Über Feinstaub wird hierzulande viel diskutiert – doch wie ist die Situation eigentlich in Asien? Um dies herauszufinden, begaben sich mein Kollege Christoph Schulz und ich im März 2018 auf Dienstreise nach China, Japan und Indien, wo wir die MANN+HUMMEL-Niederlassungen besuchten. Das Ergebnis: Interessante Eindrücke und gute Aussichten für unser Innovationsprojekt, den „Feinstaubfresser“.

Chinesisches Haus

Unsere Reise führte uns zunächst nach Shanghai, wo MANN+HUMMEL ein Produktionswerk mit mehreren Hundert Angestellten hat. Wir selbst waren in Jiading, einem Vorort von Shanghai, untergebracht, der kaum von ausländischen Touristen besucht wird – für uns eine gute Gelegenheit, Alltagseindrücke zu sammeln und die lokale Kultur kennenzulernen. Vom Stadtbild her hatten wir zunächst den Eindruck, dass bereits viele Zweiräder und Busse elektrifiziert sind, zumindest die neueren Modelle. Wenn man sich im Straßenbereich bewegt, merkt man, wie hoch die Umweltbelastung trotzdem ist. Staub ist in China ein fühlbares Erlebnis.

Ansicht auf einen Park

PM10 versus PM2,5 – was genau messen wir eigentlich?

Ziel der Asienreise war es, den Kolleginnen und Kollegen in den jeweiligen Ländern über den Entwicklungsstand unserer Feinstaubfresser-Plattform zu informieren. Hierzu haben wir in den drei von uns besuchten Niederlassungen Shanghai, Yokohama und Bangalore Workshops abgehalten. Nachdem wir die Kollegen technisch auf Ballhöhe gebracht hatten, wollten wir von ihnen hören, wie relevant das Thema Feinstaub in ihren Ländern ist.

Wir fragten nach den gesetzlichen Grenzwerten und danach, wie die Bevölkerung das Thema empfindet? Außerdem haben wir mit den Kollegen darüber gesprochen, wie wir den Markteintritt in ihren Ländern vorbereiten können.

fast food auf asiatisch

Ein Aspekt trat relativ schnell zu Tage: Was genau wird eigentlich in Europa und Asien gemessen? In Europa fokussiert sich der Markt auf die Partikelgröße PM10. Das sind Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser von 10 Mikrometer oder kleiner. Seit dem Jahr 2000 gibt es in Deutschland flächendeckende Messungen zu dieser Partikelgröße, kleinere Partikel der Größe PM2,5 werden erst seit 2008 flächendeckend gemessen.

Treppe mit Beschriftung

In Asien und im Rest der Welt lag der Fokus von Anfang an auf den kleineren, schädlicheren Partikeln – vermutlich, weil dort noch nicht so lange gemessen wird. Teilweise haben Länder wie Japan und Korea sogar strengere Grenzwerte als Europa. In China und Indien sind die Grenzwerte zwar lockerer, doch diese Länder entwickeln sich rasant weiter.

Lokale Eindrücke sammeln

Am 15. März ging es weiter nach Japan. MANN+HUMMEL hat in Yokohama ein Verwaltungsbüro mit rund 30 Mitarbeitern. Yokohama ist Teil des Ballungsgebiets von Tokio und die zweitgrößte Stadt des Landes. Hier hatten wir die Möglichkeit, ein ganzes Wochenende zu verbringen. Wir haben die Zeit genutzt, in die lokale Kultur einzutauchen, haben in Straßenlokalen gegessen, sind mit U-Bahn und Bussen unterwegs gewesen und waren einkaufen. Besonders beeindruckt hat mich die Quirligkeit der Stadt und der sehr gut organisierte öffentliche Personennahverkehr.

Am 19. März reisten wir weiter nach Bangalore, der mit über acht Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt Indiens. Hier hat MANN+HUMMEL ein Entwicklungs- und Testzentrum mit mehr als hundert Kollegen. Wir kamen nachts am Flughafen an und fuhren mit dem Taxi durch die beleuchteten Straßen. Im Schein der Straßenlaternen konnte man die hohe Staubbelastung fast sehen. In Indien ist die Umweltverschmutzung sehr massiv.

Jan-Eric RaschkeHier gibt es viel Aufholbedarf, aber auch ein stark wachsendes und zunehmendes Umweltbewusstsein. Bangalore wird auch die „Gartenstadt“ genannt, da sie für indische Maßstäbe viele Parks besitzt. Gerade im Zentrum, im „alten“ Bangalore, kann man sich gut zu Fuß bewegen. Wir haben dort auch einen Tempel besucht.

Feinstaubbelastung – flächendeckend oder nicht?

Die Workshops in den asiatischen Niederlassungen waren für unser Team Feinstaubfresser extrem positiv. In allen Ländern ist den Mitarbeitern von MANN+HUMMEL das Thema Umweltverschmutzung bewusst. Sie sehen unsere Feinstaubfilter als große Chance für unser Unternehmen, sich dort ein neues Marktsegment zu erschließen. In China redet man ebenso wie in Indien von einem flächendeckenden Feinstaubproblem. In Japan ist es anders, auch weil die Japaner so strenge Grenzwerte haben. Eine echte Feinstaubbelastung gibt es nur in einzelnen Hotspots, dort wo Metro und Eisenbahn unterwegs sind.

asiatische TrachtWir haben mit den japanischen Kollegen einmal Messungen in der U-Bahn durchgeführt und konnten dort tatsächlich eine erhöhte Feinstaubbelastung feststellen. Für diesen Markt ist sicher eine stationäre Filtration interessanter.

Konkret haben wir in den Niederlassungen auch über ein mögliches Marketing für den Feinstaubfresser gesprochen. Wir hatten ganz unterschiedliche Designentwürfe dabei und haben die Mitarbeiter um ihr Feedback gebeten, ob sie diese für ihren Markt geeignet finden.

Von der Reise bin ich mit vielen neuen Eindrücken und interessanten Erfahrungen zurückgekommen. Für unser Feinstaubfresser-Projekt ist Asien definitiv der richtige Markt.

Der nächste Summit mit den Kollegen aus Indien, China, Korea und Japan ist bereits für Ende November in Singapur geplant.