Als MANN+HUMMEL Expat habe ich über die letzten Jahre viele Eindrücke auf meiner interkulturellen Reise durch Brasilien, China und Indien sammeln können. Im ersten Teil meiner Serie habe ich berichtet, wie ich Expat wurde und wie solche Auslandsaufenthalte vorbereitet werden. In diesem Beitrag habe ich für Sie ein paar Ausschnitte aus meinen persönlichen Erfahrungen in den verschiedenen Ländern zusammengestellt.

Brasilianisches Grillen – ein heiße Empfehlung

Meine Geschichte beginnt in Brasilien, wo ich ab Juni 2008 für zwei Jahre als Manager Operations Controlling tätig war.

Eine der besten Gelegenheiten, die Gastfreundschaft der Brasilianer kennenzulernen, ist beim Churrasco, dem brasilianischen Barbecue. Hier zeigt sich immer wieder die gesellige brasilianische Lebensweise: Die Freizeit wird gemeinsam mit Familie und Freunden bei Musik und leckerem Essen verbracht. Dabei isst aber nicht jeder von seinem eigenen Teller. Alles wird in kleine Portionen aufgeteilt und der Teller wandert durch die Runde. Die Churrascos finden oft im Grünen außerhalb der Stadt statt, auf sogenannten Chaccaras, kleinen (oder großen) Landsitzen, auf denen man sich von der Hektik des Alltags erholt. Oft bleiben die Leute bis in die Nacht zusammen und diskutieren über Brasiliens Lieblingsthema: Fußball. Mein Fazit: Bei keiner anderen Gelegenheit kommt man Kultur und Leuten näher als beim Churrasco.

Brasil

Das Problem mit der Sicherheit in Brasilien

Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Brasilien oft weit auseinander. Wer es sich leisten kann, lebt unter dem Schutz von Sicherheitspersonal in geschlossenen Wohnanlagen. Ein Bild, an das ich mich erst gewöhnen musste: Überfälle sind in Brasilien keine Seltenheit und man sollte dementsprechende Vorsicht walten lassen. In vielen Gegenden wird daher keiner in der Nacht an einer roten Ampel anhalten und stehenbleiben. Meiner Familie und mir sind negative Erfahrungen zum Glück erspart geblieben. Die Stadt Indaiatuba, in der wir lebten und die MANN+HUMMELs brasilianisches Hauptquartier ist, gilt im Vergleich zu den Metropolen aber auch als sicher und lebenswert. Sie wurde bereits mehrfach als beste Stadt zum Leben und Arbeiten in Brasilien ausgezeichnet.

Shanghai – eine Stadt der Gegensätze

Von Brasilien reisten wir direkt zu unserer nächsten Station: China. Hier war ich für zweieinhalb Jahre Leiter des Controllings und habe mit meiner Familie in Shanghai gelebt.

Shanghai Pudong

Einen Rundgang durch diese pulsierende Metropole sollte sich niemand entgehen lassen: Moderne Hochhäuser und traditionelle chinesische Bauwerke ergeben ein unheimlich kontrastreiches Stadtbild. In kleinen Gassen sitzen Einheimische am Straßenrand. Sie sind in ihre Handarbeiten vertieft oder spielen Karten. Dahinter ragen 400 Meter hohe, atemberaubende Wolkenkratzer aus Glas, Stahl und Beton in die Höhe. Ein Tag, eine Tour, aber viele unbezahlbare Eindrücke.

China

China, ein Land der Symbole

Symbole haben in China eine große Bedeutung – im Positiven wie im negativen Sinne. Und oftmals haben die Symbole in China eine ganz andere Bedeutung als in Europa.

Zwei Beispiele: Drachen, die in Europa traditionell als Ungeheuer gesehen werden, gelten in China als das wichtigste aller glücksbringenden Tiere. Unser Sohn ist dem chinesischen Kalender nach als goldener Feuerdrache zur Welt gekommen. Sein Glück, denn besser geht es nicht.

Auf der anderen Seite würden sich viele Europäer sicherlich über eine Uhr als Geschenk freuen. In China sollte man allerdings besser keine Uhr verschenken, auch wenn sie noch so wertvoll ist. Sie ist Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens und ein solches Geschenk wäre ein Affront gegenüber dem Beschenkten.

Incredible India

Nach der spannenden Zeit in China ging es für uns weiter nach Indien, wo ich bis August letzten Jahres die kaufmännische Leitung der Landesgesellschaft innehatte. Was wir hier erlebt haben, ist schwer in Worte zu fassen – man muss es einfach mit eigenen Augen sehen!

‚Incredible India‘, das ist das Motto, mit dem die indische Tourismusindustrie für das Land wirbt. ‚Incredible‘, übersetzt ‚wunderbar‘ oder ‚unglaublich‘, ist für mich eine passende Umschreibung dieses facettenreichen Landes der Gegensätze. Ich habe dort mit meiner Familie atemberaubende Landschaften kennengelernt, zum Beispiel in den Himalayas oder in Kerala, dem Land Gottes.

Und wir standen in Verkehrsstaus, die mal durch Kühe oder Affen und mal durch Elefanten oder Kamele Traffic India 2auf den Straßen verursacht wurden. Indien war von all unseren Stationen bisher die Intensivste: der Lärm. Der Staub in Bangalore. Die vielen Menschen, die oft zu Fuß, auf Mopeds oder in Rikshas unterwegs sind. Der chaotische Verkehr, in dem im Stadtverkehr trotzdem verhältnismäßig wenige Unfälle geschehen, obwohl die Verkehrsregeln hier eher Empfehlungscharakter haben. Die Farbenpracht der Saris, in denen die Frauen traditionell gekleidet sind. Das leckere, aber für Ausländer oftmals höllisch scharfe Essen. Das Leben in Indien in Kürze mit Worten zu beschreiben, das geht nicht. Dafür ist es zu unglaublich.

Indien – Land der Religionen

Kaum ein anderes Land der Welt ist Heimat für so viele Religionen wie Indien, die Mehrheit der Inder gehört aber dem Hinduismus an. Die Religion ist fest in den indischen Alltag integriert – für die Terminfindung einer Einweihungsfeier oder eines Umzuges wird ganz selbstverständlich ein Priester konsultiert, um sicherzustellen, dass man den richtigen Tag für solch wichtige Ereignisse auswählt.

Ceremony India 1

Die zu solchen Ereignissen gehörenden Zeremonien, sogenannte Poojas, sind sehr feierlich und werden in der altertümlichen Sprache Sanskrit verlesen. Wir hatten das Glück an mehreren dieser Zeremonien dabei sein zu können und waren jedes Mal von der Leidenschaft beeindruckt, die bei diesen Anlässen zu spüren war. Wichtig ist, dass die Rituale mit der rechten Hand durchgeführt werden, die als rein gilt. Dies lässt sich auch im Alltag beobachten: Wer auf andere Personen zeigt, isst, jemandem die Hand geben oder Dinge entgegennehmen oder weiterreichen will, macht das nicht mit der linken Hand, da diese als unrein gilt.

 

Andere Länder, andere Sitten. Sich in fremden Kulturen zurechtfinden und dabei zu erfahren, welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten es gibt, hat mich schon immer fasziniert. Ein Auslandsaufenthalt heißt immer, um viele persönliche Erfahrungen reicher zu werden, doch er bedeutet auch, Kompromisse einzugehen. Wie sich das Leben als Expat mit Familie gestaltet, ob ich nach so vielen Jahren noch Heimweh habe und welche Station als nächstes geplant ist, erfahren Sie im letzten Teil der Serie: „Einmal um die Welt – und wieder zurück?“