In meiner Blogserie „Was macht eigentlich…?“ stelle ich (Arne Bauer) Berufsbilder bei MANN+HUMMEL vor. Als „rasender Reporter“ schaue ich den Mitarbeitern an den deutschen Standorten über die Schulter. Für meinen zweiten Beitrag begleitete ich die Ausbildungsleiterin Ursula Fritz in der Lehrwerkstatt in Ludwigsburg.

Was macht eigentlich eine Ausbildungsleiterin in Ludwigsburg?

Ursula Fritz steht telefonierend hinter ihrem Schreibtisch in ihrem Büro, von dem aus man die Ludwigsburger Lehrwerkstatt bestens im Blick hat. „An manchen Tagen bimmelt das Telefon ununterbrochen“, meint die Ausbildungsleiterin. Kein Wunder, betreut sie doch zwischen 80 und 90 Auszubildende und Studenten. In Ludwigsburg lernen derzeit 31 Auszubildende und 49 DHBW-Studenten bei MANN+HUMMEL.

Georgios Kostakopoulos ist einer dieser Studenten. Der „Bits und Bytes-Jongleur“, wie Fritz die Wirtschaftsinformatiker schmunzelnd nennt, wird zwei Monate lange in Shanghai arbeiten. Gemeinsam diskutieren die beiden mögliche Zeiträume und die Finanzierung von Flug und Unterkunft. „Passt“, ist Kostakopoulos schnell einverstanden mit dem Terminvorschlag seiner Ausbildungsleiterin.

Ausbildungsleiterin Ursula Fritz mit Georgios Kostakopoulos

Für diese beginnt die Arbeit als Reiseleiterin: Sie stellt den Kontakt mit dem Ansprechpartner vor Ort her und bucht den Flug. „Das ist immer spannend, da kann man sich nie Routine aneignen“, beschreibt Fritz den Reiseleiter-Part ihres Jobs als Ausbildungsleiterin. Reisen ins Reich der Mitte seien bis vor kurzem noch unkompliziert gewesen. Inzwischen muss ein „invitation letter“ vom Arbeitgeber vorliegen, bevor ein streng befristetes Visum beantragt werden kann. Es lohnt sich, findet Fritz: „Ein Auslandsaufenthalt birgt riesiges Lernpotential, sowohl fachlich als auch persönlichkeitsbildend“.

„Damals bin ich durch Zufall bei MANN+HUMMEL im Vertrieb gelandet“, beschreibt sie ihren Werdegang. Nach Lehramtsstudium und Referendariat erwies sich die Suche nach einem Platz an einer Schule als unerwartet schwierig. Spontan bewarb sich Fritz im Vertrieb bei MANN+HUMMEL, parallel zum Job absolvierte sie an der Abendschule eine kaufmännische Ausbildung. Nach einigen Jahren bewarb sich die Pädagogin für die Stelle der Ausbildungsleiterin. Seit ihrem Antritt vor über 20 Jahren ist sie unzähligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ans Herz gewachsen, die bei MANN+HUMMEL ihre Ausbildung absolviert haben. Mit ihrer Erfahrung ermutigt sie heute zur Flexibilität: „Leute, ihr müsst auch ein bisschen offen sein.“

Gemeinsam mit den Ausbildungsmeistern Armin Holzinger und Nils Florian Kranich will Ursula Fritz den Auszubildenden ein Vorbild sein: „Was ich zu den Azubis sage, das dürfen sie auch zu mir sagen.“ In Projekten wie dem Aufbau einer Stromtankstelle oder Messeauftritten arbeiten Auszubildende und Studenten berufsübergreifend zusammen.

Bei manchen Projekten arbeitet Ausbildungsleiterin Ursula Fritz mit Auszubildenden und Studenten gemeinsam

„Das ist von unschätzbarem Wert für den gegenseitigen Respekt und die Anerkennung“, weiß Fritz. „Fördern durch entsprechendes Fordern“ lautet das Motto der Ausbildungsleiterin. In den Fachbereichen bekommen die Auszubildenden große Verantwortung übertragen, lobt Fritz: „Das zeichnet uns als Unternehmen schon aus.“ Die Ausbildung werde von allen Beteiligten als wichtiges Thema wahrgenommen. Auf die Tatsache, dass bei MANN+HUMMEL zahlreiche Eigengewächse Führungspositionen besetzten, ist sie stolz.

Neben den unzähligen organisatorischen Aufgaben hält die Pädagogin hin und wieder innerbetrieblichen Unterricht. Dort geht es einerseits um betriebliche Themen wie die Bilanzpressekonferenz, andererseits auch um schulische Themen wie die Prüfungsvorbereitung. „Das mache ich gern“, kommentiert Fritz. „Ganz wichtig“ sei auch ein regelmäßiges und ausführlich Feedback an die Auszubildenden und Studenten. Als IHK-Prüferin nimmt Ursula Fritz auch selbst praktische Leistungsnachweise ab, zudem organisiert sie Veranstaltungen wie den Girls‘ Day, Schülerbesuche oder Infoabende für die Eltern der Auszubildenden.

Dass Ausgelernte ihre einstige Ausbildungsstätte immer wieder besuchen, zeugt davon, dass sie sich unter den Fittichen ihrer Lehrmeister wohl fühlten. Fabian Lehmann schloss vor wenigen Jahren seine Ausbildung zum Industriemechaniker ab, am Nachmittag schaut er kurz in der Lehrwerkstatt vorbei.

Ursula Fritz mit Fabian Lehmann

„Die Ausbilder haben sich immer eingesetzt“, erinnert er sich zurück. In der Lehrwerkstatt putzen die letzten Auszubildenden um 15:30 Uhr ihre Maschinen, es kehrt langsam Ruhe ein –  für Ursula Fritz die Gelegenheit, neben den operativen Aufgaben auch mal einen Blick auf strategische Themen zu werfen.