Als 2007 die Feinstaubplakette eingeführt wurde, war es für Dieselfahrer gar nicht einfach, die begehrte grüne Ausführung zu bekommen. Nur rund 20 Prozent aller Diesel-Pkw erfüllten damals die notwendige Schadstoffklasse Euro 4. Heute ist das anders, man muss schon suchen, um überhaupt noch gelbe oder rote Plaketten zu finden. Grund: Inzwischen sind über 90 Prozent aller Diesel-Pkw so sauber, dass sie nach Euro 4, 5 oder 6 klassifiziert werden.

Natürlich hat sich mit der Modernisierung des Diesels ganz unabhängig von der Plakette auch das Thema Feinstaub entspannt. Überschreitungen des von der EU festgelegten Grenzwertes von über 50 µg/m³ Feinstaub der Partikelgröße PM10 an mehr als 35 Tagen im Jahr konnte man 2016 nur noch in Stuttgart beobachten. Zehn Jahre früher gab es deutschlandweit noch 33 Städte und Gemeinden, die zum Teil mehrfach deutlich über dem Grenzwert lagen. Und dennoch: Feinstaub gibt es immer noch. Würde man den Grenzwert, wie die EU aktuell diskutiert, nur ein wenig verschärfen, würden neben Stuttgart sofort 25 weitere Städte erneut vor einem ernsten Problem stehen. Also noch strengere Grenzwerte für den Autoverkehr?

Bremsstaubfilter

Jein. Der Verkehr ist damals wie heute nur ein Teil des Problems: Er ist für knapp die Hälfte der Feinstaubbelastung verantwortlich. Private Heizungen, die Industrie und die Landwirtschaft teilen sich die andere Hälfte. Deshalb ist es natürlich sinnvoll, beim Verkehr nach weiteren Optimierungen zu suchen – auch wenn dadurch alleine das Problem nicht gelöst werden kann.

Bremsabrieb

MANN+HUMMEL widmet sich diesem Thema seit vielen Jahren. Wir wissen natürlich, dass Feinstaub beim Auto heutzutage nur zu etwa zehn Prozent aus den Auspuffrohren kommt. Das Gros entsteht durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb sowie den aufgewirbelten Staub. Selbst wenn wir also morgen alle mit Elektroautos durch Stuttgart fahren würden, würde das die Belastung nicht wirklich verringern.

Bremsstaub

Zur aktuell laufenden IAA in Frankfurt können wir nun einen Prototypen vorstellen, der dort ansetzt, wo es wohl kaum jemand vermutet: an den Bremsen. Allein der dort entstehende Staub macht rund ein Fünftel der verkehrsbedingten Feinstaubemissionen aus, wie eine Untersuchung der Empa (Schweizer Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) ergab. Wenn man bedenkt, dass vier neue Bremsbeläge rund anderthalb Kilogramm wiegen, die sich während ihrer Lebenszeit in Staub verwandeln, wird die Dimension deutlich. Wir sprechen auch nicht mehr nur von den Dieselmotoren, sondern von allen Antriebskonzepten. Und das umfasst um die 60 Millionen Autos allein in Deutschland.

Den Abrieb zu filtern, bevor er in die Luft eintritt, wäre eine gute Sache. Wir haben also geforscht und entwickelt. Und eine Methode gefunden, die aktuell rund 80 Prozent des Bremsabriebs direkt am Entstehungsort sammelt. Das erreichen wir mit einem robusten Gehäuse, dass in unmittelbarer Nähe des Bremssattels montiert wird. Darin befindet sich ein Filter aus temperatur- und korrosionsbeständigem Material. Es ist so ausgelegt, dass er die unterschiedlichen Partikelgrößen effizient filtern kann. Das ist wichtig, denn Bremsstaub besteht zu über 90 Prozent aus besonders kleinen Teilchen, die tief in die Lunge eindringen können. Zudem haben wir die Geometrie des Filters so optimiert, dass der an der Bremse entstehende Luftströme die Partikel genau in den Filter leitet, dabei aber die Kühlung der Bremsscheiben nicht signifikant behindert. Geplant ist, dass ein Wechsel des Filters erst mit dem Wechsel der Bremsbeläge notwendig wird, aber hier sind wir noch in der Entwicklung.

Feinstaubemissionen

Um auch darüber mehr zu erfahren, ist unser Bremsstaubpartikelfilter aktuell in der Realerprobung. Dafür ist er in unsere speziell ausgerüsteten Feinstaubfresser-Fahrzeuge eingebaut. Sie verfügen noch über einen auf dem Dach installierten Filter, der Feinstaub aus der Umgebungsluft abscheidet. Zudem schützen sie die Insassen durch einen innovativen Innenraumluftfilter, der neben Stäuben auch Stickoxide besonders gut binden kann. Der Test findet in der Region Stuttgart statt. Das ist sicher eine gute Wahl, denn wie eingangs erwähnt, ist die Feinstaubbelastung hier nach wie vor ein echtes Thema. Aktuell haben wir die Fahrten des Feinstaubfressers allerdings kurz unterbrochen, da das Fahrzeug von Mitte bis Ende September auf die IAA in Frankfurt steht. Hier zeigt er einem interessierten Publikum, was er als Technologieträger alles kann. Und wie MANN+HUMMEL bekannten Problemen mit neuen Ideen begegnet.