Wir wollten schon immer nach Namibia reisen. Vor allem der Tiere wegen. Und im Herbst 2010 konnten meine Frau und ich uns diesen Wunsch endlich erfüllen. Wir packten also unsere Koffer, machten uns gemeinsam mit dem Cousin meiner Frau und dessen Frau auf große Namibia-Rundfahrt. Nun ist der Staat im südlichen Afrika mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Da wir aber gut fünf Wochen Reisezeit eingeplant hatten, sollten wir mit unserer ambitionierten Reisestrecke keine Probleme bekommen. Wobei es „ambitioniert“ wirklich trifft: Wir waren rund 5.000 Kilometer unterwegs!

Unsere Reise begann in der Hauptstadt Windhoek, führte dann in den Süden über Keetmanshoop in den Fischriver Canyon und nach Aus. Von dort ging es Richtung Küste nach Lüderitz und anschließend weiter zu den Sossusvlei Dünen im Westen. Es folgte die Walfischbucht bei Swakopmund weiter nördlich, dann schwenkten wir nach Nordosten in den Etosha Nationalpark und weiter nach Westen in den Caprivizipfel. Von dort führte uns unsere Route nach Simbabwe zu den Victoria Wasserfällen, nach Botswana in Okavangodelta und schließlich zurück nach Windhoek.

Für mich persönlich war besonders der Abstecher nach Süden von großer Bedeutung – zusammen mit der Tatsache, dass wir die Reise im Jahr 2010 antreten konnten. In diesem Jahr war es genau 100 Jahr her, dass mein Vater als junger Soldat mit der damaligen deutschen Schutztruppe im Land stationiert war. Das war schon rein körperlich kein einfaches Unterfangen, wie mir mein Vater zu seinen Lebzeiten noch erzählt hatte. Beispielsweise durchliefen die Soldaten acht- bis neunmal einen Gesundheitscheck, der letzte fand auf der Schiffpassage statt – und selbst hier wurden einige Soldaten wieder nach Hause geschickt. Mein Vater überstand alle Tests und versah dann von Herbst 1910 bis Frühling 1914 seinen Dienst.

Zuerst aber musste er reiten lernen, lernte dabei die Segnungen von Wundsalbe kennen und wurde anschließend am südlichen Rand der Namib-Wüste zur Grenzbeobachtung eingesetzt. Es war kein aufregender Dienst, damals, zu zweit im Nirgendwo, östlich des kleinen Ortes Koes, ein Stück Grenze bewachen und gespannt auf den Ochsentreck wartend, der etwa alle sechs Wochen frisches Wasser und Verpflegung brachte. Dennoch war es für ihn eine einprägsame Zeit als Kompanie-Jäger zu Pferde – und ich verstehe jetzt, 100 Jahre später, viel besser, was mein Vater über seine Zeit in Afrika erzählt hat.

Oldhimer VW Käfer

Natürlich war für uns auch der Rest der Reise ein unvergessliches Abenteuer. Namibia ist sandig und sonnig, hat aber einzigartige Landschaften und eine unvergleichliche Tierwelt zu bieten. Wir haben es genossen, wenngleich ich vielleicht doch einen Wagen mit Allradantrieb hätte mieten sollen, denn abseits der größeren Straßen wird es schnell schlüpfrig. Das gilt natürlich nicht für den Transatlantik Highway, auf dem wir gegen Ende unserer Reise auf dem Weg zurück nach Windhoek waren.

Heinz Müller

Wir bogen gerade zu unserem nächsten Nachtquartier ab, als auf einem Parkplatz rund 35 Teilnehmer einer kleinen, aber feinen Oldtimer Rallye standen. Ich musste natürlich anhalten und mich umschauen. Die Teilnehmer waren alles deutschstämmige Farmer aus der Umgebung von Gobabis. Wir sagten Hallo und schauten uns um. Da waren Fords, Chevys, ein Renault R5 und auch zwei VW-Käfer dabei.

Luftfilter

Ein Käfer, Baujahr 1953,  und einer, man staune, aus dem Jahre 1951! Natürlich hat mich das interessiert. Ich fragte, wem welches Fahrzeug gehöre und ob ich einmal in den Motorraum schauen dürfe. Gern, war die Antwort. Der Besitzer des 51er Käfers öffnete mir die Heckklappe und sagte: „Es ist alles original bis auf den Luftfilter. Den kann ich hier aufgrund des hohen Staubanfalles nicht benutzen.

Aber ich habe ihn vorn im Kofferraum liegen.“ Er holte ihn und ich erkannte den MANN+HUMMEL Filzkegelfilter. Da war ich natürlich platt, sozusagen sprachlos, denn schließlich hatte ich 40 Jahre lang mit Luftfiltern zu tun, davon 36 Jahren im Außendienst mit VW. Und so hatte mich ein weiteres Stück meiner Vergangenheit eingeholt. Absolut bemerkenswert!