Wussten Sie, dass die gesamte Rechenleistung der ersten Mondlandung im Jahr 1969 heute ein handelsübliches Smartphone bewältigen könnte? Ich habe diesen Vergleich neulich gelesen und war zuerst wahrscheinlich genauso erstaunt darüber wie Sie. Nachdem ich aber darüber nachgedacht habe, legte sich mein Erstaunen. Schließlich sehe ich fast tagtäglich, wie sich das Leistungsvermögen von Computern entwickelt. Am Standort Ludwigsburg arbeite ich als Director Engineering/Validation im Bereich Erstausrüstung Automobil gemeinsam mit erfahrenen Simulations-Ingenieuren. Smartphones würden uns hier nicht weiterhelfen, dank leistungsstarker Computer und hochspezialisierter Software können wir jedoch das Verhalten von einzelnen Komponenten, aber auch ganzen Systemen vorhersagen – ohne das es das Produkt selbst bereits geben würde.

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Ich mache das jetzt seit mehr als einem Jahrzehnt. Und die Arbeit fasziniert mich wie am ersten Tag. Auch, weil sich viel getan hat in diesen gut zehn Jahren. Sicher, seit es Computer gibt, werden Produkte virtuell getestet, modifiziert und optimiert – lange vor der eigentlichen Produktion. Das senkt Entwicklungszeiten, reduziert Kosten und steigert die Produktqualität. Der Quantensprung, den wir allein seit Anfang des Jahrtausends gemacht haben, ist dennoch bemerkenswert. Nehmen wir als Beispiel ein Saugrohr, durch den ein Motor die Verbrennungsluft ansaugt. Für die Simulation der Luftströmung hat ein Rechner 2003 noch etwa fünf Tage gebraucht. Heute ist das nach zwei Stunden erledigt. Dazu kommt, dass auch die verwendeten Software-Produkte immer besser und leistungsfähiger werden. So erreichen wir heute in der Simulation Vorhersagegenauigkeiten von rund 90 Prozent. 

Dennoch ist die Technik nur ein Aspekt dieses Fortschritts. Entscheidend ist es, wie jemand damit umzugehen versteht. Sie können das mit einem Koch vergleichen. Selbst die besten Zutaten garantieren kein ausgezeichnetes Mahl, wenn der Koch nichts taugt. Um also zu gewährleisten, dass unsere Mitarbeiter in der Simulation – und zwar nicht nur in Ludwigsburg, sondern an allen unseren weltweiten Standorten mit entsprechenden Einrichtungen – bestmögliche Leistungen erbringen können, bilden wir sie selbst aus und legen großen Wert auf eine kontinuierliche Weiterbildung. Das ist wichtig, denn zum einen kann man den Beruf des Simulations-Ingenieurs nicht studieren. Zum anderen bedarf es einer sehr umfangreichen und gründlichen Ausbildung, um die sehr komplexen Zusammenhänge richtig simulieren zu können. Also schulen wir in Ludwigsburg und entwickeln dafür individuelle Trainingsprogramme, die die Vorbildung jedes Einzelnen genauso berücksichtigt wie seine späteren Aufgaben. Ein wichtiger Fokus dabei: Unsere Simulations-Ingenieure sollen nicht nach „Schema F“ arbeiten, sondern Ideen haben und diese in ihre Arbeit einbringen.

Dass sich dieser Aufwand lohnt, sehe ich jeden Tag. Wir können bei MANN+HUMMEL nicht nur auf umfassendes Know-how zurückgreifen. Es zeigt sich zudem jeden Tag, mit wie viel Engagement und Esprit sich mein Team an der Entwicklung von neuen Produkten beteiligt. Dabei spielt natürlich das bereichsübergreifende Teamwork eine wichtige Rolle: So gut beispielsweise ein Konstrukteur auch gearbeitet hat, die Simulation schafft es immer wieder, kleine, aber entscheidende Verbesserungspotenziale zu finden, die dann in der Zusammenarbeit besprochen und auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft werden. Hier haben schon kleine Änderungen Auswirkungen auf Dinge wie Strömungsverhalten, Druckverlust, mechanische Belastungen, akustisches Verhalten und vieles mehr. Auf der anderen Seite bekommen wir auf der Basis unserer Ergebnisse auch neue Vorschläge aus der Konstruktion oder später dem Musterbau, die uns wiederum helfen, unsere Analysemethoden zu verfeinern. Es ist ein Geben und Nehmen, ein Austausch für ein gemeinsames Ziel. Nur deshalb entstehen in der Zusammenarbeit mit allen involvierten Abteilungen von der Konstruktion über den Musterbau bis hin zum Vertrieb so oft außergewöhnliche Resultate. Und ich kann mich auch heute noch jedes Mal freuen, wenn ich manch ein neues Auto das erste Mal auf der Straße sehe und weiß, dass wir einen Anteil daran hatten, dass in ihm ein besonders innovatives Produkt von MANN+HUMMEL arbeitet.