Große Messen sind anstrengend, da macht die IAA Nutzfahrzeuge keine Ausnahme. Man ist den ganzen Tag auf den Beinen, führt viele Gespräche, muss immer konzentriert sein und geregelte Pausen sind eher die Ausnahme. Wenn man allerdings Dr. Pius Trautmann beobachtet, dann merkt man, dass so eine Messe auch viele gute Seiten hat. Als Director Engineering Liquid Filter Systems Heavy Engines ist er bei MANN+HUMMEL für die Entwicklung von Flüssigfiltersystemen für Nutzfahrzeugmotoren und Industrieanwendungen verantwortlich. Auf der Messe war er Ansprechpartner für fast alles und jeden. Ich habe mich mit ihm darüber unterhalten.

Was macht einen erfolgreichen Messeauftritt aus?

Trautmann: Zu allererst muss man sich als Unternehmen natürlich gut präsentieren. Unser Messestand ist immer sehr freundlich, offen und einladend gestaltet, sodass Kunden und Interessenten einfach gern zu uns kommen. Zusätzlich müssen am Stand natürlich auch kompetente Gesprächspartner sein. Wir achten deshalb darauf, dass immer jemand aus Forschung und Entwicklung, dem Vertrieb, aber auch vom Management-Team anwesend ist. Kein Besucher sollte wieder gehen, weil er gerade nicht eine fundierte Antwort bekommen kann. Das haben wir auch auf der IAA Nutzfahrzeuge so gehandhabt.

MANN+HUMMEL Messestand

Und die ausgestellten Produkte?

Trautmann: Die sind natürlich ebenfalls wichtig. Wir haben einen sehr guten Querschnitt über Produkte für alle Filtrationsbereiche und alle Antriebsarten gezeigt. Dabei war es nicht das Ziel, die Besucher nicht mit einer Unmenge an Exponaten beeindrucken zu wollen, sondern es wird gezielt das ausgestellt, was für die Nutzfahrzeugbranche wichtig und richtig ist. Die Nutzfahrzeugbranche ist verständlicherweise sehr kostenorientiert. Es geht hier nicht um „schöne Dinge“, die im Pkw-Bereich ja durchaus ihre Berechtigung haben. Es geht vielmehr um Produkte, die eine hohe Funktionalität, ausgewiesene Zuverlässigkeit und akzeptable Kosten verbinden.

Und das liefert MANN+HUMMEL?

Trautmann: Natürlich. Schauen Sie sich mein persönliches Highlight auf der Messe an: Unser Kunststoff-Aluminium-Hybriddesign für hoch beanspruchte Flüssigfiltermodule, das wir auf der IAA als Weltneuheit präsentiert haben. MANN+HUMMEL hat eine Technologie entwickelt, die die mechanische Festigkeit von Aluminium mit der flexiblen Gestaltungsfähigkeit von Kunststoff vereint. Dazu wird mit einem Skelett aus Aluminium an den hochbelasteten Stellen die notwendige Stabilität sichergestellt. Dieses Aluminium-Skelett wird dann mit Kunststoff ummantelt, in dem alle flüssigkeitsführenden Elemente angeordnet sind. Die Vorteile bestehen dann darin, dass Gewinde, Dichtflächen oder hydraulische Anschlüsse direkt integriert werden und keine weiteren Bearbeitungsschritte mehr erforderlich sind. Das kommt natürlich auch der Kosteneffizienz unserer Kunden zugute.

Exponate für Flüssigkeitsfiltration

Was ist für Sie persönlich das Spannende auf einer Messe?

Trautmann: Es sind die Gespräche über die Produkte, aber auch die Zusammenarbeit, Pläne, Entwicklungen und vieles mehr. Eine Messe ermöglicht es, auch einmal ungezwungen miteinander zu sprechen – am Stand, beim Kaffee oder beim Mittagessen. Mit Kunden, Partnern, Zulieferern, aber auch mit Endkunden, also den Menschen, die in den Werkstätten beispielsweise einen Filter wechseln. Wenn man sich für sie Zeit nimmt und zuhört, erfährt man vieles, was unsere Produkte noch besser machen kann. Denn wenn ein Servicemitarbeiter mit der Benutzerfreundlichkeit nicht zufrieden ist, dann wird er das Produkt auch weniger verwenden – ganz unabhängig von seiner eigentlichen Leistungsfähigkeit. Natürlich kann man nicht jede Anregung umsetzen, aber ich habe schon die eine oder andere Idee aus solchen Gesprächen mitgenommen.

Wie geht man auf einer Messe mit dem Wettbewerb um?

Trautmann: Respektvoll, kollegial, oft sogar freundschaftlich. Man kennt sich ja, schließlich sind wir eine eher kleine Gemeinde. Sie besuchen uns am Stand und schauen sich um. Ich gehe zu ihren Ständen und schaue mich auch um. Manchmal trinkt man einen Kaffee, fachsimpelt ein wenig und unterhält sich über die Branche. Warum auch nicht? Auf Messen wird ja nichts Geheimes gezeigt, jeder kann ein Produkt kaufen und daheim im Labor untersuchen, wenn er möchte. Solange jeder offen und ehrlich ist und sich an die Spielregeln hält, kommen wir prima miteinander aus.

Teil des Messestandes IAA 2018

Haben Sie Interessantes entdecken können?

Trautmann: Ja, natürlich. Auch in anderen Unternehmen arbeiten clevere Entwickler. Und das gilt nicht nur für den Wettbewerb, sondern auch für unsere Partner und Kunden. Ich finde es sogar toll, wenn jemand eine neue Lösung entwickelt hat, weil es zeigt, dass man immer ein bisschen besser werden kann. Und da ist eine Messe ideal, weil man sich zentral über viele neuen Technologien und Ideen informieren kann. Das ist wichtig, denn je früher man etwas weiß, desto eher kann man über künftige Aufgaben und Schwerpunkte für sich, sein Team und sein Unternehmen nachdenken.