„Meister fallen nicht vom Himmel,  sie stehen in der Werkstatt“, lautet ein Slogan der MANN+HUMMEL-Marke MANN-FILTER. Die ersten Gehversuche machen Nachwuchsingenieure bei MANN+HUMMEL in der Lehrwerkstatt unter den Augen von Armin Holzinger. Für meine Blogserie „Was macht eigentlich…?“ begleitete ich, Arne Bauer, den Ludwigsburger Ausbildungsmeister.

Was macht eigentlich ein Ausbildungsmeister in Ludwigsburg?

In der Lehrwerkstatt in Ludwigsburg wimmelt es von Lehrlingen. Ob Auszubildende oder Studenten, alleine oder im Team: Es wird gezeichnet, gefeilt, gefräst, gebohrt und gebaut. „Von der Pike ab“ bringt Holzinger seinen Schützlingen die Handfertigkeiten an den Maschinen bei. „Die dualen Studenten müssen nicht perfekt Fräsen können, aber mit den Materialien in Berührung kommen, um später die Zusammenhänge besser zu verstehen“, lautet Holzingers Credo. Es ist ihm wichtig, dass Auszubildende und Studenten bildlich sehen, wie  entsteht, was sie später selbst am Computer planen.

Bevor die Lehrwerkstatt morgens jedoch zum Leben erwacht, stimmt sich Holzinger, der für die mechanischen Themen verantwortlich ist, mit seinem Kollegen Nils Kranich ab, der den elektronischen Part abdeckt. Die Übergänge sind fließend, der Mechatroniker zum Beispiel wandert zwischen Mechanik und Elektrik. Jeder Ausbildungszweig hat sein eigenes Programm, die Ausbildungsmeister springen nicht nur im räumlichen Sinne durch die Lehrwerkstatt, sondern auch noch thematisch zwischen verschiedenen Lehrjahren, Fächern, Ausbildungswegen und Aufträgen hin und her. „Es wird definitiv nicht langweilig.“

Hat Holzinger die Lehrwerkstatt erst einmal betreten, verlässt er sie erst zum Mittagessen wieder. Bis dahin bombardieren die Lehrlinge den Ausbildungsmeister mit Fragen, der gibt Hilfestellung und versucht, den Überblick zu behalten. „Das hast du zu weit eingespannt“, steht er einem werkelnden Azubi zur Seite. Eine Anlage weiter steckt der Schlüssel, obwohl der Motor der Maschine gerade still steht. Holzinger weist den Studenten freundlich auf seinen Sicherheitsverstoß hin. Im PC-Terminal in einer Ecke der Werkstatt tüfteln Auszubildende an ihren technischen Zeichnungen, Holzinger diskutiert verschiedene Optionen mit ihnen. Am Nachmittag führt er Zwischengespräche mit seinen Lehrlingen, spricht Stärken und Schwächen offen an.

„Wenn mal etwas schief geht, hole ich das ganze Ausbildungsjahr zusammen“, schildert Holzinger: „Nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern damit wir als Team gemeinsam aus Fehlern lernen.“ In der Lehrwerkstatt treffen unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Vorwissen aufeinander. „Die helfen sich gegenseitig“, weiß Holzinger. Bereits in der Einführungswoche wird der Teamgedanke großgeschrieben, das Teilen von Erfahrung sei „ein Effekt, den wir immer gerne haben“. Auf Frontalunterricht setzt Holzinger nur, wenn es nicht anders geht. Statt eines Lehrers will er ein „Coach“ sein, der seine Schützlinge in Selbständigkeit und Verantwortung schult, zur Not aber auch in ihre Schranken weist. „Ich versuche natürlich, auf die verschiedenen Typen einzugehen und eine Beziehung aufzubauen.“

 

Die Lehrwerkstatt ist der Anlaufpunkt verschiedener Abteilungen des Unternehmens. Regelmäßig beauftragen diese Holzinger und seine Mannschaft mit Projekten und der Fertigung von spezifischen Bauteilen. Immer wieder werden dabei die Grenzen des Machbaren ausgelotet, das Lösen technischer Probleme mache unheimlich Spaß. Durchgängig wird ein großes Ziel verfolgt: „Die sollen sich hier auskennen und verstehen, wo das Material herkommt, wie teuer es ist, wie die Kostenstrukturen sind, was machbar ist und was nicht machbar ist.“ Der Blick über den Tellerrand der eigenen Fachkompetenz hinaus und das Nachdenken über größere Zusammenhänge liegen Holzinger am Herzen.

Zu guter Letzt will der Ausbildungsmeister Interesse an betrieblichen Themen wecken: „Konstruktiv kritisch sein ist erlaubt. Ich will auch unsere Projekte nicht einfach aufsetzen, sondern zusammen mit den Auszubildenden kreativ entwickeln.“ Ob Mechatroniker, Industriemechaniker oder Elektroniker – „wichtig ist, dass man sich darauf freut, ins Geschäft zu gehen. Das ist bei mir zu 100 Prozent der Fall“. Um 15 Uhr beginnen die Azubis und Studenten in der Lehrwerkstatt zu Putzen. Für Holzinger bleibt Zeit, sich per Mail mit den Lehrern der Berufsschule auszutauschen oder einen Blick in das dicke Fachbuch zu werfen, um die eine oder andere Antwort auf eine komplexe Frage nachzuliefern.