Namibia ist immer eine Reise wert. Das versprechen nicht nur die bunten Prospekte der Reiseveranstalter, sondern es stimmt wirklich. Ich war bereits vor fünf Jahren dort und jetzt, von Ende September bis Mitte Oktober 2015, waren meine Frau und ich gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar wieder auf großer Fahrt durch das „Land der Tapferen“ im südlichen Afrika. Natürlich haben wir gesehen, was man als Tourist sehen muss. Doch es gab auch eine Begegnung, die ich nicht erwartet hätte.

Nach einem Ausflug in den Etosha Nationalpark führte uns unser Rückweg durch Otjiwarongo. In der Bantusprache Herero heißt das übrigens „Schöner Platz der fetten Rinder“. Nun ja – auf jeden Fall suchten wir in der kleinen Kreisstadt, die rund 28.000 Einwohnern hat, ein Restaurant. Am Straßenrand entdeckten wir ein Hinweisschild auf die „Casa Forno“ und fuhren direkt dorthin. Schon von außen machte das Anwesen einen einladenden Eindruck und so traten wir durch den Eingang in den noch schöneren Innenhof. UND DA STAND ER DANN! Zwar nur auf den tadellos rot lackierten Felgen, aber er stand da: ein kleiner, grüner Fendt-Schlepper aus Markt Oberdorf. Das musste ich mir natürlich genauer ansehen.

Es handelte sich um ein Fendt Dieselross F12 GH, Baujahr 1953 – also das Modell mit Wasserkühlung. Rund 7.500 Stück hat Fendt damals davon verkauft, zum Stückpreis von etwas über 5.000 Mark. Das war ein echter Erfolg. Der kleine Schlepper leistete 12 PS, hatte sechs Gänge und kam auf rund 20 Stundenkilometer. Entscheidend für seinen Erfolg waren aber seine vielen positiven Eigenschaften: So überzeugte er mit einer hohen Bodenfreiheit und einem dennoch niedrigen Schwerpunkt, was für eine hohe Fahrsicherheit an Hängen sorgte. Er war außerdem mit nur gut einer Tonne Eigengewicht leicht und übte damit einen besonders geringen Bodendruck aus. Das machte ihn ideal für Hack- und Bestellarbeiten. Auch verfügte er über eine für seine Größe außerordentlich hohe Zugleistung, dank seines langen Radstands über eine erstaunliche Straßenlage und sah dabei auch noch toll aus.

 

Was mich aber an dem Fendt in Otjiwarongo ganz besonders begeisterte, war etwas ganz anderes: Angebaut war an ihm noch der Original-Ölbadluftfilter von MANN+HUMMEL, Typ LOZ 2-76, ebenfalls ordentlich lackiert, mit der gut lesbaren Prägung „Verschlammtes Öl wechseln“. Nicht so gut sichtbar, aber ebenfalls im Fendt vorhanden, ist übrigens auch ein MANN-Ölspaltfilter, Typ: J 2406-14 B. Beide Filter kamen ohne spezielle Filtermaterialien aus, was die Wartungskosten gering hielt. Und beide begegneten mir auch in meiner Anfangszeit bei MANN+HUMMEL, als ich in der damaligen Entwicklungsabteilung an neuen Filtern dieser Art gearbeitet habe, die auch für die zunehmend leistungsstärkeren Motoren geeignet waren.

Natürlich wollte ich wissen, wie der kleine Fendt-Schlepper nach Namibia gekommen ist und was er alles erzählen könnte? Wo er wohl eingesetzt wurde? Ich habe versucht, es herauszubekommen, aber der Besitzer des Restaurants war an diesem Tag leider nicht da. Und so werden wir es wohl nie erfahren. Dennoch habe ich mich sehr gefreut, ein derart altes Produkt zu sehen – mit Teilen von der Firma, für die ich 40 Jahre lang tätig war.