Würden Sie meinen fünfjährigen Sohn fragen, was sein Vater arbeitet, würde er Ihnen vermutlich antworten: „Mein Papa macht die Luft sauber“. Und tatsächlich befinde ich mich in der phänomenalen Lage, in einem Innovations- und Nachhaltigkeitsbereich bei MANN+HUMMEL zu arbeiten, der sich mit der Qualität der Außenluft, und hier im Speziellen mit der Feinstaubreduktion, beschäftigt. Was mich daran so begeistert? Nun, zum einen haben wir viel mehr Freiheiten, zum anderen arbeiten wir an der Zukunft des Unternehmens mit. Doch erstmal der Reihe nach.

MANN+HUMMEL verfolgt das Innovationsprojekt zur Feinstaubreduktion bereits seit 2007. Ich selbst kam im August 2017  ins Team und leite die strategische Initiative seit Mitte 2018. Im vergangenen August haben wir damit begonnen, Feldtests mit Versuchsfahrzeugen, den sogenannten „Feinstaubfressern“ durchzuführen. Sie „fressen“ den Feinstaub zwar nicht im wörtlichen Sinne, filtern ihn aber aus der Luft heraus.

Zum Beispiel fängt der auf dem Dach der Fahrzeuge installierte Filter den Feinstaub aus der Umgebungsluft auf. Ein Bremsstaubpartikelfilter an der Bremsanlage verhindert die Abgabe von Bremsstaub an die Umgebung. Und die Insassen der Fahrzeuge werden durch einen NO2 Feinstaubkombifilter geschützt.

diverse Fahrzeuge mit dem Feinstaubfresser

Durch ihre auffällige Gestaltung sind die Fahrzeuge während ihrer Testfahrten im Raum Stuttgart und anderswo kaum zu übersehen. Meine Jungs sind immer ganz begeistert, wenn ich, da ich sonst nur mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre, ausnahmsweise mal mit dem „Feinstaubfresser“ nach Hause komme: „Uih, dürfen wir mitfahren?“, schallt es mir dann schon aus dem Hausflur entgegen. Na klar, dürfen sie 😉

Neue Ansätze im Projektmanagement

Mit der Technologieplattform „Feinstaubfresser“ betreten wir bei MANN+HUMMEL gleich in mehrfacher Hinsicht Neuland: Technologisch, in dem wir unser Know-how als Filtrationsspezialist auf neue, zukunftsorientierte Anwendungsfelder übertragen. Kundenseitig, weil wir (noch) keinen festen Auftraggeber haben, der mit exakten Vorgaben auf uns zu kommt und sagt, genauso machen wir das. Damit sind wir freier in der Entwicklung – und das gibt unserem Team die Chance, andere Arbeitsmethoden als die vertrauten auszuprobieren.

ein Teil des Feinstaubfresser-Teams

Ich denke hier an Ansätze wie Design Thinking oder SCRUM, mit denen Teams schneller und zielgerichteter arbeiten können. Design Thinking beispielsweise beruht auf der Annahme, dass Probleme besser gelöst werden können, wenn Menschen unterschiedlicher Disziplinen zusammen arbeiten, in einem Umfeld, das die Kreativität fördert. SCRUM wiederum ist eine agile Arbeitsmethodik, die uns in die Lage versetzt, sehr konzentriert an Themen zu arbeiten und in sehr kurzer Zeit haptische Ergebnisse, in Form von Prototypen, zu erzeugen und diese gemeinsam mit dem Kunden zu einem frühen Zeitpunkt zu testen.

Meßdaten vom Feinstaubfresser

Das muss im ersten Schritt auch kein 95-Prozent-Muster sein, 70 Prozent reichen anfangs auch. Zudem binden wir die Kunden zu einem sehr frühen Zeitpunkt in das Projekt ein und geben ihnen die Möglichkeit, sich stärker mit dem Thema zu identifizieren, weil sie ihre eigene Lösung mitgestalten können.

Was Stakeholder und Big Data mit dem Feinstaubfresser zu tun haben

Auch der Kontext, in dem wir uns als Innovationsteam bewegen, ist neuer, größer als anderswo. Wir interagieren mit einem viel größeren Kreis an Stakeholdern, nicht mehr nur den klassischen OEMs, Lieferanten und den Kollegen weltweit. Das Thema Feinstaub berührt Städte und Gemeinden – wie wir gerade gesehen haben, hat Hamburg als erste Stadt in Deutschland zwei Straßen für Pkw bzw. Lkw gesperrt, die nicht die Abgasnorm Euro 6 erfüllen.

Stuttgart zieht ab 01.01.2019 mit einem generellen Fahrverbot für alle Euro 4 Diesel oder älter nach. Wir bewegen uns in politischen und Wissenschaftsnetzwerken, arbeiten mit Instituten und Forschungskonsortien zusammen. Dies ist teilweise neu für uns oder wird deutlich intensiver als vorher betrieben.

Jan-Eric Raschke beim Interview

Noch ein anderer Aspekt ist spannend. Das Innovationsgeschehen rund um den Feinstaubfresser erfolgt im Zeitalter von Industrie 4.0 und Big Data. Auch wir arbeiten daran, unsere Technologien intelligent zu machen, die Testfahrzeuge mit Sensorik ausstatten, damit das System selbst messen kann, wie es ihm und der Außenluft geht. Per Internetanbindung lädt es die Daten in die Cloud. Mit den Daten, die wir aus den vielen Projekten sammeln, ergeben sich wiederum neue Märkte und Kunden.

Das Video war Teil der weltweiten, internen Kampagne „#ChallengeAccepted“ bei MANN+HUMMEL.

Und wir waren mit unserem Projekt Teil der weltweiten, internen Kampagne von MANN+HUMMEL und haben dieses Video gedreht. Mit ihm konnten wir unser Projekt ein Stück weit den weltweiten Kolleginnen und Kollegen näher zu bringen. Da wir dieses neue Feld bei MANN+HUMMEL als Erste betreten, möchten wir, dass die Kollegen in der Lage sind, es ein Stück weit zu verstehen und nachzuvollziehen. Die Firma gibt uns einen Vertrauensvorschuss, den wir möglichst zeitnah zurückzahlen möchten.

Jan-Eric Raschke hält einen Vortrag

Jeden Tag 5 km in die Arbeit und zurück

In dem Video bin ich als Radfahrer zusehen. Fahrrad fahren und Feinstaubfresser – beide Aspekte sind für mich einfach authentisch. Ich fahre jeden Tag die fünf Kilometer mit dem Fahrrad in die Arbeit, ganz egal wie das Wetter ist. Für mich ist es eine echte Alternative zu Auto, Bus und Bahn. Ich komme umweltfreundlich und günstig zur Firma und bin genauso schnell wie mit dem Pkw. Die 40 Minuten Sport pro Tag sind dann auch schon abgehakt.

Wir leben in einer Zeit, in der es vieles zu hinterfragen und manch‘ Altbewährtes über Bord zu werfen gilt. Um unserer Kinder willen müssen wir Dinge hinterfragen und uns ein Stück weit neu erfinden. MANN+HUMMEL macht das gerade – und ich bin stolz, dass unser Team daran mitarbeiten darf.