Er ist 65 Jahre alt und lebt in Deutschland. Mehr weiß ich nicht. Dennoch habe ich ihm das Leben gerettet. Es war ganz einfach. Sie könnten das übrigens auch. Und darum möchte ich Ihnen meine Geschichte erzählen.

2009 habe ich meine Familie am Bodensee besucht. In der Nähe fand eine Registrierungsaktion der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei statt. Meine Schwägerin und ihre Familie wollten teilnehmen – und so gingen meine Familie und ich mit. Heute registriert man sich meist durch einen Abstrich im Mund, damals wurde mir etwas Blut abgenommen, was aber auch nicht aufwändiger ist. Es war also eine kurze Geschichte und mit der Zeit habe ich sogar vergessen, dass ich ab diesem Zeitpunkt in der Datei aufgeführt war. Umso überraschender war es, als ich fünf Jahre später, im Oktober 2014, Post von der DKMS bekam. In dem Brief stand, dass ich möglicherweise als Knochenmarkspender in Frage komme und man bat mich umgehend zu einer Bestätigungstypisierung. Das konnte ich bequem in unserer Sanitätsstelle erledigen, wo ich erneut etwas Blut lassen musste. Die Probe ging dann zur Analyse an die DKMS.

Vier Wochen hat das gedauert, eine unangenehme Wartezeit. Einerseits möchte man jemandem mit Leukämie helfen. Andererseits weiß man, dass die Wahrscheinlichkeit, einen passenden Spender außerhalb der eigenen Familie zu finden, bei bis zu Eins zu mehreren Millionen liegt. In diesem Fall stimmten die notwendigen Merkmale aber überein und Mitte November erfuhr ich, dass ich tatsächlich der „genetische Zwilling“ des Patienten war.

Vor der Spende musste ich mich durchchecken lassen, um etwaige Krankheiten wie Hepatitis auszuschließen. Bei mir war alles ok – und die DKMS fragte mich noch einmal, ob ich zu der Knochenmarkspende bereit sei. Schließlich würde ich damit auch viel Verantwortung übernehmen, denn sobald der Termin für die eigentliche Spende feststeht, wird der Empfänger vorbereitet. Hierfür werden seine eigenen Stammzellen chemisch abgetötet, damit später nur die neuen Zellen im Körper aktiv sind. Das ist notwendig, denn die alten Zellen würden weiter Krebszellen produzieren. In dieser Zeit ist der Empfänger extrem anfällig für jede Krankheit, sein Körper kann sich gegen nichts mehr wehren. Ohne Spende wäre er nicht mehr überlebensfähig. Ich habe zugestimmt und in den zwei Wochen bis Mitte Dezember sehr auf mich aufgepasst. So konnte ich dank MANN+HUMMEL Dienstreisen verschieben und selbst beim Gang über die Straße habe ich einige Male extra nach links und rechts geschaut.

Da ich mich für die Stammzellenentnahme aus der Blutbahn entscheiden konnte, musste ich mir vorab Medikamente spritzen, die die Anzahl der Stammzellen in meinem Blut steigerten. Am 16. Dezember ging es dann nach Tübingen. Dort wurden mir die Stammzellen über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut entnommen. Das dauerte rund fünf Stunden und war völlig harmlos. Ich konnte am gleichen Tag wieder nach Hause fahren. Auch die grippeähnlichen Symptome, die während der Medikamenteneinnahme auftraten, waren nicht der Rede wert. Zwei Tage nach dem Absetzen war ich wieder fit.

Und jetzt? Wie eingangs erwähnt, weiß ich nicht, wem ich meine Stammzellen gespendet habe, denn in Deutschland dürfen sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennen lernen. Mir wurde aber mitgeteilt, dass es ihm gut geht. Natürlich möchte ich meinen „genetischen Zwilling“ auch noch persönlich kennenlernen. Das wird aber erst in gut einem Jahr möglich sein. Und bis dahin? Ich fühle mich großartig, denn es ist einfach ein unfassbares Glück, jemandem so helfen zu können. Auch habe ich dadurch gelernt, wie kostbar das Leben ist, wie unwichtig Kleinigkeiten oft sind und auf was es wirklich ankommt. Das alles möchte ich nicht missen. Und ich empfehle jedem, es mir gleichzutun. Denn Leukämie kann jeden treffen – und genauso kann jeder die Rettung für einen Erkrankten sein.