise. Das T-Modell war Fords erstes Auto, das in Massenproduktion auf Fließbändern hergestellt wurde. Beim Zusammenbauen der Autos konnte man erstmals komplett austauschbare Standardteile verwenden. Jeder Arbeiter hatte dabei seine eigene, klar abgegrenzte Aufgabe. Dank der Einführung des Montagebands betrug die durchschnittliche Produktionszeit eines Wagens nur noch 93 Minuten.

Wenn es um das Ford-Modell-T geht, wird gern erwähnt, dass es nur in Schwarz hergestellt wurde. Diese Behauptung trifft jedoch nur teilweise zu, denn sowohl in den ersten Jahren als auch gegen Produktionsende war das Auto auch in anderen Farben erhältlich. Aufgrund der Bedingungen am Montageband und der erforderlichen Geschwindigkeit dominierte aber tatsächlich Schwarz, da diese Farbe preiswert und robust war und außerdem schnell trocknete.

Autofahren als Freizeitvergnügen

Das Modell T veränderte auch die Haltung zum Autofahren. Plötzlich konnte man es sich leisten, mit dem Auto weite Strecken zu fahren, um Ausflüge zu machen, und die ersten Autoclubs wurden gegründet. Bald schossen sie im ganzen Land wie Pilze aus dem Boden und ermutigten Autofahrer, das Land zu erkunden und in ihrer Freizeit gemeinsam Touren zu machen.

Das war der Beginn eines richtigen Kults und schon bald wurde das Auto als Spiegelbild der Persönlichkeit des Besitzers gesehen. Das ist auch heute noch so: Kleine und große Städte, Jahrmärkte und lokale Unternehmen organisieren Events, auf denen die Teilnehmer ihre Autos, Trucks oder sonstigen motorisierten Gefährte vorführen können. In Michigan ist die größte Show dieser Art die Woodward Derma Cruise, bei der alte, neue, ausgefallene und futuristische Fahrzeuge langsam die Straße auf- und abfahren und sich dem Publikum präsentieren. Natürlich führen auch Ford-Modell-T-Besitzer ihre Autos gerne aus, sodass es nicht ungewöhnlich ist, fünf oder zehn Exemplare hintereinanderfahren zu sehen. Aber dafür umso schöner!