In den 1970er und 1980er Jahren fanden viele Sommererprobung für unseren norddeutschen Großkunden in Algerien und Tunesien statt. Mein „Topthema“ war jedes Mal: Wie komme ich in die jeweilige Oase? Da Air Algerie ab Frankfurt immer nachmittags flog, musste man zwangsläufig in Algier übernachten. Ich hatte mir eine Hotelliste angefertigt, in der ich mögliche Unterkünfte qualitätsmäßig absteigend aufgelistet habe. Das war notwendig, denn oft war mein Wunschhotel ausgebucht. „Da ist irgendeine Konferenz“, wusste schon der Taxifahrer – und leider hatte er meistens recht. Ich habe aber immer eine Unterkunft gefunden, wenngleich nicht immer eine, in der ich gern übernachtet habe.

Am nächsten Morgen ging es früh weiter. Ab 7.00 Uhr flogen kleine Propellermaschinen vom Inlandsflugplatz in die Wüste. Auf dem Flugfeld standen hunderte Passagiere, gaben ihr Gepäck ab und suchten dann die richtige Maschine: Chaos pur! Mitten in dieser Menge stand ich – jedes Mal eine echte Herausforderung, zumal ich die Hinweisschilder in arabischer Schrift nicht lesen konnte. So kam ich auf die Idee, mir eine Alternative zu suchen. Ich fand sie in einer neuen Reiseroute, die mich über die Schweiz nach Algier führte. Der Flieger sollte dort gegen Mittag eintreffen und ich so direkt die Nachmittagsflüge in die Oase erreichen. Soweit die Theorie.

Auf der Staubpiste bei Biskra

Auf der Staubpiste bei Biskra

Praktisch war es dann am 30. September 1978 soweit. Ich kam in Algier an und wollte für meinen Weiterflug nach Biskra einchecken. Am Abflugschalter eröffnete man mir, dass die nächsten vier Tage kein Flugzeug nach Biskra gehen würde. Ich wollte das nicht glauben, fragte am Schalter der Swissair nach, wo man mir den Sachverhalt bestätigte. Ich solle ins Touristenzentrum fahren und am Mittwoch wiederkommen. Doch das war für mich nicht akzeptabel. Ich fuhr also mit dem Flughafenbus ins Stadtzentrum zum Büro von Air Algerie und suchte dort nach einer Lösung. Die einzige Alternative: Abends fährt ein Bus vom Hafen nach Biskra. Also schnappte ich mir einen jungen Mann mit „Sackkarren“ und wir gingen zum Hafen. Er beschaffte mir die Busfahrkarte, sogar mit Sitzplatz. Der Bus sollte um 20.30 Uhr abfahren, ich musste also vier Stunden warten.

Berberdorf im Atlasgebirge – Blick in die Schlucht

Berberdorf im Atlasgebirge – Blick in die Schlucht

Der Bus war auf schwäbisch „grammelt voll“, aber ich saß drin. Kurz nach Mitternacht machte der Fahrer seine erste Pause. Es gab ein Lokal, in dem konnte man Getränke und süße, sehr farbige Backwaren kaufen. Grün, gelbe, rot, blau? Egal, ich hatte Hunger und die Fahrt würde ja noch zwei, drei Stunden dauern. Dachte ich. Was ich nicht wusste: der Bus fuhr die 400 Kilometer nach Biskra keineswegs direkt, seine Route ging über Schleifen und viele Orte über das Atlasgebirge hinweg. So saß ich Sonntagfrüh immer noch im Bus, als der Busfahrer einen zweistündigen Stopp ankündigte, er müsse ja mal schlafen …

Hotel Zibans in Biskra

Hotel Zibans in Biskra

Am folgenden Tag ging es so weiter. Stopps, Leute stiegen aus, klappten den Kofferraum des Busses auf, nahmen ihr Gepäck und verschwanden. Manchmal war nicht festzustellen, wohin sie gingen, für mich waren an vielen Haltestellen nur Sand und drei Palmen zu sehen. Gegen Mittag hatten wir um die 40 Grad Außentemperatur, entsprechend heiß war es im Bus. Aber das Schlimmste für mich auf dieser Fahrt war die Musik: Eine Dauerberieselung mit arabischer Klängen sind für das europäische Ohr nicht uneingeschränkt erträglich. Aber auch ein Bestechungsversuch beim Busfahrer half nichts.

Hotel Zibans in Biskra

Hotel Zibans in Biskra

Am Abend erreichten wir endlich Biskra. Ich war also Samstag früh um 6.00 Uhr aufgestanden und am Sonntag gegen 19 Uhr im Hotel angekommen. Meine VW-Freunde saßen beim Abendessen und waren über mein Erscheinen sehr überrascht. Ich war nur froh, endlich da zu sein und denke auch heute ab und zu an diese „heiße Busfahrt“. Vor allem, wenn ich die kleine Schallplatte mit der für mich „sehr fremden“ Musik in Händen halte, die ich mir dann doch einmal gekauft habe.